Mit 17 Kilometern ist es von Forchheim nach Erlangen ein Katzensprung. Und hier wie dort beschäftigen die gleichen Themen die Wirtschaft: der Fachkräftemangel, die Entwicklung der Innenstädte, die Verkehrsinfrastruktur. Grund genug für das IHK-Gremium Forchheim, das Erlanger Gremium der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken zu seiner jüngsten Sitzung nach Oberfranken einzuladen. Bei dem Treffen in den Räumen des Logistikunternehmens Simon Hegele lotete man die Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus.

"Gemeinsam können wir die Region voranbringen", betonte Michael Waasner, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Forchheimer Gremiums. Er stellte den Gästen aus Mittelfranken den Wirtschaftsstandort vor. So wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Forchheim seit 2005 um mehr als 30 Prozent, die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei rekordverdächtig niedrigen 2,9 Prozent. 29 000 Menschen sind im Landkreis Forchheim sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Also alles bestens? Nein, denn den Unternehmen fehlen die Fachkräfte, so Waasner.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Forchheim als einer von wenigen Landkreisen in den kommenden Jahren mit einem Bevölkerungswachstum rechnen kann. "Als Unternehmer müssen wir unser Engagement für die berufliche Ausbildung daher unverändert hochhalten", appellierte Waasner.


Kein neuer Einzelhandel mehr

Die Fachkräftelücke beschäftigt auch die Unternehmen im Raum Erlangen, bestätigte der Erlanger Gremiumsvorsitzende Patrick Siegler. Darüber hinaus identifizierten die Wirtschaftsvertreter weitere gemeinsame Themen. Der Einzelhandel und die Entwicklung der Innenstädte gehören dazu. Eine Baustelle und der Mangel an Parkplätzen, aber auch strukturelle Änderungen durch den Onlinehandel kosten die Händler vor allem in der nördlichen Erlanger Innenstadt Kunden und Umsatz, so Siegler. Die Situation sei für viele mittlerweile existenzbedrohend.

Die schwierige Lage des Einzelhandels ist natürlich auch in Forchheim ein Thema, ergänzte Gremiumsmitglied Robert Wiegärtner. Rund 50 Leerstände, das sei für eine Stadt von der Größe Forchheims enorm viel. Weitere Schließungen seien absehbar, aber es folge kein neuer Einzelhandel in den Ladenlokalen.

Um den Austausch zu den gemeinsamen Themen zu fördern, wollen die beiden Gremien sich ab sofort wechselseitig über Veranstaltungen informieren und damit ein zusätzliches Angebot für die Mitgliedsunternehmen schaffen. "Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen und haben die gleichen Ziele. Die Vernetzung der Gremien ist ein richtiger Schritt, um diesen näherzukommen", so Waasner. Er nannte etwa die nötige Infrastruktur für Elektromobilität, die an Landkreisgrenzen nicht Halt machen dürfe: "Kooperationen mit Stadtwerken und Unternehmen werden hier von großer Bedeutung sein."

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden IHK-Gremiumsbezirke: Beide liegen im Herzen der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Diese stellte deren Geschäftsführerin Christa Standecker vor. Sie beschrieb die Region als starken Wirtschaftsstandort und nannte die Polyzentralität als eine der großen Stärken. Die Metropolregion sei ein "Netz mit viele starken Knoten", zu denen auch die Landkreise Forchheim und Erlangen-Höchstadt zählen. Rund ein Dutzend Weltmarktführer hätten allein hier ihren Sitz.

Auf die gemeinsame Sitzung folge eine Besichtigung des Unternehmens Simon Hegele, das am Rittigfeld in Forchheim 280 Mitarbeiter beschäftigt. Bei einer Führung lernten die Wirtschaftsvertreter den Standort mit 50 000 Quadratmetern Logistikfläche kennen - das entspricht rund sieben Fußballfeldern.