Ziemlich paradox fand ein Rollstuhlfahrer die Tatsache, dass er einen Schwerbehindertenausweis hat, aber nicht auf einem Behindertenparkplatz parken darf.
Manfred Eichmeier vom "Zentrum Bayern Familie und Soziales" (ZBFS) hatte in seinem Vortrag beim "Forum für Menschen mit Behinderung" erklärt, dass nur Behinderte mit dem Merkzeichen "aG" auf dem Schwerbehindertenausweis auf einem solchen Platz parken dürfen. "Das sagt die Straßenverkehrsordnung, das ist Gesetz", antwortete der Referent und empfahl dem Fragenden einen Verschlimmerungsantrag zu stellen, sollte er den Rollstuhl ständig brauchen.

Zuvor hatte Manfred Eichmeier bereits erklärt, dass Menschen nur dann als schwerbehindert gelten, wenn die Beeinträchtigung länger als sechs Monate andauert und eine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Als schwerbehindert gelten Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 50 Prozent. "Legen Sie Befundberichte bei, wenn sie einen Antrag stellen. Das beschleunigt das Verfahren", riet der Referent. Der Grad der Behinderung würde unabhängig vom Beruf bestimmt; deshalb könne der eine nicht mehr arbeiten und erhält einen GdB von nur zehn, während der andere einen GdB von 100 erhält, obwohl er noch arbeiten kann.

"Der Verlust eines Auges bedeutet einen GdB von 30, der Verlust des Beins im Oberschenkel 70, ein Dialysepflichtiges Nierenleiden 100", zählte der Referent auf.


Ausgleich von Nachteilen

Manfred Hümmer (FW) fragte, wie bei multiplen Behinderungen vorgegangen würde. "Es gibt keine Addition", antwortete Eichmeier.
Auch ging er kurz auf die Merkzeichen und ihre Bedeutung ein. "G" auf dem Schwerbehindertenausweis bedeutet beispielsweise, dass die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt ist. Ein Nachteilsausgleich hier ist die Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr nach Erwerb einer Wertmarke oder eine Ermäßigung der Kraftfahrzeugsteuer. "aG" bedeutet, dass man immer auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Man darf auf Behindertenparkplätzen parken und erhält Taxischeine. Gehörlose erhalten das Merkzeichen "Gl" und haben das Recht auf Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr. In der Diskussionsrunde wurde gefragt, ob für das Merkzeichen "H", das für hilflose Person steht, das Gutachten des Medizinischen Dienstes reichen würde, wenn dieses eine Pflegestufe II bestimmt. Das bestätigte Manfred Eichmeier. Er erklärte auch, dass man die alten
Schwerbehindertenausweise nicht umtauschen müsse.

Ein gehörloser Zuhörer berichtete, dass er im Königsbad Eintritt hätte zahlen müssen. Darum wollte sich Josef Lypp von der Stadt Forchheim kümmern. Rollstuhlfahrer Bernhard Leisgang war angetan vom Erkenntnisgewinn. Er selbst hält als Schwerbehindertenvertreter des VdK ebenfalls Vorträge und berät Behinderte. Die meisten Probleme gibt es seiner Erfahrung nach beim Antragstellen. Viele wollten ein Merkzeichen, um den Steuerfreibetrag nutzen zu können.
"Es gibt welche, die wollen mit ihrer Behinderung nicht an die Öffentlichkeit, während andere schon mit einem Armbruch einen Schwerbehindertenantrag stellen wollen", berichtete Leisgang.