Die drei großen "W" des künftigen Wohnens in Forchheim beschäftigt den Stadtrat: Wie entwickelt sich die Einwohnerzahl? Wo lassen sich Baugebiete ausweisen? Welche Art und Dichte der Bebauung ist anzustreben? Die Antwort darauf ist die "Forchheimer Mischung". Sie ist das Ergebnis des "Fachplans Wohnen" der von Planungsexperten entwickelt und vorgestellt wurde. Und weil den meisten Stadträten die "Forchheimer Mischung" jetzt schmeckt, wurde der Flächennutzungsplan gleich mit drei potenzielle Baugebieten fortgeschrieben: dazu gehören die Löschwöhrd-Wiesen, die an die Autobahn angrenzen, in Buckenhofen eine Fläche südlich der Straße "Am Weingartsteig" und in Kersbach das Gebiet am "Schleifäcker" .

Dabei war der Fachplan Wohnen noch im vergangenen Oktober äußerst kontrovers diskutiert worden. Mehr Verständnis konnten jetzt die Planer Leonard Valier und Lisa Lorenz wecken. Sie machten deutlich, dass sich selbst bei gleich bleibender Bevölkerungszahl der Bedarf an Fläche pro Person erhöhe.Die Quintessenz ist für Lisa Lorenz vom Nürnberger Büro Planwerk: "Es bedarf an mehr Wohnraum". Die Zahl der Ein- bis Zwei-Personenhaushalte werde bis 2030 steigen. Drei-Personen- und größere Haushalte würden hingegen zurückgehen. Darauf müsse der Wohnungsmarkt mit der "Forchheimer Mischung" reagieren .

Die Berechnung auf Grundlage der "Forchheimer Mischung" zeige auf, dass in all den als Vorlagen dienenden Baugebieten zirka 3640 Wohneinheiten auf dem Markt zur Verfügung gestellt werden könnten. Unter Annahme einer durchschnittlichen Belegungsdichte von 2,5 Bewohnern pro Wohneinheit würde diese Ausweisung Raum für zirka 9100 Einwohner bieten.

Leonhard Valier vom gleichnamigen Büro für Städtebau in Bamberg betonte, dass für eine prosperierende Stadt wie Forchheim eine verdichtete Wohnform auf alle Fälle ein sinnvolles Ziel sei. Er gab den Rat, das Forchheimer Baulandmodell fortzusetzen und auf den Geschosswohnungsbau auszuweiten. Valier konnte beruhigen: Es bleibe genug Zeit die Thematik ausführlich zu diskutieren.


Bedenken und Zustimmung

SPD-Fraktionssprecher Reiner Büttner sieht in der Aussage des Planungsfachmannes Valier, dass noch genug Zeit zur Diskussion bleibe, und der jetzigen Vorlage eines Beschlusses, einen Widerspruch. "Lasst uns vorsichtig mit den Ressourcen umgehen", appelliert Büttner.

CSU-Fraktionssprecher Udo Schönfelder hingegen verweist auf den Wettbewerb, unter dem die Kommunen stünden. Im Vergleich mit anderen Städten sei Forchheim in der Bevölkerungsentwicklung auf der Stelle getreten. Das Motto für Forchheim müsse heißen: "Lieber 33 000 als 27 000 Einwohner". Die Philosophie der CSU sei es, für alle Bevölkerungsgruppen in allen Stadtteilen den passenden Wohnraum zu schaffen - "eben die Forchheimer Mischung", postuliert Schönfelder.

Manfred Hümmer (FW) spricht sich für eine sinnvolle, am Bedarf ausgerichtete Schaffung von Wohnraum in allen Stadtteilen aus. "Wir wollen ein organisches Wachstum". Kritik übt er daran, dass die Innenstadt Forchheims nur mit hochpreisigen Wohnungen verbaut werde. Vielmehr brauche man Wohnraum mit sozialverträglichen Mietpreisen.

Albert Dorn (SPD) warnt vor dem Flächenverbrauch - Forchheim werde bald keine freien Flächen mehr haben.
Für Anette Prechtel (FGL) ist der Knackpunkt, inwieweit der Fachplan Wohnen bindend sei. Die Expertise liefere zwar wichtige Erkenntnisgrundlagen, enthalte aber noch eine Reihe ungeklärter Fragen. Die große Frage der Grünen sei, in welchem Umfang das Wachstum stattfinden solle. Es gehe um die Ressource Boden und den Erhalt der Lebensqualität.

Leonhard Volier verweist darauf, dass er nie gesagt habe, dass alle Baugebiete realisiert werden müssten. Im Gegenteil, er habe dazu geraten vorsichtig mit den Flächen umzugehen.

Rene Franz, der Chef der Stadtplanung, betont, dass die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes nicht als Gesamtfortschreibung erfolgen werde. Man habe jetzt ein Steuerungsinstrument für den Wohnbau. Aus diesem Grunde halte er es auch für bindend.