So hat es der große William Shakespeare formuliert: "Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Männer und Frauen bloße Schauspieler." Für die Epoche des Barocks galt diese Anschauung in besonderem Maße. Mit der neuen Ausstellung "Die Welt als Theater: Barock & Rokoko" präsentiert laut einer Pressemitteilung das Gößweinsteiner Wallfahrtsmuseum das barocke Lebensprinzip als musealen Höhepunkt zum "Jahr des Barock" in Gößweinstein.

Zum Dreieinigkeitsfest bietet das Museum an diesem Wochenende ein besonderes Programm an. Kostenlos werden halbstündige Begleitungen durch das Museum angeboten: am heutigen Samstag zwischen 10 und 12 Uhr sowie am Sonntag, 15. Juni, zwischen 13 und 17 Uhr. Als Eintritt bezahlen Erwachsene zwei Euro, Kinder sind frei.

Besondere Wirkung

Vor ungefähr 275 Jahren wurde die Rokoko-Ausstattung der heutigen Wallfahrtsbasilika unter der Federführung von Johann Jakob Michael Küchel, Balthasar Neumanns Co-Architekten, als "heiliges Theater" und "neuer Tempel Salomons" inszeniert.

Immer noch übt sie ihre besondere Wirkung aus, wenn auch vieles für heutige Augen nicht mehr ohne weiteres erkennbar ist. Die Gößweinsteiner Ausstellung eröffnet nun unter anderem mit einer Video-Station, Fotos und zahlreichen grafischen Darstellungen einen neuen Zugang.

Doch nicht allein die sakrale, auch die profane Bühne findet Berücksichtigung. Bühnentechnik wie Hebevorrichtungen und illuminierende Effekte kamen schließlich auf beiden Seiten zum Einsatz. Pfeileraltäre wurden wie Bühnenkulissen arrangiert, ganz zu schweigen von den Heiligen Gräbern.
Predigten wurden nicht nur mit rhetorischem, sondern auch mit großem theatralischem Einsatz gehalten.
Der englische Rokoko-Maler William Hogarth hatte dazu seine eigene gesellschaftssatirische Meinung, wie eine Illustration schildert. Das Theater galt als vollkommenes Gesamtkunstwerk, an dem alle bildenden und darstellenden Künste sowie die Musik teilhatten.

Theater war hoffähig, als Darbietung und als Möglichkeit des Mitwirkens. Prominentestes Beispiel dafür ist Ludwig XIV., an dem nach seinem jugendlichen Auftritt als Apoll der Beiname "Sonnenkönig" haften blieb. Vor historischem Hintergrund entwickelt die Ausstellung die Rolle der barocken Person und die Gestaltung der barocken Umwelt.
Kunstvoll-künstlich formten Männer und Frauen ihre Gestalt durch Korsetts und Reifröcke, Lockenperücken und Absatzschuhe - so künstlich wie die beschnittene Gartenvegetation. Ein streng geordneter Gestaltungswille äußerte sich in Stadtanlagen, ja Planstädten, Schloss- und Gartenanlagen.

Dabei war alles ausgerichtet auf den Sitz des Herrschers von Gottes Gnaden, allem voran das französische Vorbild Versailles. Die Inszenierung eines Fürstbischofs unter dem Thronhimmel veranschaulicht die stellvertretende Funktion des Porträts und ihre rechtliche Bedeutung.

Noch bis Oktober zu sehen

Allegorische Darstellungen huldigen nicht nur dem Herrscher. Der barocke Mensch richtete sich in der Welt allegorisch ein. Seine Maßstäbe und Vorbilder waren nicht die Natur, sondern die Kunst und die Geschichten der antiken Götter und Helden. Und natürlich verwies alles zeichenhaft auf Gott und seinen Heilsplan.

Der Untertitel der Ausstellung, "Barock & Rokoko", wird historisch aus seiner Wortbedeutung entwickelt und in seinen stilistischen wie kulturellen Aspekten dargestellt. Die Konfessionalisierung als ein Epochen-Phänomen zeigt sich am Beispiel katholischer Devotionalien.

Die historische Schau "Die Welt als Theater: Barock & Rokoko" ist bis noch zum 12. Oktober jeweils von Dienstag bis Sonntag in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein zu besichtigen. red