Die Diskussion zog sich hin wie Kaugummi. "60 Kreisräte, da will jeder was dazu sagen", sagte einer der Räte, der während des nicht-öffentlichen Teils wohl wegen eines Toilettengangs den Saal im Landratsmt verließ.

Währenddessen warteten vor allem die Schulleiterin der Berufsschule, Elisabeth Bräunig, und Don-Bosco-Herbergsleiter Matthias Müller auf den Zutritt zur Sitzung. Die nicht-öffentliche Diskussion nahm offenbar richtig Fahrt auf und wurde teilweise so laut, dass man vor den verschlossenen Türen hörte, was drinnen gesprochen wurde.

Grund der Aufregung: die Errichtung eines Aparthotels auf dem Pack-mer's-Grundstück anstatt des bereits im November beschlossenen Neubaus mitsamt Mensa im Forchheimer Norden.

Das heiß diskutierte Hotel soll den Berufsschülern die Möglichkeit bieten, sich dort einzumieten. Landrat Hermann Ulm (CSU) fasste im öffentlichen Teil der Sitzung die Vorteile zusammen: risikoärmer für den Landkreis, keine Unterhaltungskosten und eine gute Verkehrsanbindung für die Schüler. Die Voraussetzung dafür nannte er auch: ein gleichwertiges Angebot für Pack mer's muss da sein.


Ist die Mensa nun gefährdet?

"Die Mehrheit der SPD-Fraktion steht zum damaligen Beschluss", sagte SPD-Kreisrat Wolfgang Fees, "es wäre eine Stärkung des Standorts." Ein möglicher Schul-Campus könne sich auch positiv auf die Entscheidung zum S-Bahn-Anschluss Forchheim-Nord auswirken. "Sollte das Schülerwohnheim nicht kommen, wäre auch die Mensa nicht sicher", stellte Fees fest.

Zum ersten Mal in der Diskussion kam schließlich auch die Berufsschulleiterin Elisabeth Bräunig zu Wort. "Die Frage, die sich mir stellt, ist, wieso baut der private Investor nicht auf dem alten Gelände?", sagte Bräunig. Sie hoffe, dass auch die pädagogische Betreuung im neuen Haus im selben Rahmen aufrecht erhalten bleiben könne. Außerdem wisse sie, dass die Schüler große Außenflächen schätzen.

Edwin Dippacher von der CSU war der Meinung, dass man gewisse Betreuungsstandards in der Ausschreibung für den Betreiber sicherlich fixieren könne. "Auch für Pack mer's wäre es sicherlich eine positive Veränderung", stand für ihn fest, "der Kern der Frage ist aber doch, wie bekommen wir eine deutliche Verbesserung für die Schüler hin." Den Standort auf dem Pack-mer's-Gelände findet er gut, auch wegen der Stadt-Nähe und der Verkehrsanbindung.


Große Bedenken

Jürgen Schleicher (JB) sah den Investor-Vorschlag als "wirtschaftlichere Lösung" an. Er machte sich auch Gedanken über den Fortgang der Mensaplanung und überlegte laut, ob man nicht zu Kooperationen mit anliegenden Gasthäusern oder Foodtrucks im Forchheimer Norden kommen könnte. Sebastian Körber (FDP) sagte, seine Fraktion werde gegen die Beschlussvorlage stimmen, Begründung: Bedenken über das Zustandekommen des neuen Vorschlags.

Grüne-Kreisrätin Lisa Badum hingegen erhoffte sich, dass man die Beschlussvorlage in zwei Teile aufspalten würde. Sie wollte nicht, dass die Mensaplanung durch die Aufhebung des gesamten Beschlusses verloren geht. 21 Stimmten für die Trennung der Beschlussvorlage, 33 dagegen.

"Da hätten Sie sich jetzt doch nichts abgebrochen, wenn Sie dafür gestimmt hätten", richtete sie das Wort an ihre Ratskollegen. An der Abstimmung zur Beschlussvorlage, die mit 44 Stimmen angenommen wurde, nahm sie noch teil, verließ dann aber erbost den Saal. Die FDP, Teile der SPD und der REP-Abgeordnete stimmten gegen die Aufhebung des Beschlusses.