Noch ist Katja Browarzik (39) damit beschäftigt, die Akteure und Schauplätze der Kultur in Forchheim kennenzulernen. Doch die neue Kulturbeauftragte arbeitet auch schon an einem "roten Faden", um das Kultur-Angebot viel breiter zu machen, als es bislang war. Die gelernte Kunsthistorikerin sieht sich als Kulturmanagerin.

Ihr Vorgänger Dieter George hat Sie vor ein paar Tagen bei seiner Verabschiedung gelobt: Sie seien eine "sehr gute Nachfolgerin" mit einer "innovativen Zielorientierung". Wie fanden Sie das?
Katja Browarzik: Natürlich freut einen so etwas, das war eine sehr noble Geste von Herrn George.

Wie war denn die Übergabe von ihm zu Ihnen?
Es war keine klassische Übergabe, wie man sie aus der Wirtschaft kennt, wo man wochenlang eingearbeitet wird, so was gab es nicht. Aber wir konnten uns sofort auf der persönlichen Ebene begegnen, man schätzt sich.

OB Franz Stumpf hat auf das "immense Wissen" von George hingewiesen und appelliert, es auch zu nutzen. Ist das eine Belastung, wenn man eigene Wege gehen will?
Da ist ja schon alleine das enorme Informationsnetz, das mein Vorgänger aufgebaut hat. Natürlich nutze ich das. Ich kann Herrn George jederzeit fragen und habe das auch schon einige Male gemacht. Er hat ein sehr gutes Gespür für das richtige Maß aus Rückzug und Zur-Verfügung stehen. Das klappt sehr gut. Es gibt Fragen, die Vergangenheit betreffend, da kann nur er Auskunft geben. Aber was die Zukunftskonzepte betrifft, da muss ich natürlich meine eigenen Wege gehen.
Wie gehen Sie vor, wie waren die ersten 100 Tage?
Die Arbeit überrollt einen und man arbeitet sie ab. Viel dreht sich am Anfang darum, die Akteure, die Kollegen und die Orte kennenzulernen.
Was sind ihre klassischen Aufgaben?
Entsprechend meiner Stellenausschreibung sind es drei Säulen: Die Reden und Grußworte für den Oberbürgermeister schreiben, als Veranstalterin für die Stadt auftreten und das Projekt Kolpinghaus voranbringen.

Reden für jemand zu schreiben, den man noch gar nicht so recht kennt, geht das? Franz Stumpfs Abschiedsrede auf seinen Freund Dieter George zum Beispiel, haben Sie die auch geschrieben?
Die war zu persönlich, die hat der Oberbürgermeister selbst verfasst.

Welche Reden haben Sie schon geschrieben?
Da ist das Spektrum sehr unterschiedlich und reicht von Reden zum Volkstrauertag bis hin zur Weihnachtsansprache. Dazu kommen die vielen Grußworte zu Ausstellungseröffnungen, Neujahrsempfängen und verschiedenen Jubiläen. Auch Kondolenzschreiben und Grabreden gehören zu dieser Aufgabe.

Was sagen die Zuhörer?
Aufmerksame Zuhörer sagen, der Stil hat sich geändert. Er ist ein bisschen weicher und emotionaler geworden.

Wurden sie schon mit großen Forderungen konfrontiert, was die Zukunft der Forchheimer Kultur betrifft?
Bisher sind es mehr Wünsche als Forderungen, das ist sehr angenehm. Ich bin immer noch dabei, mir ein Stimmungsbild zu machen.

Über zwei Jahrzehnte wurde die Stadt durch den bildungsbürgerlichen Kulturbegriff Ihres Vorgängers geprägt. Wie würden Sie denn ihren eigenen Kulturbegriff beschreiben?
Er ist sehr weit, das Klassische gehört genauso dazu wie Brauchtum und Jugendkultur. Der Bildungsbegriff hierzulande hat sich in den letzten 30, 40 Jahren sehr verändert. Ich bin da natürlich ein Kind meiner Zeit, mir geht es darum, möglichst viele Menschen zu erreichen. Es geht nicht mehr darum, die Leute zu irgendetwas zu erziehen, sondern darum, sie zu begeistern. Ich muss sehen, was interessiert die unterschiedlichen Gruppen. In einer ausdifferenzierten Gesellschaft bedeutet das, möglichst viele Angebote zu machen.

Wenn es zum Beispiel nach Ihrem Musik-Geschmack ginge, was würden sie in Forchheim veranstalten?
In der Musik reichen meine Vorlieben von Jazz über Klassik zu schmalzige Soul-Sachen bis hin zur Volksmusik. In Forchheim liegt der Fokus der Kultur sehr stark auf Musik, sie dominiert die Veranstaltungen. Theater ist deutlich weniger, auch weil es keinen Raum gibt.

Sie wollen mehr Räume in Forchheim schaffen?
Das hat auch Oberbürgermeister Franz Stumpf jüngst bei einer Veranstaltung in der Kaiserpfalz gesagt: Es kann nicht einen Raum für alle Art von Kunst geben. Daher wird künftig auch das Kolpinghaus nicht alles abdecken können. Doch Forchheim hat Potenzial, was Räume anbelangt. Alleine das Areal der Kaiserpfalz besteht aus unglaublich interessanten Einzelräumen. Hier besteht die zukünftige Aufgabe sicherlich darin, ein stimmiges Gesamtkonzept zu entwickeln.

Welche Rolle spielt für Sie das Kolpinghaus?
Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass auf dem Gesamtareal Kolpinghaus verschiedene Kulturvereine, auch das Junge Theater oder die Musikschule, passende Übungs- und Veranstaltungsräume finden werden. Man muss aber bei den Veranstaltungen, egal ob durch ortsansässige oder ortsfremde Kulturschaffende durchgeführt, einen roten Faden entwickeln, damit das Kolpinghaus ein klares und unterscheidbares Profil gewinnt. Diesbezüglich sehe ich zum Beispiel den Standort in der Kasernstraße zukünftig stärker als Ort der Kinder- und Jugendkulturarbeit. Bitte projizieren wir nicht alle Erwartungen auf einen Ort.

Mehr Räume für die Forchheimer Kultur - wie wollen Sie die in Betrieb nehmen?
Es gibt immer Interesse für spannende Orte. Reaktionen sind schon da. Um Kulturvielfalt zu ermöglichen, muss ich Leute für die Räume begeistern, damit sie sich auch finanziell beteiligen. Wir müssen betriebswirtschaftlich denken, um neue Orte herzurichten. Ich verstehe mich als Kulturmanagerin und Kulturmanagement bedeutete auch Konzepte zu entwickeln, wie sich Investitionen in Kulturräume langfristig für die Stadt refinanzieren können.

Die Fragen stelllte
Ekkehard Roepert