Einige Kinder in Rumänien sind vielleicht schon in heller Vorfreude. Denn am heutigen Samstag macht sich der Weihnachtsmann auf den Weg, um ihnen Geschenke zu bringen. Im Alltag heißt dieser Weihnachtsmann Friedrich Dorsch und wohnt in Heiligenstadt.

Begleitet wird Dorsch von fünf ehrenamtlichen Helfern aus der Gemeinde. Die Fahrt beginnt am Samstag in der Früh, die Gruppe wird etwa eine Woche unterwegs sein. "Bis jetzt haben wir etwa 2000 Päckchen von Schulen, Kindergärten und Privatpersonen bekommen, die wir in Rumänien an verschiedene Schulen, Kindergärten, ein Behindertenheim und ein Waisenhaus verteilen", erzählt Friedrich Dorsch, Vorsitzender der Hilfsorganisation "Lasst uns gehen".

Besonders ein Waisenhaus liegt ihm am Herzen, das von Nonnen geführt wird und 160 Kinder bis zu einem Alter von 18 Jahren betreut. "Und selbst danach kümmern sie sich um die Jugendlichen. Sie suchen zum Beispiel Sponsoren, damit die jungen Menschen studieren können", berichtet Dorsch.
Gerade hat Dorsch Päckchen in Scheßlitz von den Schülern der dortigen Realschule abgeholt. Außerdem hat er dort einen Scheck in Höhe von 2000 Euro erhalten. Das Geld hatten die Schüler bei einem Benefizlauf gesammelt.


15 Euro pro Paket

Die Spenden kommen aus der ganzen Region, von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. "Bei den Päckchen bitten wir, dass Süßigkeiten drin sind, Zahnbürste, Duschbad, Seife, Stifte oder Handschuhe oder mal ein Schal. Alles in allem mit einem Wert von etwa 15 Euro", zählt Friedrich Dorsch auf. Denn Schüler und Familien sollten sich so ein ja auch Päckchen leisten können. "Wir sind schon seit der vergangenen Woche unterwegs, holen die Päckchen ab und bringen sie in unser Lager nach Siegritz oder in die Garage nach Heiligenstadt", erzählt Dorsch.

Er ist froh darüber, dass ihn auch Hausfrauen und Rentner unterstützen, da diese vormittags in die Schulen fahren können. Für die Fahrt nach Rumänien nehmen sich die Begleiter Urlaub. Und sie tragen ihre Unkosten selbst. Der Lkw ist ein ehemaliger Bücherbus. Der Landkreis Bamberg wollte diesen verkaufen, fand aber keinen Abnehmer. "Da sind wir vor 15 Jahren mit dem Landtagsabgeordneten Heinrich Rudrof und Bürgermeister Helmut Krämer zum Landratsamt gefahren und haben verhandelt", lacht Dorsch. Mittlerweile konnte sich die Organisation noch einen Transporter kaufen, so dass sich das Team am Samstag mit zwei Fahrzeugen auf den Weg machen kann. "Wir starten hier mit vollem Tank - gesponsert von Firmen. Damit kommen wir bis Rumänien", erzählt Friedrich Dorsch. Ein hoher Kostenfaktor seien die Mautgebühren: etwa 500 Euro.

Doch was ist die Motivation, um solche Hilfsfahrten zu organisieren? Er habe auch früher schon viel gespendet, berichtet Dorsch. Doch habe er nie erfahren, was denn aus seinem Geld geworden sei. "Bei großen Hilfsorganisationen weiß man, dass 30 Prozent der Spenden für die eigene Verwaltung verwendet werden", zeigt der Organisator auf.

So habe er Ende der 90er Jahre eine Hilfsfahrt nach Rumänien begleitet - und war geschockt. "So nah bei uns wurden Kinder in einem Waisenhaus wie Tiere behandelt. Sie waren ans Bett gefesselt und haben den Kopf apathisch hin und her bewegt", erinnert sich Dorsch.
Deshalb habe er selbst gehandelt und etwas auf die Beine gestellt. "Wir arbeiten ehrenamtlich. Da kommt das gespendete Geld direkt beim Bedürftigen an", stellt Friedrich Dorsch in dieser Hinsicht klar.
Auch wenn sie manchmal schikaniert werden, meistens klappt die Zusammenarbeit vor Ort sehr gut. "Es ist viel Arbeit und anstrengend, aber wir bekommen mehr zurück als wir geben", meint Friedrich Dorsch nachdenklich.