Der Angeklagte tritt nicht auf wie ein Schläger: gelbes Polo-Shirt, gewählte Sprache, Brille, gepflegtes Auftreten, kein Muskelprotz. Schnell wird bei der Verhandlung am Forchheimer Amtsgericht aber klar, dass er es faustdick hinter den Ohren hat. Richterin Silke Schneider schickt den 36-Jährigen deshalb nun für sieben Monate hinter Gitter.

Die Anklage warf dem Ebermannstadter Hausfriedensbruch und versuchte gefährliche Köperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung und in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung vor. Der Tatort war eine Wohnung in Ebermannstadt, die Tatzeit lag im vergangenen November. Der Angeklagte und seine Ex-Freundin hatten sich kürzlich getrennt, als er mit einem Schlagstock bewaffnet vor ihrer Haustüre stand.

Vollumfängliches Geständnis

Bei Verhandlungsbeginn sagte der 36-Jährige, der gerade eine Ausbildung macht, dass er der Anklageschrift umfassend zustimme. "Es tut mir leid, was passiert ist", beteuerte er. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Robert Glenk, versuchte im Laufe der Verhandlung immer wieder die bereits gestandenen Vorwürfe herunterzuspielen. "Es hat ja keiner einen Schlag abgekriegt", versuchte er die Situation in einem besseren Licht darzustellen, "diese aufgeführten Bedrohungen sind halt in Wut und Rage gefallen."

Doch Amtsrichterin Silke Schneider konnte das nicht nachvollziehen. "Wenn man halt 15 Vorstrafen hat und schon mal wegen Körperverletzung gesessen hat und zusätzlich auf Bewährung draußen ist", fasste die Richterin die aktuelle Lage zusammen, "dann kann ich ihm auch nicht mehr helfen, wenn er mit einem Schlagstock dort hingeht".

Sie betonte, dass sie für eine erneute Bewährung besondere Gründe brauche. Allein die mündlich am Tag der Verhandlung ausgesprochene Bereitschaft zu einer Alkoholtherapie sein kein besonderer Grund. "Sie hätten im letzten halben Jahr seit der Tat etwas in die Wege leiten können anstatt das jetzt hier vorzubringen", stellte Schneider fest.

"Es scheint Ihr Problem zu sein, dass Sie sich nicht im Griff haben", sagte die Richterin. Auch der Bericht des Bewährungshelfers sprach nicht für den Angeklagten: Seit Februar bestand kein Kontakt mehr, jede versuchte Kontaktaufnahme seitens des Helfers wurde ignoriert.

An besagtem Tag im November 2014 sei der Angeklagte mit einem Schlagstock in die Wohnung seiner arbeitslosen Ex-Freundin gekommen, sagte diese vor Gericht aus. "Und das, obwohl er wusste, dass mein sechsjähriger Sohn da war", betonte die 30-Jährige. Sie glaube ihm seine Entschuldigung nicht. "Er entschuldigt sich hier vor Gericht nur, weil er weiß, dass das gut ankommt", sagte die junge Mutter.

Sie selbst sei nicht verletzt worden, doch habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter den Angeklagten davon abhalten müssen, auf ihren neuen Freund loszugehen. Er habe zwei Mal versucht, mit dem Schlagstock den neuen Freund zu treffen, danach konnten die Frauen dem stark Alkoholisierten das Schlaggerät abnehmen. Auf Anraten seines Anwalts hin hatte der 36-Jährige den beiden Frauen und dem neuen Freund eine finanzielle Entschädigung angeboten, die allerdings nicht angenommen wurde. "Ich möchte nichts von ihm, außer meine Ruhe", betonte die Ex-Freundin.

Die Mutter der 30-Jährigen sagte vor Gericht ebenfalls aus. In dem kleinen Handgemenge in der Wohnung war ihre Brille zu Bruch gegangen. Außerdem hatte sie - vermutlich unbeabsichtigt - mehrere leichte Schläge auf den Rücken abbekommen. "Ich will ihm nichts Böses, ich kenne ihn ja schon von Klein auf", sagte sie.

Keine Bewährung mehr möglich

Einen anderen Eindruck hinterließ der neue Freund. Er machte keinen Hehl daraus, dass er den Angeklagten im Gefängnis sehen will.
Doch seine Aussage war nicht ausschlaggebend für das anschließende Urteil von Richterin Schneider. Obwohl Rechtsanwalt Glenk in einem sehr langen Plädoyer versuchte, noch das Beste für seinen Schützling herauszuholen, gelangte Schneider zu einem Urteil, das mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung endete. Mit sieben Monaten lag sie noch über den sechs Monaten, die vom Staatsanwalt gefordert waren. "Meiner Meinung nach sind Sie da hingefahren, weil Sie jemandem aufs Maul hauen wollten", begründete sie ihr Urteil, "sonst hätten Sie den Schlagstock nicht eingesteckt." Dieser Vorsatz, seine Vorstrafen und die bereits laufende Bewährung waren für sie ausschlaggebend. "Dass es nur bei der versuchten gefährlichen Körperverletzung geblieben ist, das lag nicht an Ihnen", resümierte Schneider.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.