Es war der Annafest-Mittwoch 2016, als ein 18-Jähriger unter Alkoholeinfluss entschied, zwei Polizeibeamte aus dem Auto heraus zu beleidigen. Dafür musste er sich nun vor dem Forchheimer Jugendgericht verantworten. Da dies "kein Kavaliersdelikt" ist, wie Jugendrichter Philipp Förtsch es beurteilte, muss der junge Forchheimer nun gemeinnützige Arbeit verrichten.

"Ich war alkoholisiert", sagte der 18-jährige Angeklagte am Montag zu Richter Förtsch. Als Ausrede für die Tat ließ der Jugendrichter dies aber nicht gelten. Erst recht nicht, als die beiden Polizisten unabhängig voneinander aussagten, dass der junge Mann trotz der gemessenen 1,1 Promille keine Ausfallerscheinungen zeigte.
"In der Jugendsprache sagt man das öfter und meint es aber nicht so", beteuerte der 18-Jährige. Auch wenn dies so sei, "ihr Missgeburten, ich fick euch, ihr Hurensöhne" sei trotzdem eine Beleidigung, so Förtsch. Der Angeklagte erwiderte daraufhin, dass ihm das nun auch bewusst sei, zum Tatzeitpunkt jedoch nicht.

Beide Polizisten sagten vor Gericht aus, dass der junge Mann die Beleidigungen sehr laut in Richtung Polizeirevier ausgesprochen habe. Da das Auto, aus dem die Beleidigungen gerufen worden waren, direkt gegenüber an einer Tankstelle anhielt, gingen die Polizisten zu dem Auto. Beide jungen Männer, die an dem Auto angetroffen wurden, sagten aus, dass es der angeklagte 18-Jährige gewesen sei. Als dieser aber aus der Tankstelle kam, behauptete er gegenüber den Polizisten, er habe nur einen Rap-Song mitgesungen - eine Schutzbehauptung, wie er vor Gericht dann einräumte.

Am Montag nun entschuldigte sich der 18-Jährige kleinlaut bei den Polizisten. "Das hat er vor Ort nicht gemacht", betonte einer der Beamten. Damals habe der junge Mann keine Einsicht gezeigt.

Dass es für ihn nun aber ernst wurde und er genau wusste, was eine Entschuldigung vor Gericht für das Strafmaß ausmachen kann, zeigt der Blick in das Bundeszentralregister des jungen Forchheimers. Bereits vier Einträge, unter anderem wegen Diebstahls, aber auch wegen des unerlaubten Erwerbs einer Schusswaffe, stehen darin geschrieben.


Konfliktreiches Leben

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe ließ in ihrem Bericht keinen Zweifel daran, dass der 18-Jährige noch nach Jugendstrafrecht bestraft werden müsse. Vor rund sieben Jahren hätten sich die Eltern des Angeklagten getrennt und auch die drauffolgende konfliktreiche Scheidung hätten ihn geprägt. Hinzu kommen Konflikte mit den Eltern und mehrfache Umzüge. Der junge Mann fühle sich überfordert und trinke häufiger Alkohol.

Eine Betreuungsweisung sei sehr sinnvoll, da ihm dann dabei geholfen werden könnte, sein Selbst- und Fremdbild zu reflektieren, den Umgang mit Finanzen zu erlernen und auch sich beruflich zu orientieren, betonte die Frau der Jugendgerichtshilfe.

Seit Anfang des Jahres geht der 18-Jährige einer geregelten Arbeit nach. Allerdings hat er Schulden und so wurde sich darauf geeinigt, dass er Arbeitsstunden anstatt einer Geldstrafe auferlegt bekommt. Die Nachfrage der Staatsanwältin, ob er denn seither noch einmal einen "Blackout" vom Alkohol gehabt habe, verneinte er. "Da haben Sie draußen ihrem Kumpel vor der Verhandlung aber etwas anderes gesagt", entgegnete diese ihm. "Na ja, ich erinnere mich halt nicht an alles, aber das war kein richtiger Blackout", versuchte sich der 18-Jährige zu rechtfertigen.

Staatsanwältin Kerstin Harpf forderte in ihrem Plädoyer, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. "Sie haben ein kleines Problem mit Alkohol, das Sie eventuell noch nicht realisiert haben", stellte sie fest und plädierte deshalb auch darauf, eine Betreuungsweisung von sechs Monaten zu erlassen. Zudem forderte sie 60 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Der Richter sprach den 18-Jährigen schuldig. Er muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb von vier Monaten abarbeiten, zudem war auch der Richter der Meinung, dass ein Betreuer sinnvoll sei.
"Das ist keine Kleinigkeit", sagte Förtsch, "es war ein gezielter und massiver Angriff auf die Ehre der Polizeibeamten." Er sehe noch einmal von Arrest ab, hoffe aber, dass der 18-Jährige mit Hilfe des Betreuers sein Leben in die richtigen Bahnen lenken könne. Bezüglich des Alkoholkonsums des jungen Forchheimers sagte Förtsch: "Wer unter Alkoholeinfluss eine Straftat begeht, hat ein Alkoholproblem." Nur weil man getrunken habe, könnte nicht immer von verminderter Schuld ausgegangen werden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.