Der ältere Patient fühlte sich eigentlich recht wohl, jetzt aber ein wenig schlapp. Beim regelmäßigen Gesundheitscheck wurden auch die Blutwerte untersucht.
"Ein erhöhter Blutzuckerspiegel wird häufig durch Zufall festgestellt, denn die Betroffenen merken nicht, was sich im Körper abspielt", erklärt Hausärztin Kattrin Pazurek aus Kirchehrenbach. Leider meldet der Körper nicht, wenn zu viel Zucker im Blut ist, der Mensch hat keine Schmerzen. "Diabetes Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung. Die sogenannten Beta-Zellen an der Bauchspeicheldrüse erschöpfen sich und die Insulinproduktion lässt im Laufe der Jahre nach", erläutert die Ärztin.


Mangel an Bewegung

Oft entstehe im Körper eine Insulinresistenz; das bedeutet, dass das Insulin Schwierigkeiten hat in die Zellen einzudringen. Dadurch bleibt zu viel Zucker im Blut. Denn das Hormon Insulin wirkt wie ein Schlüssel, der die Tür zu den Körperzellen öffnet, damit diese den Zucker als Energiespender aufnehmen können.

"Oft handelt es sich um eine genetische Veranlagung. Man sollte schauen, ob Eltern oder Geschwister an Diabetes leiden", informiert Kattrin Pazurek. Außerdem begünstigen Übergewicht und Bewegungsmangel die Krankheit, weshalb sie oft als "Wohlstandskrankheit" bezeichnet wird. Nach einer Statistik des Robert-Koch-Instituts leiden derzeit rund sieben Millionen Menschen an einem Diabetes, der mit Medikamenten behandelt wird.
90 Prozent davon sind Typ-2-Diabetiker. Experten schätzen, dass sich in Deutschland rund 11 Millionen Menschen in einem Vorstadium befinden und in den nächsten Jahren an Diabetes Typ 2 erkranken können. "Wie gesagt, die Krankheit verläuft erst symptomlos. Dann kann es sein, dass man mehr Durst hat, sich abgeschlagen fühlt oder häufiger zur Toilette muss. Vielleicht heilen auch kleine Wunden schlechter oder man hat in den Füßen ein Brennen oder Taubheitsgefühl", zählt die Ärztin auf. Denn wenn der Blutzuckerspiegel steigt, versucht der Körper diesen mit dem Urin auszuscheiden. Dabei verliert man Flüssigkeit, hat vermehrt Durst oder bekommt eine trockene Haut.

Das Immunsystem wird geschwächt und der Mensch wird anfälliger für Infektionskrankheiten oder Fuß- oder Scheidenpilz.


Umstellung der Ernährung

"Wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist, wird vom Arzt der Langzeitwert bestimmt, wobei man hier bei älteren Menschen nicht ganz so streng ist. Hier will man einen Zielwert von 6,5 bis 6,7 erreichen", berichtet Kattrin Pazurek.

Wenn der Wert noch nicht so hoch ist, werden eine Ernährungsumstellung, viel Bewegung und regelmäßige Kontrolle empfohlen. "Ballaststoffe bewirken, dass der Zucker langsamer ins Blut übertritt", informiert die Ärztin. Sie empfiehlt deshalb auf Vollkornprodukte umzusteigen, Kohlehydrate zu reduzieren, viel Gemüse und Fisch zu essen und Süßigkeiten zu meiden.

"Das Rauchen sollten Diabetiker auch beenden, denn das wirkt sich negativ auf die Gefäße aus", erklärt Kattrin Pazurek. Diabetes schädigt die kleinen und großen Arterien und häufig auch die Nerven. Die Ärztin zählt auf: "Folgekrankheiten können Herzinfarkt, Schlaganfall, Netzhautschäden, Nierenschäden oder Nervenschäden wie der Diabetische Fuß sein." Durch eine Änderung des Lebensstils bekomme man viel in Griff; würden sich die Werte noch immer nicht verbessern, werden Medikamente gegeben. "Metformin ist dabei das übliche Einstiegsmedikament, das die Insulinausschüttung anregt und die Aufnahme in die Zelle verbessert", berichtet die Ärztin.
Danach werde dies mit anderen Tabletten kombiniert und dann käme das Spritzen von Insulin dazu.

Früher wurde der Diabetes Typ 2 auch "Altersdiabetes" genannt, aber die Betroffenen werden immer jünger. Deshalb sollten Patienten die "Gesundheitsuntersuchungen ab 35" nutzen. Wenn eine chronische Krankheit wie Diabetes festgestellt wird, können die Patienten an einem "Desease-Management-Programm" (DMP) ihrer Krankenkasse teilnehmen. Das sind strukturierte Behandlungsprogramme, bei denen der chronisch Kranke regelmäßig untersucht - und auch an die Untersuchung erinnert - wird.