Der Umzug aus dem mittelfränkischen Münchsteinach nach Willersdorf ist gelungen. Minus 20 Grad hatte es an dem Tag, als Adrian Hege den achtjährigen Gänserich Josef an seinem alten Wohnort abholte. Dort hatte das Tier noch mit Blick auf das Fenster gewartet. Auf das Fenster, aus dem seine Gänsedame nach ihm immer Ausschau gehalten hatte. Doch die alte Dame war einige Zeit vorher gestorben.

Zwei Jahre lang hatten die beiden schon allein zusammengelebt, nachdem Josefs Gansgefährtin gestorben war. Da hatte der schmucke Ganter keine Freude mehr an seinem bunten Häuschen und seinem Schwimmbad. "Ganz still war er die ersten Tage", erinnert sich Katalin Hege. Aber von seinem neuen Herrchen ließ Josef sich gleich anfassen. An dem kalten Tag des Umzugs hatte der ihn erstmal in das leerstehende Gewächshaus gebracht. Und trug ihn jeden Morgen zum Häuschen. "Am vierten Tag hat er sich beschwert", erzählt Hege "und seither geht er alleine." Und zischt und schnattert schon mal.


Die Sie war in Wahrheit ein Er



Jetzt müssen Adrian Hege oder seine Frau nur "Josef" rufen. Sofort wendet er sich um und lässt sich streicheln. Wer kann auch seinen leuchtend blauen Augen widerstehen?

Maxi nicht, das steht schon einmal fest. Dabei ist die einjährige Gänsedame sonst eher zurückhaltend und ängstlich. Ihr Leben ist bisher in recht krummen Bahnen verlaufen. Ihre Besitzer hielten den Gössel für einen jungen Gänserich und gaben ihm den Namen Max. Doch nicht genug: Der Er, der in Wirklichkeit eine Sie war, war das einzige Tier im Gänsehof in Reifenberg mit grau-weißem Gefieder. Der Wildgans einschlag machte sie offenbar zum Außenseiter unter den reinweißen Artgenossen. Sie sind Maxi ganz schön an den Kragen gegangen. Die ausgerupften Federn wachsen nun langsam nach.


Eier am laufenden Band



Diese Tortur hat Maxi aber nicht in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Mit dem nahenden Frühjahr begann sie, brav jeden zweiten, dritten Tag ein Ei zu legen. Ob sie auch brüten wird? Ob Heges sich auf eine große Gansfamilie freuen dürfen?

Beinahe hätte Maxi ihren Josef ja schon verloren. Eines Morgens schaute Katalin Hege nach dem Gänserich. "Ich bin erschrocken, den sein Gefieder war ganz blutverschmiert." Der Ganter hatte sich eine Warze am Schnabelansatz aufgerissen. Heges Nachbar, der früher selber eine Gans namens Waltraud besessen hat, riet zum Tierarztbesuch.

"Der verstand uns nicht so recht", sagt Adrian Hege im Nachhinein. Und habe erst einmal zum Schlachten geraten, aber dann doch zum Skalpell gegriffen. Die vermeintliche Warze stellte sich als Tumor heraus.