Den Rucksack mit einer Flasche Wodka im Straßengraben deponieren, rausgehen und schnell einen kippen. Dann wieder rein zur Party der Jugendorganisation Baiersdorf (JOB).

Mit dieser Methode haben sich etliche Jugendliche, die zum Teil noch unter 16 Jahre alt waren, einen derartigen Rausch angetrunken, dass die jungen Veranstalter die Polizei rufen mussten. So schilderte jedenfalls Alexander Roll von JOB seine Wahrnehmungen vom vergangenen Samstag.


Eltern müssen anrücken

200 Personen befanden sich demnach im Umfeld des Clubs, obwohl lediglich 75 hineingelassen wurden. Die Veranstaltung musste in der Folge abgebrochen worden.

Seit Mitte September eskalieren regelmäßig die Partys im Untergeschoss der Mehrzweckhalle. "Da läuft etwas aus dem Ruder", kommentierte Bürgermeister Andreas Galster (CSU) im Stadtrat das Problem. Ludwig Weinkam von der Polizeiinspektion Erlangen-Land lieferte derweil die harten Fakten zum Geschehen.

So fanden die Polizisten am Samstag eine 15-Jährige mit 1,88 Promille und einen 16-Jährigen mit 2,1 Promille vor. Die Polizei ließ die beiden von ihren Eltern abholen. Beim zweiten Einsatz gegen 22.30 Uhr, als die Veranstalter erneut Hilfe holen mussten, zogen die schwer angetrunkenen Jugendlichen überwiegend in Richtung Bahnhof ab. Zwei von ihnen versuchten dort, den Fahrkartenautomaten zu zerstören. Beide hatten weit mehr als ein Promille im Blut. Alle 14 Tage steigt derzeit eine Party im Jugendclub. Lange gab es laut Weinkam an diesen Abenden keine besonderen Vorkommnisse.

Am 13. Dezember änderte sich dies: Eine schwer alkoholisierte 17-Jährige musste damals in die Kinderklinik gebracht werden. Am 26. Dezember traf die Polizei dort bei einer Privatfeier um ein Uhr morgens vier Personen an; darunter eine 15-Jährige mit 2,38 Promille. Keiner der Alkoholisierten war aus Baiersdorf.


Preiswertes Bier

Das Problem des Betrinkens vor einer Feier ist der Polizei bekannt. Weinkam macht sich aber darüber hinaus Gedanken, ob nicht die Werbung für preiswertes Bier Jugendliche aus dem Umkreis, vor allem aus Erlangen, anlocke.

"Fünf Bier für acht Euro" hieß es auf der Facebook-Seite der JOB.Allerdings war damit gemeint, dass fünf Leute bestellen sollten. Möglicherweise aber könnten die Jugendlichen dies falsch verstanden haben. "Schauen Sie sich unsere Getränkeumsätze an", bat deshalb Roll. Die seien bei Weitem geringer, als dass die die teils drastischen Alkoholwerte erklären könnten.


Alte Probleme

Stadtrat Jürgen Maiß (FW) erinnerte sich an vergleichbare Probleme vor 30 Jahren. Damals habe man die Reißleine gezogen und im Jugendclub keinerlei Alkohol mehr ausgeschenkt. "Welche Maßnahmen sind sinnvoll?", fragte Julia Seidel (FDP). "Was tun, bis sich die Sache verlaufen hat? Wohin mit den Baiersdorfer Jugendlichen?", überlegte Eva Odörfer-Ehrhardt (SPD) für alle.

Die JOB will nach der Auskunft von Roll künftig eine Sicherheitsdienst engagieren, damit dieser den Raum vor den Veranstaltungsräumen kontrolliert. Die Stadt selbst will sich mit den Baiersdorfer Jugendlichen an einen Tisch setzen und zudem auch weiterhin den fachmännischen Rat der Polizei einholen.