Ein schickes Outfit gehört dazu, aber das reicht nicht aus. Um die Universität Bamberg in New York vertreten zu dürfen, müssen die Studierenden mehr mitbringen. "Wie viele es genau waren, kann ich nicht sagen", erzählt Marie Dieckhoff, "aber es waren wohl um die 130 Bewerber."

In die Delegation der Uni Bamberg schafften es dann 20 Vertreter verschiedener Studiengänge. Unter ihnen auch die 23-jährige Marie Dieckhoff aus Forchheim. Sie studiert Politikwissenschaften im 3. Mastersemester. "Ich kannte Model United Nations schon aus Würzburg, wo ich meinen Bachelor gemacht habe", erzählt sie, "aber damals habe ich mich nicht genug vorbereitet gefühlt."

Damit trifft sie einen wichtigen Punkt, denn Vorbereitung ist das A und O für die Arbeit als Delegierte. Jedes Jahr schickt die Universität Bamberg zwischen 16 und 20 Studenten nach New York, die dort bei National Model United Nations (NMUN) verhandeln. "Das ist eine Konferenz-Simulation der Vereinten Nationen, an der jedes Jahr 5000 Studenten aus der ganzen Welt teilnehmen", erklärt Marie Dieckhoff, "man bereitet sich ein Semester lang darauf vor, ein Land und seine Positionen auf möglichst realistische Weise zu vertreten."

Bamberg vertritt in diesem Jahr Israel. "Ich habe mir Positionspapiere von Israel durchgelesen", erklärt die 23-Jährige, "viele Positionen kriegt man natürlich aber auch in den Nachrichten mit." Zusätzlich dazu werden in dem vierstündigen Tutorium, das jede Woche stattfindet, Präsentationen über das Land und seine Ansichten gehalten. "Bei mir waren das die politischen Verbindungen Israels mit Schwerpunkt USA", sagt Dieckhoff.


Treffen mit dem Botschafter

Während der Konferenz in New York muss die 23-Jährige sich dann verhalten, als sei sie eine israelische Diplomatin. "Das heißt auch, dass ich dann mit Ländern, die Palästina unterstützen nicht verhandeln werde", erklärt sie. Um Israel und seine Ansichten noch besser kennen zu lernen, fährt die Bamberger Delegation im Dezember nach Berlin. Dort steht dann unter anderem ein Besuch der israelischen Botschaft auf dem Programm.

Um zu lernen, wie die Vereinten Nationen und internationale Politik funktionieren, werden die 20 Studenten auch das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft der Vereinten Nationen besuchen. Außerdem findet wöchentlich ein zweistündiges Seminar dazu statt.

Dass die Bewerber Ahnung von internationaler Politik haben müssen, war schon in der Bewerbungsphase klar. "Wir mussten neben einem Lebenslauf und einem Motivationsschreiben auch ausarbeiten, welche Chancen und Probleme von der Türkei als Mediator zwischen Europa und der islamischen Welt ausgehen", erzählt Dieckhoff, "und das alles natürlich auf Englisch."

Außer ihr sind nur drei Leute in der Bamberger Delegation, die noch nicht im englischsprachigen Ausland gelebt haben oder deren Muttersprache Englisch ist. Die Sprache ist wichtig, denn in New York wird komplett auf Englisch verhandelt. "Es bringt einem fürs spätere Leben viel, wenn man bei NMUN mitmacht", weiß die 23-Jährige, "wir kriegen Rhetorik-Training und die Verhandlungssicherheit auf Englisch wird geschult." Außerdem lerne man spontan zu reagieren, denn wenn man am Rednerpult steht, muss die Ansprache oft auch an die des Vorredners angepasst werden.


Ein Job in der Politik

Die Politikwissenschaftsstudentin erhofft sich durch die Teilnahme auch Chancen auf ein Praktikum bei einer UN-Unterorganisaton: "Ich sehe das schon realistisch und weiß, dass die Stellen begehrt sind, aber vielleicht ergibt sich durch NMUN etwas." Grundsätzlich will sie nach Abschluss ihres Studiums auf jeden Fall in einem Bereich der internationalen Politik arbeiten. Ob dass dann eine Regierungsorganisation oder eine Nicht-Regierungsorganisation (NGO) sein wird, lässt sie sich noch offen. Die Verhandlungsphase mache ihre bei den Simulationen am meisten Spaß und so könne sie sich auch vorstellen, das später in ihrem Beruf zu machen, erzählt die 23-Jährige.

Privat verbringt sie die Zeit übrigens nicht immer damit politsche Diskussionen zu führen. Gerne macht sie nämlich auch mit ihrem Freund einen Ausflug in die Fränkische. "Deshalb ist Forchheim so toll zum Wohnen", sagt sie, "ich bin schnell zum Studieren in Bamberg oder bei meinem Job in Erlangen, aber eben auch schnell in der Natur. Außerdem ist in Forchheim auch immer was los, obwohl es ja keine Großstadt ist."