"Es ist geschafft" - ein Unterton der Erleichterung schwang mit, als Alt-Oberbürgermeister Franz Stumpf in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des BRK-Kreisverbands die offizielle Einweihung des neuen Seniorenzentrums am Königsbad eröffnete.

Sicher war es Erleichterung darüber, dass der "Radikalschnitt" (Landrat Hermann Ulm von der CSU) eines Neubaus statt einer Sanierung des alten Gebäudes an der Hainbrunnenstraße gelungen ist.
Damals, im Jahr 1973, so resümierte der Landrat, war der alte Bau noch einer der modernsten seiner Art. Doch habe er den heutigen Bedürfnissen entsprechend nicht nur Abnutzungserscheinungen, sondern erhebliche Mängel. Unter anderem ist er beispielsweise nicht barrierefrei.


Eine große Küche

Der Aspekt der Barrierefreiheit ist beim Neubau dagegen bis in den letzten Winkel realisiert. So haben alle Zimmer ein für Rollstühle geeignetes Bad. Insgesamt stufte Ulm das Wohnen im neuen Haus als "komfortabler" ein. Oder wie es Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) formulierte: "Das Seniorenzentrum bietet viele Möglichkeiten für die Gestaltung des Lebensabends."

Ihn sprach offenbar besonders die große Küche mit Aufenthaltsraum auf jedem Stockwerk an, die sich zu einem aktiven Treffpunkt der Bewohner entwickeln soll. Versorgung alter Menschen ist, so die Vizepräsidentin des BRK Brigitte Meyer, eine der zentralen Aufgaben ihrer Institution.
Die demografische Entwicklung und gravierende Veränderungen der Familienstrukturen, aber auch multimorbide Späteinziehende hätten die Arbeit verändert.

Dem komme das Forchheimer Haus entgegen, indem der Schwerpunkt vom Wohnen zur Pflege nach Bedarf verschoben werden kann. So bietet das Seniorenzentrum 15 Plätze in der Tagespflege und 98 im Pflegeheim. Nebenan entstehen 36 Appartements, deren künftige Bewohner pflegerische Dienstleistungen nach Bedarf in Anspruch nehmen können, sowie sieben Servicewohnungen im Erdgeschoss.

Die Pflegeplätze sind in sich differenziert. Es gibt vollständig rollstuhlgerechte Zimmer und einige Doppelzimmer, bei denen zwei Wohnräume zu je einem Vorraum und einer Nasszelle gehören. Sie sind, so BRK-Geschäftsführerin Birgit Kastura, vor allem für Ehepaare gedacht, die sich Wohn- und Schlafraum einrichten wollen.


Überdachte Balkone

"Es wird hier Heimat geschaffen", war sich der Vorstandvorsitzende des Bezirks Oberfranken-Mittelfranken, Wolfgang Plattmeier, sicher. Heimat unter anderem auch durch Räume für gemeinschaftliches Tun wie das Bistro mit Flügel im Erdgeschoss oder die breiten überdachten Balkone vor jeder der Küchen.

"Mut am Anfang des Handelns und Glück am Ende" : Mit diesem Zitat des griechischen Philosophen Demokrit dankte die Ressortleiterin des Pflegedienstes Karin Amon allen am Entscheidungsprozess und der Ausführung Beteiligten; allen voran dem Projektentwickler Helmut Stranzinger. Den kirchlichen Segen sprachen Pfarrer Enno Weidt und Pfarrvikar Joseph Chechott. Dabei erinnerte der evangelische Geistliche an einen Satz aus der Bibel: "Das graue Haar ist die Krone der Ehre."


Zehn Fachfrauen

Er wie auch alle anderen Festredner wünschten den künftigen Bewohnern eine angenehme Zeit und ein schönes Zuhause. Ihnen steht allerdings noch eine Portion Stress ins Haus: der Umzug am kommenden Wochenende.
Ab dem 9. Oktober wird dann normaler Betrieb sein, mit Ausnahme der Küche. Einige Zeit werden die Bewohner noch vom alten Standort aus verköstigt.

Schon am 4. Oktober beginnt der neu geschaffene ambulante Pflegedienst unter der Leitung von Anke Ohle seine Arbeit. Zehn Fachfrauen werden die Betreuten in ihren Wohnungen aufsuchen; bei der ebenfalls neuen Tagespflege wird auch ein Mann mitarbeiten.