Ein Revolver wird über den Tresen geschoben, ein Junge auf offener Straße gefangen und eingesperrt. Hat sich Forchheim zum Mafiaoberzentrum gewandelt?
Nein, auf dem alten Spinnereigelände in der Trettlachstraße wird ein Film gedreht: "Dylan Papermoon".
Dylan Papermoon ist ein zwölfjähriger Zeitungsjunge, der von der Mafia, dem FBI und einem Bankräuber gesucht wird, weil er eine Formel zur Herstellung von Whisky und Treibstoff besitzt. Die Geschichte spielt 1926 in Berlin und New York.

New York in Forchheim? René Daniel, der Macher des Films, ist mit dem Lion-Projekt Kultur- und Jugendarbeit für Sinti und Roma in Eggolsheim angesiedelt. Da liegt Forchheim quasi vor der Haustüre und in den Fabrikgebäuden der alten Spinnerei entdeckte Daniel das Ambiente von Vorstädten der 20er Jahre. "Im Teaser, einem kurzen Werbefilm, ist eine Gassenszene zu sehen. Die wurde hier an der Wiesent gedreht", sagt Daniel.

René Daniel hat das Drehbuch zu dem Film geschrieben, führt Regie, kümmert sich um die Finanzierung und Vermarktung. Als ideale Besetzung für die Rolle des Zeitungsjungen erwies sich der Neffe seiner Frau, der auch im richtigen Leben Dylaan heißt - allerdings mit zwei A. Der 13-Jährige besucht die Volks- und Mittelschule in Eggolsheim.


Geduld am Set

Geduldig wiederholen die fünf Kinder eine Szene auf der Anlieferungsrampe hinter dem Wiesent Center. Mindestens zehnmal müssen sich die Kinder als Zeitungsjungen und -mädchen aufstellen, an eine Eisentür klopfen und dann die Zeitungen in Empfang nehmen. Ein Junge trägt Turnschuhe und Jeans. Waren diese Kleidungsstücke 1926 schon verbreitet?

Improvisation gehört zu dem Projekt dazu. Auf der Seite dylan-papermoon.com prangt ein Zitat von Sir Peter Ustinow: "In der rätselhaften Welt des Kinos wächst die Feigheit proportional mit der Menge des investierten Geldes." Daniel legt sich nicht fest: "Finanziell stehen wir auf einer Independent-Basis", sagt er. Die Internetseite vertröstet: "Künftige Kooperationspartner wie Co-Producer, Investoren/Sponsoren erhalten hier in Kürze eine eigene Seite." Einen großen Auftritt hatte René Daniel bereits. Im Februar 2016 reiste er zur Berlinale und stellte dort sein Filmprojekt vor.

Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit mit den Kindern. Diese lernen in den zwölf Monaten auch die harten Zeiten der 20er Jahre kennen, erklärt Daniel: "Die Playstation war damals die Straße und das Smartphone war damals die Zeitung."