15. Juli 2014, Rio de Janeiro:
Gestern sollte auf den Zuckerhut gehen, der wörtlich übersetzt ja eigentlich Zuckerbrot heißt... Naja jedenfalls war schon an der Schlange der Seilbahn absehbar, dass man mindestens hätte drei Stunden anstehen müssen. Zumindest, wenn man nach den Schildern der Brasilianer gehen konnte. Und immerhin zeigten die auch nur, wie lange eine Schlange wohl ist, wenn man eine Stunde anstehen muss.

Deshalb nahm ich mir vor, den Zuckerhut zu Fuß zu erklimmen. An einer Stelle ging es links nach oben weg, aber dort führte keine Straße mehr entlang sondern eher so etwas wie eine natürliche "Treppe". Ich habe extra noch einmal nachgefragt. Mir wurde gesagt, dass es hier bis zu zwei Drittel hoch gehe - um ganz hinauf zu kommen müsse man noch einmal weiterlaufen.

Auf diese Information vertraute ich, aber irgendwann endete die Straße und der Weg danach war alleine ohne Begleitung schon viel zu gefährlich und mit meinem verletzten Arm erst Recht nicht machbar. Ich habe keine Menschenseele hier oben gesehen, der sich da hinaufwagte. Zudem war es durch den Regen der Vortage ziemlich glatt. Aber ganz so unverhoffter Dinge wollte ich dann doch nicht aufgeben. Deshalb bin ich wieder zurück zur natürlichen Treppe und dort hochgekrakselt. Das ging einigermaßen.

Ein paar lustige Äffchen bekam ich zu sehen als ich nach rechts abbog. Und dann stand ich vor einer steilen Felswand. Diese war eindeutig nur für Kletterprofis geeignet, um die letzten fünfzig Meter hoch zum Gipfel zu bewältigen. Danach probierte ich die Abzweigung links und erreichte tatsächlich die Station, an der die Seilbahn das erste mal hält. Die Aussicht war wirklich herrlich und Rio ist unglaublich schön gelegen. Auch den Stadtteil, in dem ich wohne, und den städtischen Flughafen konnte man sehen. Immer wieder konnte man Flieger sehen, die ganz knapp am Zuckerberg vorbei segelten. Zwei Stunden harrte ich an diesem magischen Ort einfach der Dinge die da kamen. Erst als es langsam das Dämmern begann, machte ich mich auf den Rückweg.

Abends ging es noch in ein Restaurant, das ungewollt ziemlich luxuriös war. Ohne, dass ich es gewusst hätte, gab es hier nur ein "Mehr-Gänge-Menü".Und nachdem ich den ersten Gang schon verspeist hatte, konnte ich ja wohl schlecht wieder abbrechen. Und jetzt möge man sich festhalten: Nach zehn Gängen war Schluss und mein Bauch voll. Meine einzige Hoffnung war irgendwann nur noch, dass mein Geld reichen würde... Das war zwar am Ende kein Problem, aber erleben muss ich so ein Brimborium nicht mehr.