Der Neubau des Katharinenspitals erhält mehr Aufmerksamkeit als die meisten Bauprojekte. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Da stecken Emotionen drin. Niemand möchte es den alten, oft kranken Menschen antun, sie aus dem gewohnten Umfeld zu reißen. Es wird von Freundschaften gesprochen, die bei einer Umsiedlung nicht mehr gepflegt werden könnten. Und es sind finanzielle Sorgen, die Bewohner und Angehörige umtreiben.

Es ist schwer, bei diesem Thema die Gefühle auszuschalten. Doch wenn man die Situation rational zu betrachten versucht, gibt es eigentlich überhaupt keine menschliche Lösung. Es steht außer Frage, dass hier ein großes Problem besteht - aber wäre es nicht ein noch größeres, wenn die alten Räumlichkeiten nur für eine menschenunwürdige Pflege reichen? Freilich ist es momentan noch bewohnbar, aber wie lange noch? Auch ohne Gesetz wäre das alte Gebäude irgendwann nicht mehr in einem Zustand, der den Lieben angetan werden soll. Rational betrachtet muss der Neubau sein. Auch wenn es emotional betrachtet herzzerreißend ist.