Für den Diebstahl von Medikamenten im Klinikum Forchheim wurde eine Frau nun vor dem Amtsgericht Forchheim zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Vorfall ereignete sich im Februar diesen Jahres: Mit einem Pfefferspray in der Tasche begab sich die 52-Jährige auf Beutezug. Die Frau war gezielt auf der Suche nach dem Schmerzmittel "Tramadol". Sie entnahm drei Packungen des Medikaments in einem Gesamtwert von 54 Euro aus einem Medikamentenschrank.

Ohne einen Anwalt trat die Hausfrau gestern vor das Amtsgericht. "Ich hab das Pfefferspray immer bei mir, Frau Richterin", sagte die Angeklagte, "selbst zum Gassi gehen mit meinem Hund habe ich eines dabei. Aber ich hatte bisher noch nie die Absicht es in Gebrauch zu nehmen."

Diese Aussage beeindruckte die Amtsrichterin Silke Schneider recht wenig, da es vor vier Jahren schon einmal zu einem Vorfall kam: "Sie wurden genau wegen der selben Sache bereits verurteilt. Wenn Sie schon was klauen, müssen Sie schon vorher überlegen", erklärte die Richterin und ging dabei besonders auf das Mitführen des Pfeffersprays ein.

Für den Diebstahl hatte die Angeklagte jedoch eine Begründung: "Es war nicht geplant, ich habe mich von meinen Schmerzen leiten lassen." Die Angeschuldigte leide unter Borreliose und brauche die Medikamente zur Linderung der Schmerzen, sagte die Frau. Zukünftig möchte sie mit ihren Schmerzen anders umgehen und hat sich bereits für eine Langzeit-Therapie in Prien am Chiemsee angemeldet.

Bei der Tat im Februar habe sie einen Moment abgewartet, in dem weder eine Krankenschwester, noch ein Arzt in der Nähe des Zimmers war und griff zu. Nach wenigen Minuten wollte sie den Raum mit der Beute wieder verlassen. "Eine Schwester kam und hat mich festgehalten. Ich habe aber das Pfefferspray nicht benutzt, habe sie nicht geschlagen und nicht geschubst", beschrieb die 52-Jährige.

Abnahme des Pfeffersprays

Die Polizei schnappte die Täterin und nahm ihr das Reizstoffsprühgerät ab. Auf die Frage der Richterin Silke Schneider, ob sie denn einverstanden sei, dass die Polizei das Pfefferspray weiterhin behalte, antwortete die Angeschuldigte: "Ja ich bin einverstanden. Ich habe schließlich noch ein Zweites daheim."

Staatsanwalt Sebastian Jäpel plädierte auf eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung, da er der Meinung war, dass die Angeklagte mit dem Bewusstsein über den Besitz von Pfefferspray in der Tasche den Diebstahl begangen hatte. Zu einer Minderung der Strafe käme es für ihn, da die Frau sich von ihren Bedürfnissen nach Medikamenten hatte leiten lassen.

Amtsrichterin Silke Schneider stimmte dem Vorschlag des Staatsanwalts zu und verurteilte die Angeschuldigte zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre.

Dabei appellierte die Richterin nochmals stark an die 52-Jährige: "Ich glaube Ihnen, dass Sie nicht vorhatten, das Pfefferspray zu verwenden. Aber Sie stehlen etwas und haben gefährliches Werkzeug dabei. Somit hatten Sie ja theoretisch die Möglichkeit es zu verwenden." Zusätzlich müsse die Frau die beantragte Therapie am Chiemsee antreten und dem Amtsgericht eine Bestätigung der Klinik zukommen lassen.