Es ist ein Lächeln, das mehr als tausend Worte spricht. Luca aus Trailsdorf (Kreis Forchheim) ist glücklich: Er lacht, hält sich schüchtern die Hand vor das Gesicht, schreit dann laut "Jaaa". Gerade hat ihm seine Mutter, Michaela Geisel, erzählt, dass sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung geht und er einen Assistenzhund bekommt.
Und den kann der Sechsjährige gut gebrauchen. Denn Luca kommt als Frühchen zur Welt - verliert in den ersten sechs Monaten nach der Geburt sein Augenlicht und seinen rechten Arm. Drei Herzstillstände steht er durch und kämpft sich immer wieder ins Leben zurück.

Eigentlich kommt Luca mit seiner Behinderung sehr gut zurecht. Er hört gerne Musik, läuft in seiner Freizeit gerne Treppen rauf und runter und liebt Tiere. Nur eines mag der junge Trailsdorfer nicht: auf seine Mutter angewiesen sein. "Wenn wir zusammen an der Straße gehen, will er oft meine Hand nicht nehmen und alleine laufen", sagt Michaela Geisel.


Spendenaufruf über Fidelius

Da kommt die 24-Jährige auf die Idee, mit einem Spendenaufruf über den Forchheimer Verein Fidelius Geld zu sammeln und die Ausbildung eines Assistenzhundes zu bezahlen.

Womit Geisel nicht rechnet: Nach nur eineinhalb Wochen steht ein Betrag von 15 000 Euro auf ihrem Kontoauszug. "Ich finde das wahnsinnig toll. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Franken gegenseitig so helfen. Bei mir steht das Handy nicht mehr still", freut sie sich über das Engagement ihrer Mitmenschen.

Über 6000 Euro spendeten Privatpersonen für Luca - einige wollten Michaela Geisel sogar persönlich das Geld vorbeibringen und griffen dabei zu ungewöhnlichen Methoden. "Ich habe einen Anruf von meiner Bank bekommen. Trailsdorf ist ein kleiner Ort. Jemand hat in der Bank nach meiner Adresse gefragt", so die 24-Jährige. Ein anderer Mann habe es sogar bis vor ihre Haustür geschafft. Seine Methode: sich im Ort durchfragen.


Kreative Ideen, Geld zu sammeln

Um Spenden für Luca zu sammeln, haben die Franken einen großen Ideenreichtum bewiesen. "Eine Frisörin aus Weisendorf wollte einen Tag lang die Haare der Kunden umsonst schneiden und das Geld für Luca spenden." Ein Ehepaar - beide kurz vor ihrem Geburtstag - wollte anstelle von Geschenken lieber Geld für Luca.

Aber nicht nur Geldgeschenke wurden der jungen Familie angeboten: "Viele haben angeboten, mit ihren Hunden vorbeizukommen." Vom Fußballverein FC Wacker Trailsdorf kam das Angebot, beim Derby gegen Schnaid mit Luca einzulaufen und ihm ein Trikot mit seinem Namen zu schenken.

Besonders großzügig zeigte sich Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose-Unternehmensgruppe. Er überwies die Summe, die noch zu den 15 000 Euro fehlte. "Ich habe die Geschichte in der Zeitung auf dem Flug nach Italien gelesen und mich sofort entschlossen zu helfen", sagt der Unternehmer.
"Wenn ich aus dem Ausland zurück bin, möchte ich mit meinem Labrador in Trailsdorf vorbeifahren. Ich habe erlebt, wie Hunde mit Kindern umgehen und für mich war gleich klar, dass ich das unterstütze", erklärt Stoschek.

Und Familie Geisel scheint den richtigen Hund bereits gefunden zu haben: Labrador Newton aus Oberschneiding (Landkreis Straubing-Bogen). Doch zunächst muss der Welpe von Hundetrainerin Kerstin Gibat begutachtet werden. "Wir müssen schauen, ob sich der Hund überhaupt zum Assistenzhund eignet. Dafür mache ich einen Wesenstest. Ich schaue, wie er reagiert, wenn ich ihn anfasse, und ob er lebhaft ist."


Labradore eigenen sich sehr gut

Einen Vorteil hat Newton bereits jetzt: Als Labrador ist er robust und lernfähig. Besteht der Welpe auch die restlichen Aufgaben, darf er Anfang Oktober zur Familie nach Trailsdorf und wird dort trainiert. Und zu lernen gibt es für den jungen Hund viel: Sachen aufheben, Jacke an- und ausziehen, die Eltern holen, wenn Gefahr droht, Luca beruhigen und vor Hindernissen warnen. "Ich muss ein Programm ausarbeiten, dass perfekt auf die Bedürfnisse von Luca zugeschnitten ist."
Eineinhalb Jahre dauert die Ausbildung. Das Tier lernt die Übungen immer in Unterschritten. So wird das Ausziehen der Jacke in die Übungen unterteilt: zu Luca gehen, am Ärmel sanft ziehen, rückwärts gehen, zum anderen Arm laufen und das Ganze dort wiederholen.

Doch nach all dem Training bleibt bestimmt genügend Zeit, um mit dem Hund, wie es Luca selber sagt, zu "kuscheln" und "Gassi zu gehen".