Klingt per se gar nicht gut, aber so ist sie halt, die Altersteilzeit. Schalter umlegen und aus dem Aktiven wird ein Passiver. Hm! Im grammatikalischen Sinn ist das Passiv die "Leidensform". Leiden, das sei versichert, will ich nicht, so weit kommt's noch.

Also das Gegenteil. Tagaus, tagein dionysische Wonnen? Da schöbe mein Blutdruck wohl bald einen Riegel vor. Auch kein gangbarer Weg. Die Dornen des Leids ebenso meiden wie den anarchischen Überschwang. Hört sich nach einem faulen Kompromiss an. Alter Mann - was nun?

Na ja, wie sagte der Monaco Franze einst: "A bisserl was geht immer." Da sich gerade "Long live rock'n'roll" von Rainbow in meine Ohren hämmert, sei zumindest eines verraten. Im kommenden Monat werde ich mir ein Konzert von Deep Purple reinziehen. Und wenn die Opis, die ja noch älter sind als ich, immer noch gut sind, dann löse ich vielleicht meinen Haarzopf und werde zum Headbanger wie einst. Rocken mit 60! Yeah!

Dann ab und an die zweirädrigen Untersätze besteigen - zumindest so lange man das Bein noch drüber kriegt. Gegenden besuchen, die man noch nicht gesehen hat. Menschen kennenlernen, die man sonst nie getroffen hätte. Allerhandlei zu erleben. Dazwischen genügend Ritartandos - versteht sich.

Wohlan denn! Allen, die in den immerwährenden Urlaub eintauchen, rufe ich zu: "Carpe diem!" Denjenigen, die noch das eine oder andere Jahr vor sich haben, lege ich ans Herz: "Wer ausharret, wird gekrönt!"

Ade, lieber FT-Leser. All die Jahre waren aufregend, bisweilen beschwerlich, oft spannend. Tag für Tag leere Seiten mit lesenswerten Inhalten zu füllen, erinnert an Sisyphus. Ich war das gern!