Ein Hauch von Weltpolitik, aber auch von herzlicher Freundschaft wehte durch die Aula des Herder-Gymnasiums (HGF) beim Festakt zur 40-jährigen Partnerschaft zwischen dem Landkreis Forchheim und Biscarrosse. Nach dem Besuch der Forchheimer Ende Mai in der südfranzösischen Partnerstadt waren nun die Gäste zum Gegenbesuch gekommen.

Unbeschwert begrüßten Isabel und Melissa der Klasse 9d des HGF die Gäste in deutscher und französischer Sprache. Die Effeltricher Musikanten spielten ein Willkommensständchen. Landrat Hermann Ulm (CSU) hieß unter den zahlreichen Ehrengästen insbesondere Bürgermeister Alain Dudon aus Biscarrosse und Altlandrat Reinhardt Glauber willkommen.

Fleißige Hände und kluge Köpfe

In seiner Festrede schlug Ulm einen weiten Bogen zurück, als Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 im Pariser Elyseé-Palast den Vertrag zur deutsch-französischen Zusammenarbeit unterzeichneten und so auch den Grundstein für die Partnerschaft legten. Auf dieses Fundament hätten Otto Ammon und Roger Ducom ihre Partnerschaft am 18. Mai 1975 in Biscarrosse begründet. "Viele fleißige Hände und kluge Köpfe haben das Haus darauf gebaut", blickte Ulm zurück. Viele Begegnungen im Bereich Jugend und Kultur seien gefolgt.

Ammon bereitete den Weg. Landrat Glauber und nun Ulm führten die Arbeit nahtlos fort. Viele Namen tauchten auf in einer bewegten Freundschaft. Aus der Ära Glauber schmückt ein tonnenschwerer Findling aus der Fränkischen Schweiz, vom Kirchehrenbacher Künstler Erich Müller bearbeitet, den Place de Forchheim in Biscarrosse. Andererseits schmückt die Bronzestatue der Adeline, der Patronin von Biscarrosse, den Barockgarten des Landratsamtes oder erinnert die Biscarrosse-Brücke bei Kirchehrenbach an die Verbindung.

Jüngere Menschen gefragt

Die tief verwurzelte Freundschaft habe das Alter der Blüte des Lebens erreicht, die sich nicht mehr durch Stimmungsschwankungen erschüttern lasse, urteilte Ulm. Jüngere Menschen seien gefordert, mittelfristig dieses Erbe anzutreten. Derzeit werde das Partnerschaftskomitee auf deutscher Seite von Reinhard Heydenreich und Reinhold Göller geleitet, auf französischer Seite von Claude Delmaere.

Ulm wünscht sich ein Europa, das die Individualität der Regionen achtet, in der Welt aber als Ganzes auftritt. Dabei dankte Ulm allen, die bisher mitgearbeitet haben, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass noch mehr Freundschaften zwischen den Bürgern während der Feierlichkeiten entstehen mögen.

Wie beim Fußball

Alain Dudon verglich in seiner Rede die Freundschaft mit einem Fußballspiel, bei dem es hin und hergehe, aber die Freundschaft bleibe. Seine Delegation wurde begleitet von Mitgliedern des Stadtrats, des Partnerschaftskomitees, sowie den Stelzenläufern "Lous Esquirous".

Er würdigte die aufopferungsvolle Arbeit des Präsidenten seines Komitees Claude Delmaere, der Ende des Jahres nach 29 Jahren ausscheiden möchte. Annemarie Desbayes, eine gebürtige Schweinfurterin, wird an seine Stelle treten. Desbayes hatte den Forchheimern beim letzten Besuch ein Königlich-Bayerisches Poststallhalterhorn mitgegeben. Die Effeltricher Musiker gaben es ihr jetzt unter Applaus repariert zurück.

Dudon erinnerte an die Konflikte der Welt, an Terrorismus und Gewalt. In dieser Zeit gelte es, das gemeinsame Schicksal noch mehr zu vereinen und Zeitgenossen mitzunehmen, die am Straßenrand liegen geblieben sind. Dudon bezeichnete Europa als ein auf Humanismus basierendes Gesellschaftsmodell, für das es einzutreten gelte. Dazu sei die Partnerschaft ein wichtiger Beitrag.

Claude Delmaere sagte ein letztes "Au Revoir". Er betonte die Attraktivität der Regionen in einem Europa mit 508 Millionen Einwohnern in 28 Ländern und 24 Sprachen. Eine gute Verständigung sei unumgänglich und fundamental.

Türen öffnen, Arme ausbreiten

Reinhard Heydenreich beschäftigte sich in seinem Grußwort mit dem Wesen des Menschen und zitierte Aristoteles. Demnach ist der Mensch ein nach Gemeinschaft strebendes Wesen mit gemeinsamer Zukunft. Er sieht die Freundschaft als politische Reaktion. Sich verstehen, sei wichtig, die Türe zu öffnen, die Arme auszubreiten. "Wir leben auf einem Globus mit einer verschiedenen Vergangenheit und einer gemeinsamen Zukunft", sagt er.

Abschluss auf dem Marktplatz

Am Ende erhielten die Gäste aus Frankreich einen Ammoniten aus dem Steinbruch Deuerlein, in Gräfenberg, als Gastgeschenk. Viel für das Auge war nachher geboten auf dem Pausenhof des Gymnasiums. Mit Musik und Tanz warteten eine Folkloregruppe aus Biscarrosse auf und die Stelzenläufer weckten einmal mehr die Bewunderung der Forchheimer Zuschauer. Das bunte Nachmittagsprogramm mit den Stelzenläufern auf dem Marktplatz bescherte noch einen unterhaltsamen Tag.