Messerscharf kalkuliert: "Was anderer machen, das können wir auch", sagten sich Erika und Ferdinand Distler und beschritten mit ihrem Traditions-Fachgeschäft nach 140 Jahren neue Wege. Seit dem Jahr 2000 werden "Messer, Scher & Licht" nicht nur über die Ladentheke verkauft sondern auch im Online-Shop vertrieben. Das Wagnis hat sich gelohnt: Mit 4000 Artikeln hat der Schneidwaren-Händler im Internet-Markt begonnen, jetzt ist das Sortiment auf 10 000 Produkte angewachsen.

Aller Anfang sei jedoch schwer gewesen , gesteht Erika Distler, während sie auf der Ladentheke die Bestellungen eintütet, die an Kunden in ganz Europa versandt werden. So hat sie sich die Web-Site für ihren Online-Verkauf mit einem Baukastensystem selber eingerichtet. Aber damit ist es nicht getan. Der Online-Shop erfordert stetige Pflege. "Bei einem Sortimentswechsel oder Neuheiten müssen die Warenfotos neu eingestellt werden, wobei man auf die Bilderrechte achten muss. Wenn eine Preisänderung kommt, dann muss wieder alles aktualisiert werden", dies erfordere viel Arbeit, betont Erika Distler. Ihr Fazit: "Es steckt viel Zeit dahinter und viel Geld, das man investieren muss, bevor sich der Internethandel lohnt". Missen möchte sie den virtuellen Markt jedoch nicht mehr. ""Bis zu 30 Prozent unseres Umsatzes laufen über den Internethandel", erklärt Messerschmiedemeister Ferdinand Distler.


In der Krise liegt die Chance

Angesichts der allseits wahrzunehmenden Krise des Ladenverkaufs sieht man auch bei Foto Brinke eine Chance im Online-Geschäft. "Wir haben seit vier Monaten einen Online-Shop", berichtet Matthias Distler, der stellvertretende Leiter des alt eingesessenen Forchheimer Fotofachgeschäftes. Zusätzlich hat Brinke einen "Camera-Store", speziell für die Produkte eines japanischen Herstellers aufgemacht. Daneben bestehe schon seit längerem eine Bestellplattform für Bilder und Fotobücher. Der Kunde kann im Foto Brinke Online-Shop per Klick bestellen, sich die Ware liefern lassen oder auch im Laden abholen. Der Vorteil: "Beratung und Service sind mit dabei ", betont Matthias Distler.

Aber auch im Genussmittel-Sektor ist man beim Online-shopping auf den Geschmack gekommen. "Wir werden online gehen", berichtet Dieter Bogatz, der in der Hornschuchallee seine gleichnamige Rösterei mit Café betreibt. Man sei derzeit in der Vorbereitungsphase und wolle den Shop noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft frei schalten, verrät sein Frau Constanze. Es sei viel Arbeit, die dahinter stecke, gesteht sie. Angeboten werden solle nicht nur selbstgerösteter Kaffee sondern auch hochfeine Pralinen. Bogatz setzt in seinem Online-Geschäft unter anderem auf Touristen, die sich vor Ort über die Qualität seiner Produkte überzeugt haben und diese zuhause nicht missen wollen. Dieter Bogatz verweist auf ein nachahmenswertes Modell für den Internethandel, das in Wuppertal bestehe. Dort sei ein regionales Online-Shopping-System ins Leben gerufen worden, mit dem der Kunde die Waren des städtischen Einzelhandels per Mausklick ordern könne und geliefert bekomme .


Der vernetzte Laden

Das Baiersdorfer Unternehmen "Brodos" hat den Trend zum Online-Shopping mit einem speziellen Vertriebssystem für Einzelhändler weiterentwickelt: dem "vernetzten Laden". In diesem ganzheitlichen Konzept, so erklärt Firmensprecher Julian Häußler, "werden die Vorteile des stationären Handels - wie zu Beispiel Service und Beratung - verknüpft mit den Vorteilen des Internets, die gekennzeichnet sind durch ein großes Angebot und günstige Preise". Eine technologische Komponente ist der "Brodos Kiosk" - ein Tablet, auf dem der Kunde im Laden, mit Verkäuferberatung, aus einem Marktplatz mit über 150 000 Produkten auswählen kann und die Ware nach Hause geliefert bekommt.Oder umgekehrt: Er bestellt daheim vom Sofa aus und holt die Ware beim Fachhändler ab. Mit dem Vorteil, dass er sich dort das Produkt erklären lassen kann. Für den Händler biete sich dadurch die Chance Zusatzgeschäfte zu generieren, betont Julian Häußler. Im März 2014 sei das Konzept dem Fachpublikum vorgestellt worden und auf großes Interesse gestoßen, erklärt Felix Dingermann, Geschäftsführer der Sparte "Brodos.net". Für ihn heißt das Zauberwort "Cross Chanel" - die Verbindung von Laden-Service und Internet-Marktplatz. "Dies bietet dem Kunden das Beste aus beiden Welten" und ermögliche dem Händler mit dem vernetzten Laden "eine Kopfschmerzen freie Lösung für kleines Geld".