Bei strahlendem Wetter glänzten und glitzerten auf dem Eggolsheimer Rathausplatz bis hoch zur Schule viele blitzblank geputzte und auf Hochglanz polierte Automobile in der Sonne: Oldtimer wie etwa ein Ford Cabrio, Baujahr 1937, das "Brot-und-Butter-Auto" der Italiener: der Fiat 500 vom Ende der 50er Jahre oder ein Porsche 356 aus den frühen 60ern ... Aber auch 20 oder 30 Jahre jüngere Exemplare, etwa von BMW, Mercedes, Jaguar und sogar ein Rolls-Royce waren zu sehen - einige davon ausgestattet mit den berühmten roten 07 Sammlerkennzeichen.

Der Forchheimer "Gentlemens Cars Club" will seit seiner Gründung weder ein Motor- noch ein reiner Oldtimer-Club sein, sondern ein Club für alle, die einen besonderen, auch emotionalen Bezug, zum Thema Automobil haben - ein Club für Enthusiasten.

Die Idee, solch einen Verein zu gründen, ist vor elf Jahren auf dem Geburtstagsfest des jetzigen Ehrenpräsidenten Sebastian Körber entstanden, der auch in Eggolsheim anwesend war. Der Club pflegt die Gemeinschaft von Gleichgesinnten auch überregional und bildet eine Plattform bei Problemen der Ersatzteilbeschaffung.
Viele der Gefährte sind in schlechtem Zustand erworben und oft in Eigenarbeit liebevoll repariert und restauriert worden. Eine absolute Ausnahme war das kleine, alte Baustellenfahrzeug aus der Zeit zwischen Oktober 1952 und März 1953: Ein Käfer Zwitter mit Bretzelfenstern hinten, ansonsten gehört er zur Serie Ovali.

Auf dem Dach ein bemaltes Holzschild mit der Aufschrift: "Müller Bau Staffelstein", innen vollgepackt mit Bauutensilien und einem Bierkasten, außen an allen möglichen Stellen abgeplatzter Lack und Rost, doch ist der Wagen an keiner Stelle ganz durchgerostet. Dafür sind auch kleine Ausbeulungen zu sehen. Auf einem Zettel am Wagen für Kommentare war nur Positives zu lesen wie zum Beispiel "einfach geil", "bloß nicht restaurieren!" Das ist der jetzige Eigentümer auch nicht gewillt zu tun. Der Augenoptiker aus Ebern, in blauer Arbeitslatzhose und mit kreisrunder Flachkappe neben seinem Oldi stehend, hatte für die - wenn auch seltene - Teilnahme am heutigen Straßenverkehr lediglich die Nummernschilder erneuern und den alten Klappwinker durch einen Blinker ersetzen müssen.

Möglichst nach Marken geordnet, standen Autos für die unterschiedlichsten Funktionen beieinander: größere Limousinen, kleine Sportflitzer, Militärfahrzeuge und eine alte Feuerwehr, aber auch ein moderner Leichenwagen.


Geehrte Schrauber

Über den Tag verteilt fuhren etwa 190 größtenteils zu dem Treffen angemeldete Wagen vor; einige Autoliebhaber kamen ganz spontan erst mittags, andere verließen das Gelände schon vor dem offiziellen Schluss gegen 17 Uhr.
Für den besten Originalzustand erhielten einige Oldtimer-Besitzer Preise: Wilhelm Schönfelder (Capri RS), Michael Neumann ( Eisenacher Motorenwerke Dixi) und Steffen Langfritz aus Forchheim (BMW 628 CSI). Für ihre gute Restauration wurden geehrt: Johannes Pieger (Mercedes 170 S Cabrio) aus dem Landkreis Forchheim, Helmut Wegner (Fiat Spider 124) aus Forchheim und Helmut Ehrlinger (VW 412). Ein Sonderpreis für einen Borgward Isabelle Coupe ging an Harald Poellot.

Dem Eigentümer des schon oben erwähnten Ford V8 Cabrio, Baujahr 1937, dessen Name nicht genannt werden soll, der sich aber selber als "leidenschaftlichen Schrauber" bezeichnete, hatten der Präsident des GCC, Alexander Maier, und dessen Stellvertreter, Sascha Brenner, schon am frühen Nachmittag einen Preis für die längste Anreise überreicht. Er war aus Hamburg gekommen und wollte noch wieder zurückfahren. Er hatte das amerikanische Modell 1986 als "Schrott" gekauft, konnte sich aus den USA noch Ersatzteile beschaffen und hat in zwei Jahren das Auto wieder zu einer wahren Luxuskarosse gemacht.


Lange Flossen

Natürlich durften auch amerikanische Straßenkreuzer mit den langen "Heckflossen" nicht fehlen: vom Chevrolet mit herrlich warmem Motorsound, der in ganz leiser Abwandlung an einen Schiffsmotor erinnert, und Cadillac - einer hatte sogar ein originales Nummernschild aus Texas.
Überraschenderweise stellte sich heraus, dass der gebürtige Holländer und jetzige Kauernhofener Franz van der Veen, der mit seinem blauen Triumph Spitfire 1500 DC (Baujahr1977) wenigstens kurz vorbeikam, in den Jahren 1963 bis 1968 mit dem BMW 700 CS Coupe Tourenwagen-Rennen mitgemacht und so berühmte Rennfahrer wie Hubert Hahne, Sir John Whitmore und Jacky Ickx persönlich kennengelernt hatte.
Es machten wohl besonders die vielen Formen und Farben, manche zu den Autos erzählte Geschichten und die tatsächlich freundlich-fröhliche Art der Gentlemen, dass an diesem Tag unter den Besuchern auch nicht wenige Frauen waren und ihrem Auto-Enthusiasmus frönten oder ihn vielleicht erst entdeckten.