Ebermannstadt ,,Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen" - mit diesem afrikanischen Sprichwort begrüßten am vergangenen Sonntag die Krippenleiterinnen Katrin Hanske und Daniela Schriefer die Besucher der neu errichteten zweiten Kinderkrippe in Ebermannstadt. Der interessierten Öffentlichkeit bot sich im Rahmen eines ,,Tages der offenen Tür" die Möglichkeit, das "Zwergenland" - so der märchenhafte Name der Einrichtung - mit seinen Erzieherinnen und einladenden Räumlichkeiten kennenzulernen.

Nach Abschluss der acht Monate andauernden Bauzeit läuft bereits seit Januar dieses Jahres der Betrieb. In den beiden Gruppen ,,Maikäfer" und ,,Fröschlein" können die Kleinen im Alter von einem halben bis zum dritten Lebensjahr gemeinsam die Welt entdecken.

Bei zunächst noch sonnigem Frühsommerwetter besuchten viele Familien die offizielle Eröffnungsfeier, die vor dem Neubau unter freiem Himmel stattfand. Dabei wurden die kurzen Ansprachen von der symbolischen Schlüsselübergabe durch den Architekten des Neubaus, Ralf Bahl sowie die ökumenische Segnung durch zwei Geistliche umrahmt.

Katrin Hanske und Daniela Schriefer dankten in ihren Grußworten allen Verantwortlichen und Sponsoren, ohne die die Errichtung des lichtdurchfluteten Baus mit seiner kindgerechten Ausstattung nicht möglich gewesen wäre. Sie betonten, dass dem oben genannten Sprichwort entsprechend auch in unserer Gesellschaft Kinder nicht nur von ihrer Kernfamilie erzogen werden. Auch im sozialen Miteinander außerhalb des familiären Umfeldes, wie es beispielsweise in Kinderkrippen stattfindet, werden die Kleinen auf das Leben vorbereitet.


"Keine Verwahranstalt"

Kinder sind etwas ganz Besonderes - dies hoben sowohl die evangelische Pfarrerin Ute von Seggern aus Forchheim als auch der katholische Geistliche Zlatko Kidjemet hervor. Jesus habe irdische Maßstäbe auf den Kopf gestellt und die Kinder zu den Größten im Himmelreich erklärt. Auch gegenwärtig stünden sie aufgrund ihres natürlichen und ehrlichen Wesens unter einem besonderen Segen und seien geschenkte Kostbarkeiten, die von den Erwachsenen in ihrem eigenständigen Wert anerkannt und geachtet werden müssten.

Über das von allen geteilte Lob hinaus beinhaltete das Grußwort des stellvertretenden Landrats Edgar Büttner auch einige mahnende Untertöne. Er betonte, dass die Bereitstellung hochwertiger Betreuungs- und Erziehungsangebote und damit einer Kinderkrippe wie dem "Zwergenland" eine unabdingbare Investition in die Zukunft sei. Doch müssten sich Eltern stets darüber im Klaren sein, dass sie selbst die Basis für die Entwicklung ihrer Kinder legten. Eine Tagesstätte sei keine ,,Verwahranstalt".

Mit dem Neubau hat, so Bürgermeisterin Christiane Meyer, die Stadt auf die Bedürfnisse der Eltern vor Ort reagiert. Die in Ebermannstadt bereits bestehenden Betreuungsmöglichkeiten für die Kleinsten wurden durch das "Zwergenland" erweitert und so Verantwortung für das wichtigste Gut übernommen, über das unsere Gesellschaft verfügt: Kinder als Heranwachsende, die auch in einer professionellen Institution wie dem "Zwergenland" die in der eigenen Familie erlebte Liebe und Geborgenheit erfahren sollten.

Der Name sei, so Meyer weiter, in Anlehnung an die Vorstellung entstanden, die man landläufig mit einem "Zwergenland" verbindet: eine liebevolle und von Geborgenheit geprägte Atmosphäre, in der die Kinder gemeinsame Abenteuer erleben und spielerisch auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet werden.

Hülya Bauersachs als Vertreterin des Elternbeirates schloss mit ihrer kurzen Ansprache den offiziellen Teil des Nachmittags. Sie verwies auf den integrativen Charakter der Kinderkrippe: Zum einen nehmen die Kleinen regelmäßig am gesellschaftlichen Leben teil, indem sie beispielsweise die Bewohner der Altenheime besuchten. Zum anderen bietet der Neubau Barrierefreiheit, so dass auch Rollstuhlfahrer die Krippe besuchen könnten. Das wesentliche Ziel ist es, Kinder unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Fähigkeiten zu fördern.

Neben einem bunten Rahmenprogramm mit Hüpfburg, Gegrilltem und Kuchenbuffet bestand auch die Gelegenheit, sich die neuen Räume des ,,Zwergenlands" in aller Ruhe anzusehen.