Auf eine 100-jährige Geschichte kann der Wasserzweckverband der Wiesentgruppe in diesem Jahr zurückblicken. Und genau zum 100-jährigen Jubiläum kann die wohl schwierigste Baumaßnahme des Wasserversorgers zwischen der Wallerwarte oberhalb von Wohlmutshüll und der 120 Meter topografisch darunter liegen Stadt Ebermannstadt abgeschlossen werden.

Ingenieur Norbert Winter vom Amberger Ingenieurbüro Seuss spricht beim Ortstermin an der Wallerwarte von einer "alpinen Baumaßnahme", da vom Hochbehälter Debert in Ebermannstadt bis nach Wohlmutshüll eine Wasserleitung mit einem Durchmesser von 200 Millimetern auf einer Länge von 2080 Metern, davon 300 Meter im Steilhang verlegt werden muss. Dies kostet 1,3 Millionen Euro und der Freistaat beteiligt sich daran mit 500 000 Euro.


Ein Notverbund

Durch diese Leitung wird die Wiesentgruppe mit der Wasserversorgung der Stadtwerke Ebermannstadt verbunden und somit für beide Wasserversorger das dringend nötige so genannte "zweite Standbein" geschaffen. Beide Wasserversorger könnten im Notfall durch diesen Notverbund die Bürger des jeweils anderen Wasserversorgers dann mit Trinkwasser versorgen.

Für den Vorsitzenden der Wiesentgruppe, Gößweinsteins Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) ist diese Baumaßnahme ein Meilenstein in der 100-jährigen Geschichte der Wiesentgruppe. Denn damit ist die Existenz der Wiesentgruppe als einer der wichtigsten Wasserversorger in der Fränkischen Schweiz dauerhaft gesichert.

Gerade im Steilhang hinunter nach Ebermannstadt ist beim Bau der Verbindungsleitung zwischen beiden Wasserversorgern ein technisch anspruchsvolles Vorgehen, fachmännisches Können sowie hohe Sorgfalt erforderlich, wie der Planer betont. Dies gewährleistet die Firma HTS Frankenbau aus Sulzdorf an der Lederhecke mit der Maschinentechnik der WILO EMU Anlagenbau GmbH aus Roth. Denn die lehmige Hangschuttdecke im Steilhang aus dem Quartär ist potenziell rutschgefährdet. Deshalb muss auch ein spezielles duktiles Gussrohr mit Schubsicherung im Bereich des Steilhangs verlegt werden.

Gesichert wird das Rohr in einem Stück durch drei Stahlbetonhangriegel zur Stützung der Karst- und Steilhangstrecke um ein Auswaschen und Abrutschen zu verhindern. Eine bautechnische Meisterleistung, die in der gesamten Region bisher einmalig ist.

Mitverlegt werden Fernmeldekabel an der gesamten Strecke und Leerrohre im Auftrag der Stadtwerke Ebermannstadt. Hinzu kommt ein energieeffizientes Pumpwerk im Hochbehälter Debert, mit dem das Trinkwasser aus Ebermannstadt den Steilhang zur Wallerwarte hinauf gepumpt werden kann. Winter spricht von einer weitsichtigen Lösung zur gegenseitigen Versorgung im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit der beiden Wasserversorger.

Bereits ein Strukturgutachten der Bundeswehr-Universität München hatte im Oktober 2013 diese Lösung zur Schaffung eines zweiten Standbeins als weitsichtig und bedeutend für die Wiesentgruppe und die gesamte Region herausgestellt. Mit dem "Verbund Wiesentgruppe-Ebermannstadt", so der Kurztitel dieser Baumaßnahme. gehe die Wiesentgruppe nun den wichtigsten Schritt ihrer Zukunftssicherung, so Zimmermann. Denn damit könne nun auch in Notzeiten die Versorgungssicherheit der rund 3660 Einwohner im Verbandsgebiet der Wiesentgruppe gewährleistet werden.

Zimmermann dankte den anwesenden Vertretern des Wasserwirtschaftsamts Kronach, Günter Prem und Michael Richter, für deren fachliche Unterstützung für diese Baumaßnahme ebenso wie dem bayerischen Umweltministerium.


Tüchersfeld steht vor der Tür

Wenn am kommenden Montag der Stadtrat von Pottenstein noch zustimmt, kann auch Tüchersfeld als Wassergast an die Wiesentgruppe angeschlossen werden. "Wir brauchen das Wasser nur noch aufdrehen", sagt Zimmermann. Denn die Anschlussleitung von Rackersberg über Tüchersfeld nach Kohlstein ist bereits fertig. Dann bekommen auch die Orte der Kohlsteingruppe, Kohlstein, Hungenberg und Unterailsfeld das Wasser der Wiesentgruppe geliefert. Und im Notfall dann auch aus Ebermanntadt.