Die Puppenspiel-Variante des "eingebildete Kranken" von Moliere begeisterte das Forchheimer Publikum im Jungen Theater am Freitagabend. Die Besucher durften im Rahmen der 17. Forchheimer Puppentheater-Woche eine Vorstellung der ganz besonderen Art genießen, als sie in Molieres Welt entführt wurden.
In drei Akten ließ Heike Klockmeier, besser unter ihrem Künstlernamen "Ambrella Figurentheater" bekannt, die Puppen tanzen. Die seit 17 Jahren tätige Künstlerin bewies viel Engagement und großes Können auf der Bühne, indem sie nicht nur ihre Fähigkeit beim Handpuppenspiel zeigte, sondern beispielsweise auch ihren Gesang und ihre Schauspielkünste zum Besten gab.

Vorgeschichte mit eingebaut


Kurzweilig erschien das 90-minütige Theater durch die unbekannte Fassung von "Der eingebildete Kranke". Bemerkenswert: Auch die Vorgeschichte zur Entstehung von Molieres Stück wurde in die Handlung eingearbeitet.
So soll Moliere die Komödie auf Drängen des gelangweilten Königs Ludwig XIV geschrieben haben. Es sollte eine Überraschung bei der Geburtstagsfeier der Königin werden. Daraufhin beschloss Moliere, den König selbst mit seinem unermesslichen Reichtum und seiner untrübbaren Gesundheit auf den Arm zu nehmen.
Letzlich schreibt er über einen Herrn namens Argan, der sich seine vielen verschiedenen Krankheiten einbildet und dabei von vielen Ärzten ausgebeutet wird. Argan stellt einen ebenso bedauernswerten wie auch unerträglichen Menschen dar. Fixiert auf das eigene Wohl, vergisst er seine Mitmenschen und einige Störungen im Familienleben werden deutlich. So lebt er mit einer falschen Ehefrau, die nur auf seinen Tod wartet und einer lieben Tochter, die er zur Heirat eines Arztes zwingen will unter einem Dach.
Nur mit Hilfe des gutmütigen Dienstmädchens und ihres schlauen Bruders gelingt es Argan schließlich, seinen Krankheitswahn zu überwinden und die Missstände im Familienleben zu klären. Zusätzlich wurden Kasperl und Gretel in das Theaterstück eingebaut, die wohl als bekannteste Handpuppen gelten. Allerdings wirkte deren Rolle als Schutzengel etwas überspitzt und sorgte kurzzeitig für Verwirrung bei den Zuschauern.

Spontaner Beifall


Aufgelockert wurde das Stück durch zahlreiche sarkastische Witze, die beinahe unbeabsichtigt zu sein schienen und das ein oder andere Gelächter dem Publikum entlockten. Auch die direkte Ansprache der Zuschauer an manchen Stellen, das Einspielen passender Musik und die Betonung der einzelnen Szenen durch Licht war sehr überzeugend.
Wie verzaubert verfolgten die gebannt da sitzenden Besucher die Handlung, unterbrochen von spontanen Zwischenrufen und Beifallskundgebungen. Ihrer Begeisterung verliehen die Gäste Ausdruck in einem tosenden Applaus, mit dem sich das Publikum für den Genuss höchster Literatur bedankte. Vor allem die eigenwillige, aber gelungene, künstlerische Art und Weise der Interpretation des Stückes verdient Anerkennung.