Zum Pfusch am Bau bei der Errichtung des Ehrenbürg-Gymnasiums kommt jetzt auch noch das Unvermögen des Architekten, der die Planung für die Sanierung ausgearbeitet hatte. Stefan Götz von der Bauaufsicht des Landratsamtes und Stefanie Plötz vom Projektsteuerungsunternehmen Hartl zogen nun die Reißleine. Die Zusammenarbeit mit dem Würzburger Ingenieurbüro Röschert wurde gekündigt.

Neu ins Boot geholt wurden Stefan Renner vom Architekturbüro Schwarzmann, Hollfeld und Uwe Haseloff vom Ingenieurbüro Thomas Klug in Bamberg. Sie haben die Gesamtplanung noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Die Sanierung der Schule wird um drei Millionen Euro teuerer als ursprünglich geplant.


Heizung vergessen

In seiner Bestandsaufnahme listete Haseloff eklatante Mängel auf. So fehlt bei der Sanierung des Fachklassentraktes die Heizung komplett. Vergessen! Für die Dämmung seien statt Stahl brennbare Materialien eingebaut worden und für die Wiederherstellung der Außenanlagen waren nur 25 000 statt der tatsächlich Benötigten 325 000 Euro eingestellt. Einer von vier Schaltschränken für die Belüftung fehlte. Einfach verschwitzt.
Besonders gravierend: Die Massen, sprich der Umfang der Arbeiten wurde komplett falsch eingeschätzt. Beim den Maurer-Arbeiten liegen deshalb die tatsächlichen Kosten um 80 Prozent über dem ursprünglich ausgewiesenen Betrag. Bei den Trockenbauarbeiten monierte Haseloff eine unzureichende Qualität der Ausschreibung. Mehrkosten: 124 590 Euro.


Lange Pannenliste

Die Liste der Pannen scheint fast endlos. So sind in den Unterlagen des bisherigen Planers die Bohrungen für Spezial-Dübel an den Decken als zusätzliche Leistung mit entsprechenden Mehrkosten ausgewiesen. Die Fenster der beiden Erker waren als Komplettverglasung vorgesehen, so dass sie nur mit Hilfe eines Hubsteigers von außen zu reinigen gewesen wären. Durch den Einbau von Fenstern, die sich öffnen lassen, wurde dies verhindert. Im Keller wurde nicht nur der Brandschutz ignoriert, sondern auch die defekte Tauchpumpenanlage. Außerdem gammelt dort laut Haseloff ein großer Warmwasserbehälter vor sich hin, der seit Jahren von den Versorgungsleitungen abgetrennt ist. "Wenn da was passiert, steht der ganze Keller unter Wasser", kritisierte der neue Planer, der nicht verstehen konnte, warum das Abwasser über eine Hebeanlage eine Etage höher transportiert wurde. Er plant stattdessen eine Freispiegel-Anlage, bei der das Wasser direkt nach außen abgeleitet werden kann. Das niederschmetternde Urteil: "Dinge, die für das Tagesgeschäft unerlässlich sind, waren nicht vorhanden."

Stefanie Plötz versuchte die katastrophale Fehlplanung mit häufigem Personalwechsel in den Teams zu erklären. Sie widersprach auch nicht, als Haseloff kritisierte, dass "die Reihenfolge der Bauabschnitte aus Sicht der Haustechnik unglücklich gewählt" wurde.


Konsequenzen gefordert

Angesichts der Menge der Fehler und des Umfangs der Kosten verlangte Lisa Badum (Die Grünen) eine zeitnahe Aufklärung. Die Verantwortlichen müssten festgestellt und Konsequenzen gezogen werden. Zur Schadensbegrenzung müssten alle juristischen Wege ausgeschöpft werden.

Sebastian Körber (FDP) kritisierte das mangelhafte Leistungsverzeichnis, die unzureichende Ausschreibung, die rudimentäre Bestandsuntersuchung und ein zu spätes Controlling. Völliges Unverständnis hatte er für das Brandschutzkonzept, das nur abschnittsweise berücksichtigt worden sei. Als Anwalt der Bürger empfahl Körber, juristischen Sachverstand einzuholen und die Mehraufwendungen einzuklagen.

Richard Gügel (FW) polterte: "Da hätten wir uns den Architekten gleich sparen können. Das hätte ein Flickschuster genauso gut hinbekommen." Er forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Auch Kreisrat Edwin Dippacher (CSU) zeigte sich erschrocken über die Mehrkosten . Es muss aufgeklärt werden, forderte er "ohne wenn und aber". Und Reinhold Otzelberger ergänzte: "Eine Prüfung wird notwendig sein. Aber nicht mit Schaum vor dem Mund ." Otzelberger sprach von schwerwiegenden Mängeln und stellte klar: "Es darf nicht sein, dass wesentliche Teile im Leistungsverzeichnis nicht enthalten sind. Solche Fehler dürfen Fachleuten nicht passieren."

Hermann Greif (CSU) gab zu bedenken, ob nicht Fördergelder verloren gegangen seien, weil die Kosten zu niedrig angesetzt waren. Auch dies gelte es bei Schadenersatzansprüchen in Erwägung zu ziehen.
Um den weiteren Baufortschritt nicht zu gefährden, billigten die Mitglieder des Kreis-Bauausschusses Kostenüberschreitungen in einer Größenordnung von 2,4 Millionen Euro.

Gegen eine komplette Freigabe der Mehrkosten von über drei Millionen Euro hatte sich Kreisrat Edwin Dippacher gesträubt. Es gebe bei den 14 Einzelmaßnahmen auch Posten, über die das Gremium auch zu einem späteren Zeitpunkt beraten könne, argumentierte er.