"Unser Engagement kommt aus dem Herzen", erklärt Andreas Rudolph, Leiter des Projekts "Kleiderladen", beim Aktionstag "Nachhaltigkeit für 150 Cent" des Baye rischen Roten Kreuzes (BRK). Alles kostet an diesem Tag 1,50 Euro, sodass sich viele Kunden eingefunden haben und in den Regalen stöbern.

"150 deshalb, weil das Rote Kreuz 150 Jahre alt ist", informiert Rudolph. Das Angebot ist an jeden gerichtet, vor allem an Bedürftige. Im Laden sind verschiedene Sprachen zu hören, Frauen und Männer suchen nach Kleidung, Kinder spielen mit den Spielsachen. Christine ist eine Kundin, die Kleidung für einen Bekannten sucht, der diese in den Iran schickt: "Ich finde diesen Laden supertoll. Er hat ein sehr gutes Angebot. Gut, dass es einen solchen Laden gibt."

Früher hieß es: Schlange stehen

Früher gab es beim BRK eine Kleiderkammer, in der die Bedürftigen nichts aussuchen oder probieren konnten und oft auf der Treppe Schlange stehen mussten. Mit Unterstützung von Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) hatte der BRK ein Haus gefunden, dieses renoviert und den Kleiderladen untergebracht. "Die Kleiderkammer gehört zu uns, denn von hier nehmen wir Kleidung, um im Katastrophenfall Menschen ausstatten zu können", erläutert Rudolph. Das letzte Mal beim Hochwasser im Forchheimer Landkreis im Jahr 2007. "Die Menschen mussten im Schlafanzug ihre Häuser verlassen", erinnert sich Rudolph. Viele übernachteten in den Sälen des BRK und mussten dann auch eingekleidet werden.

Viele Leute würden sich im Kleiderladen auch für besondere Gelegenheiten einkleiden wie Fasching oder Kommunion. "Und das fördert den Umweltgedanken, denn die Kleider sind länger im Umlauf und Schadstoffe - gut für Allergiker - sind bereits ausgewaschen", regt Rudolph zum Nachdenken an.

Auch das Gespräch ist enorm wichtig

Beim Aktionstag unterstützt wird er unter anderem von Maria-Jutta Gabriel, einer ehemaligen Caritasschwester und Altenpflegerin. Sie spricht Englisch und Russisch. Damit kann sie sich mit vielen Kunden unterhalten, aber auch manchmal Trost spenden. Ehrenamtlich hilft Waltraud Barron: "Die christliche Nächstenliebe liegt mir am Herzen, deshalb helfe ich hier mit." Sie arbeitet normalerweise im Hintergrund und sortiert Kleiderspenden.
Leider kommen aus den 60 Containern im Landkreis nur fünf Prozent gute Kleidung. Der Rest wird ein weiteres Mal sortiert und halbwegs gute Sachen werden weiterverkauft. Der Rest wird zu Putzwolle verarbeitet. "Wer an den Kleiderladen spenden will, soll die Ware in der Geschäftsstelle abgeben oder dort in die Container geben", erklärt Maria-Jutta Gabriel.

Die Seele des Ladens ist Manuela de Clerk. Zu ihr in den Laden kommen die Menschen auch nur zum Reden. "Erst vorhin war eine Frau da, die freiwillig ins Altenheim ging, weil sie von der Familie so schlecht behandelt wurde", erzählt Manuela de Clerk. Man habe der alten Dame Haus und Geld genommen, sodass sie jetzt im Kleiderladen einkaufen müsse.

Vielen ist es nicht mehr peinlich, hierher zu kommen

Manche Menschen seien auch zu stolz, um ein Amt um Hilfe zu bitten. Diese würden sich hin und wieder etwas gönnen, in dem sie im Kleiderladen einkaufen. Während Manuela de Clerk aus ihrer Erfahrung erzählt, kassiert sie Gisela ab, die sich zwei Kleidungsstücke ausgesucht hat: "Ich bin froh, dass es diesen Laden gibt. Man findet hier schöne Sachen, wird gut bedient und kann sich gut unterhalten." Am Anfang sei es den Kunden peinlich gewesen, im Kleiderladen gesehen zu werden, erinnert sich Manuela de Clerk. Doch mittlerweile habe sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und es gebe Stammkundschaft, von denen einige täglich vorbeikämen.
"Früher mussten Bedürftige nichts zahlen. Da fanden wir die Kleidung schon mal im Müll", erzählt Andreas Rudolph. Jetzt habe sie mehr Wert. Ihm sei jedoch wichtig, dass alle gleich behandelt werden. Und dass jeder im BRK-Kleiderladen einkaufen kann.