Am Samstag, 23. juli, um 15.30 Uhr beginnt der Annafestzug auf dem Rathausplatz. Auch der Gesangverein Eintracht Forchheim nimmt in historischen Gewändern daran teil. Zur Zeit der Gründung des Vereins 1874 durchlief die Mode eine Wandlung vom Biedermeier hin zum "zweiten Rokoko".



"Diese zwei Stilrichtungen, Biedermeier und Rokoko, sind auch am meisten gefragt", gibt Walburga Heger Auskunft. Seit mehr als 20 Jahren verwaltet sie die Kleiderkammer unter dem Dach des städtischen Gebäudes in der Schulstraße 2. In Kisten und Schachteln werden Kronen, Zylinder, Hauben und lätzchenähnliche Jabots aufbewahrt, das sind Volants aus Batist oder Spitze, die an beiden Seiten des Brustschlitzes eines Männerhemdes angenäht wurden.

Nach dem skurrilsten Kostüm befragt, holt Heger ein mittelalterliches rotblaues Narrengewand und Narrenkappe mit mehreren Zipfeln und Schellen aus dem Schrank hervor. Der Hofnarr wurde aber bis jetzt nicht so oft nachgefragt.


In Fetzen und abgewetzt

Die mehr als 100 Kostüme, zum Teil aus Theaterbeständen aufgekauft, gehören dem Heimatverein Forchheim. Einige Kostüme werden von Helga Baumann extra für den Umzug geschneidert.
Manchen Kostümen sieht man ihre Beliebtheit an: bei einem Biedermeierkleid hängt die Spitze des Saumes in Fetzen, die Ellenbogenpartie eines Gehrocks ist durchgewetzt, ein Filzkostüm hat Löcher in der Brustpartie. Dabei bemühen sich die Kostümträger nach Kräften, die Kleidung in Schuss zu halten. Im lauwarmen Wasser werden die Gewänder nach dem Umzug mit ganz viel Fingerspitzengefühl schampooniert.
Einige greifen zu Nadel und Faden, um eine aufgegangene Naht oder einen herunterhängenden Knopf zu fixieren. In der Kleiderkammer trudeln nach und nach diejenigen Mitglieder des Gesangvereins ein, die beim Annafestzug mitmachen wollen.

Ein Blick auf die Wettervorhersage für den Samstag hilft bei der Wahl der Kleidung. Es soll sonnig mit wolkigen Abschnitten werden bei 27 Grad Celsius. Bei diesen sommerlichen Temperaturen sind federbestückte Baretts aus schwerem schwarzem Samt eher nicht geeignet. Die Damen suchen nach luftigen Kleidern. Kühlung von unten verschafft dabei der Reifrock, der in der Biedermeierzeit häufig eingesetzt wurde.
Das Gestell aus Federstahlbändern wird um die Hüfte geschnürt und der Rock fällt kegelartig. Aber kann man sich mit einem Reifrock setzten oder gar Auto fahren?
"Ja", bestätigt eine Teilnehmerin, "aber es sieht schon komisch aus!" Am Samstag ab 14 Uhr öffnet Walburga Heger noch einmal die Kleiderkammer für Kurzentschlossene.