"Das ist schon ein starkes Stück, das war ein Angriff auf Polizeibeamte, den ich unerhört finde", ließ Staatsanwältin Isabel Brzezicha dem Angeklagten in ihrem Plädoyer wissen. Wegen zwei Fällen der falschen Verdächtigung und Verleumdung musste sich ein 28-jähriger Forchheimer am Donnerstag vor dem Amtsgericht verantworten.

Seine Vorwürfe, die er Anfang dieses Jahres gegen zwei Beamte der Polizeiinspektion Forchheim erhoben hatte, hörten sich in der Anklageschrift in der Tat abenteuerlich an. Am 24. Januar hat der Angeklagte ab 2.20 Uhr nachts zweimal die Einsatzzentrale der Polizei angerufen und mitgeteilt, dass ihn ein ziviles Polizeifahrzeug rammen wollte, als er mit seinem Fahrrad in Forchheim unterwegs war. Am Telefon nannte der 28-Jährige die Automarke (VW), das Kfz-Kennzeichen und zwei Namen von Polizisten, die angeblich am Steuer saßen. Seinen Namen wollte der zunächst unbekannte Anrufer nicht preisgeben.

Dass dieser Vorfall komplett erfunden war, konnte die Polizei schnell feststellen. Recherchen ergaben, dass sowohl die zwei Polizeibeamten als auch das genannte Dienstfahrzeug in dieser Nacht nicht im Einsatz waren. Durch die Telefonnummer konnte der Anschlussinhaber, der 28-jährige Angeklagte, leicht ausfindig gemacht werden. Und was sagte der Angeklagte vor Gericht zu den Vorwürfen? Nichts - mit Ausnahme der obligatorischen Angaben zu seiner Person. Keinen kompletten Satz im Gerichtssaal zu sprechen, schien aus taktischer Sicht für den Angeklagten Sinn zu machen - denn sein vermeintlicher Notruf wurde aufgezeichnet und in der Verhandlung der Staatsanwältin und Richterin Silke Schneider vorgespielt.


Verwirrter Anrufer

In der Aufnahme machte der Anrufer einen verwirrten Eindruck. Nachdem er seine Sicht der Dinge konfus geschildert hatte, wurde er mehrmals nach seinem Namen gefragt. Als der Anrufer von der Polizei vor einer möglichen Falschaussage gewarnt worden war, entgegnete er: "Nicht ich habe etwas falsch gemacht, sondern ihr." Wenige Momente später klang das schon anders. "Es tut mir leid", sagte er am Ende des Telefonats - wohlwissend, dass wohl seine Fantasie mit ihm durchgegangen ist. "Sie waren nicht richtig beieinander, ich denke sie haben in der Nacht etwas getrunken oder zu sich genommen", bildete sich Silke Schneider ihre Meinung.

Auch ohne Geständnis des Angeklagten war für Staatsanwältin Brzezicha die Schuldfrage klar. "Ich bin überzeugt, dass Sie das waren. Wenn man ihre Stimmlage von ihren kurzen Aussagen hier mit der Aufnahme vergleicht, passt das schon überein. Und wer sonst sollte von ihrem Anschluss angerufen haben?" Zugute hielt sie dem Angeklagten, dass er sich mehr oder weniger bereits am Ende seines "Notrufs" entschuldigte und so eine gewisse Einsicht zeigte. Eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen zu 30 Euro sei deshalb angemessen, lautete ihre Forderung im Plädoyer. Da Richterin Silke Schneider die Stimme und Ausdrucksweise des 28-Jährigen bereits von anderen Verhandlungen (drei Einträge im Bundeszentralregister) kennt, schloss auch sie einen anderen potenziellen Anrufer aus und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3000 Euro.