Der Posaunenchor Aufseß-Brunn feiert am Sonntag, 1. Juni, um 19 Uhr mit einem Festkonzert in seiner Schlosskirche sein 110-jähriges Bestehen. Geboten werden festliche Posaunenmusik und Orgelklänge mit einem Rückblick auf 900 Jahre Aufseß und 110 Jahre Posaunenchor.

Im Spätherbst 1903 war in Aufseß plötzlich der Gedanke aufgetaucht, einen Posaunenchor ins Leben zu führen. Vergleichbare Chöre gab es zu diesem Zeitpunkt bereits in Affalterthal, Heiligenstadt und Hetzelsdorf.

Der Pfarrer streckt Geld vor

Die Sorge galt den Fragen, woher man die richtigen Mitglieder und auch das nötige Geld für die Instrumente bekommen soll.

Nach einigen Besprechungen waren diese Sorgen allerdings verschwunden. Zehn Mitglieder des Gesangvereins "Liedertafel" Aufseß meldeten sich spontan. Das Geld zur Anschaffung der Instrumente streckte Pfarrer Kelber zinslos vor. Am 13. Januar wurde der Posaunenchor tatsächlich gegründet. Folgende Gründungsmitglieder waren dabei: Johann Bauer, Johann Michael Först, Konrad Hertling, Johann Herzer, Friedrich Hübner, Anton Ochs, Ernst Seitz und Georg Wittmann. Sie alle kamen aus Aufseß. Fritz Seeger und Johann Käsperlein wohnten beide in Heckenhof und waren ebenfalls unter den Gründungsmitgliedern.

Anleitung aus Heiligenstadt

Im Jahr danach traten noch Georg Adelhardt aus Aufseß sowie Hans Baumgärtner und Hans Hofmann - beide aus Rauhenberg - dem Verein bei. Als Vorsitzender und Dirigent wirkte Pfarrer Kelber. Unterstützt wurde der Pfarrer vom Kantor Hauptlehrer Bauer, der zeitweise auch selbst mitspielte.

Die ersten Anleitungen erteilten allerdings Pfarrer Daum und sein Chor aus Heiligenstadt. Im Winter fuhren die lernwilligen Aufseßer Bläser einige Male mit dem Schlitten zu den Proben nach Heiligenstadt.

Im Frühjahr wurde die Fahrt zu den Proben mit dem Leiterwagen, die Bürgermeister Schrenker gestellt hatte, fortgesetzt. In Heiligenstadt angekommen, spielten die Heiligenstadter den Aufseßern einige Lieder vor. Anschließend griffen die Aufseßer selbst zu den Instrumenten. Jeder versuchte so gut er konnte, selbigen einige Töne zu entlocken.

Es müssen anstrengende und für die Zuhörer vor allem an den Nerven zerrende Proben gewesen sein. Auf dem Rückweg herrschte damals regelmäßig eine gedrückte Stimmung. Denn die meisten Bläser hatten sich das Spielen wohl deutlich einfacher vorgestellt. Als aber einige Zeit später eine große Kiste mit Instrumenten ankam und jeder sein neues blitzsauberes Instrument zum Üben mit nach Hause nehmen durfte, schöpften die Musiker neuen Mut.

Zum Verdruss der Nachbarn

Bald hörte man abends an verschiedenen Ecken des Dorfes nur noch Horntöne - durchaus auch zum Verdruss einiger Nachbarn.

Die Proben wurden anfangs oft zwei Mal in der Woche im Schulhaus abgehalten. Die Außseßer gaben sich viel Mühe und wurden am Ende für ihre Anstrengungen auch belohnt: Es dauerte nicht lange, und sie konnten den Choral "Nun danket alle Gott" tatsächlich spielen.

Nach weiteren Wochen fleißigen Übens wagten es die Bläser sogar in der Osternacht, mit drei Chorälen die Gemeinde zur Osterfreude aufzurufen. Ohrenzeugen bestätigten, dass man die Klänge in der windstillen Nacht bis Rauhenberg hören konnte.

Anschließend suchte der Chor immer häufiger die Öffentlichkeit. So bei Konfirmationen, bei Trauungen und kirchlichen Festtagen.
Schon nach einem Jahr konnte der Chor 21 Stücke spielen. Daraufhin schenkte die Gemeinde dem Posaunenchor 191,56 Mark für Instrumente.