Mit dem Kleintransporter durch die Gegend fahren und Zigaretten-Automaten auffüllen. Das sei laut Verteidiger Philipp Schulz-Merkel der Traumjob des 26-jährigen Angeklagten aus Erlangen gewesen, der sich am Dienstag wegen Brandstiftung vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten musste.

Im Mai dieses Jahres sind dem Mann mit den kurzen Haaren und den kindlichen Zügen dabei offensichtlich die Sicherungen durchgebrannt. Aus heiterem Himmel soll der Automatenauffüller seinen Kleintransporter in Brand gesetzt haben. An einem Nachmittag im Mai soll der 26-jährige Angeklagte den Wagen während der Arbeit angehalten und fünf Liter Benzin im Führerhaus verteilt und angezündet haben.


Große Scheine in der Hand

Laut Staatsanwältin Nadine Robe habe der Lieferfahrer neben dem Transporter auch Tabak-Waren im Wert von rund 40.000 Euro mit dem Feuer zerstört.

Bevor der Kleinbus lichterloh in Flammen stand, soll sich der Angeklagte mit Bargeld in Höhe von 6000 Euro aus der Firmenkasse versorgt haben. Mit den großen Scheinen in der Hand sei er anschließend zu Fuß zu einem nahen Einkaufszentrum gelaufen. Dort habe er das meiste Geld vor den Augen der verdutzten Passanten zerrissen. Den Rest habe er weggeworfen.

"Ich bin nicht stolz, dass ich das getan habe", sagte der 26-Jährige zum Prozessauftakt. "Ich wollte mit der Aktion zeigen, dass die Welt in Flammen steht." Schaden habe er niemanden zufügen wollen. Deshalb sei er extra in eine Seitenstraße gefahren und habe die Feuerwehr verständigt.

"Ich wollte zeigen, dass Geld nicht alles ist": Die Massenmedien würden der Öffentlichkeit beispielsweise zur Bankenkrise nicht die Wahrheit sagen. "Das Fernsehen verschweigt uns alles", sagte der Angeklagte vor Gericht. Außerdem ärgere er sich darüber, dass die deutschen Bauern durch mächtige Supermarkt-Ketten immer stärker in den Ruin getrieben würden. "Das stimmt", sagt der Richter und fragt: "Was haben die Bauern mit dem brennenden Auto zu tun?" Nicht so viel, gibt sich der Angeklagte zum ersten Mal kleinlaut. Anschließend wiederholt der Angeklagte, dass er die Tat bedauere. "Ich will für den Schaden aufkommen", kündigte der 26-Jährige an. "Womit denn?", fragt der Richter im Hinblick auf den satten Gesamtschaden von rund 50.000 Euro. "In Ratenzahlungen", antwortet der Angeklagte, der laut Staatsanwaltschaft unter einer "paranoiden Schizophrenie" leide und seit seiner Verhaftung in einer forensischen Klinik untergebracht ist.

Der Beschuldigte seit laut Anklageschrift aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage, das Unrecht der Tat einzusehen. Infolge seines Zustandes seien vom Angeklagten laut Staatsanwältin weiterhin erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten. Nadine Robe sagte, der 26-Jährige sei gefährlich für die Allgemeinheit. Diese ist Voraussetzung für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach Paragraf 63 des Strafgesetzbuches.

Die Staatsanwältin plädierte nach kurzen Zeugenvernehmungen und den Ausführungen des Sachverständigen, Michael Wörthmüller, zum Gesundheitszustand des Angeklagten. Demnach sei der Angeklagte zwar auf dem Weg der Besserung. Bis er seelisch aber wieder ganz gesund sei, sei eine Unterbringung des Automatenauffüllers in einer forensischen Klinik geboten. Der Verteidiger plädierte für ein Bewährungsurteil. Am Ende folgte der Richter der Anklage und der Meinung des Sachverständigen und ordnete eine Unterbringung in einer Klinik an. Nach Auffassung des Gerichts ist der 26-Jährige aufgrund einer seelischen Störung nicht schuldfähig. Die Unterbringungsdauer richtet sich nach dem Heilungsprozess, der regelmäßig kontrolliert wird.