Außerordentlich gut besucht war auch dieses Jahr die Schlussveranstaltung der Ewigen Anbetung von Obertrubach, die nach amtlichen Aufzeichnungen seit als 256 Jahren immer am 3. Januar stattfindet. Die äußeren Bedingungen mit unangenehmen Nieselregen und verhältnismäßig milden Temperaturen ließen das übliche winterliche Flair vermissen - dem Zuspruch der Besucher tat dies keinen Abbruch.
"Es ist zwar ganz katholisch, die Verehrung des Altarsakraments, aber es ist doch der Christus, der uns verbindet. Deshalb gestaltete ich die ganzen Gebete nur christologisch. Damit verbinde ich die schönen Gedanken des II. Vatikanischen Konzils zum Frieden, das passt auch für die Politiker und uns alle", fasste Pfarrer Werner Wolf die Meinung der letzten Betstunde in der Pfarrkirche St. Laurentius zusammen.
Viele prominente Gäste aus Kirche und Politik waren der Einladung gefolgt. Unter ihnen auch Josef Zerndel, der Regionaldekan von Bayreuth ist. Wolf kennt ihn aus seinen Scheßlitzer Zeiten und ist mit Zerndel seit 36 Jahren befreundet. Auch die beiden CSU-Politiker Hartmut Koschyk und Eduard Nöth sowie sämtliche Bürgermeister der Nachbargemeinden waren nach Obertrubach gekommen. Das machte unterm Strich eine im besten Sinne ökumenische Gemeinschaft.
Pfarrer Wolf macht immer wieder klar, dass ihm die Einheit der Christen ein Herzensanliegen ist. Während die letzte Betstunde lief, senkte sich langsam die Nacht über das Tal, entzündeten die vielen Helfer tausende von Wachslichtern an den Hängen um Obertrubach, schmückten die Einwohner ihre Häuser mit Kerzen und christlichen Symbolen.

Ruhe kehrt ein

Mit der Dunkelheit kehrte auch die Stille in das reizvolle Dorf ein. Die Feuerwehren der Gemeinde sperrten alle Ortszugänge, der motorisierte Lärm blieb draußen. Zahlreiche Menschen standen auf der Straße oberhalb des Ortes, ließen die Stille und das Licht auf sich wirken, bevor sie in den Ort hinabstiegen.
Dort öffneten sich nach der letzten Betstunde die Kirchentüren, die Gläubigen formierten sich unter der musikalischen Begleitung der Jugendblaskapelle mit Liedern und Gebeten zum Lichterzug durch die Obertrubacher Gassen.
Es entstand zunächst ein ziemliches Gedränge auf der großen freien Fläche im Dorfzentrum, das sich auflöste, als erstaunlich viele Besucher sich der Prozession anschlossen. "Die vielen Gläubigen, die da waren, die kommen nicht wegen eines Events, sondern aus Interesse an ihrem Glauben, weil man hier etwas mitnehmen kann", glaubt Pfarrer Wolf.
Hier gebe es Ruhe und Besinnung, keine Wurststände an den Rändern wie anderswo. "Es soll ein Fest des Lichts - das ist Christus - und des Glaubens sein", darauf lege ich immer großen Wert", ist Pfarrer Werner Wolf zufrieden mit dem Ablauf. Interessant dabei sind die Aussagen von Besuchern. "Sehr stimmungsvoll. Wir kommen als Gruppe vom Bodensee. Letztes Jahr Pottenstein. Jetzt hier. Jedes hat seine eigene Wirkung, was von der Charakteristik des Ortes abhängt", meint Sibylle Ernstberger.
Rudi Gerne aus Nürnberg ist dagegen das erste Mal in Obertrubach. "Absolut beeindruckend. Die viele Arbeit, die Stille und Einkehr sind phantastisch", sagt er. "Man muss die Leute finden, die das machen. Das werden sie in einer Stadt wie Berlin nicht schaffen. Da läuft jeder seinen einzelnen Weg", weiß Peter Harre aus Berlin.
Dann ist das Lichterfest vorbei, die Straße wieder geöffnet. Eine Familie aus dem Fichtelgebirge mit zwei kleinen Kindern hält auf der Heimfahrt oberhalb Obertrubachs an. Sie kommen eben zufällig vorbei und blicken auf das unerwartete Lichtermeer. Die Überraschung ist ihnen von den Gesichtern abzulesen. Sie ringen förmlich nach Worten, ob der immer noch grandiosen und friedlichen Szene, die sie so