Schon ein geflügeltes Wort sagt "Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah". Dennoch musste der Pretzfelder Johannes Haas 1998 erst einmal nach Schottland reisen, um Ideen mit nach Hause zu bringen, in deren praktischer Umsetzung er seither sehr erfolgreich tätig ist. Die Rede ist vom Whisky brennen. Dass er darin inzwischen ein Meister ist, zeigte der Wettbewerb "Franken kulinarisch", bei dem Haas zu einem der sieben Preisträger gekürt wurde.

"Was die in Schottland können, muss doch auch hier in der Heimat möglich sein", so der 40-jährige verheiratete Vater von zwei Kindern. Sein Vorteil: Er kennt die Fränkische Schweiz wie seine Westentasche und hat darin im Vergleich zu Schottland schnell gleichgelagerte Grundbedingungen erkannt, wie zum Beispiel Talauen mit ihren Luftbedingungen oder das nachhaltige Vorhandensein von Braugerste, die gemälzt wird. "Und schließlich genießen wir den Vorzug, im Tal der Wiesent oder Trubach zu leben". Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis der Whisky-Brennerei, und um davon abzulenken, wird gerne die jahrhundertealte schottische Tradition vorgegeben.

Natürlich räumt Haas ein, dass seine Erfahrungen aus einer Experimentierfreudigkeit, gepaart mit seiner langjährigen Praxis in der Destillerie - seine Lehre hat er in Weihenstephan und Geisenheim am Rhein absolviert - ihn zum Erfolg führten. Nachdem der Pretzfelder Edelbrenner 1994 die elterliche Brennerei übernommen hatte, startete er mit optimierter und qualitativ hoher Brennweise, die 1997 zum Entstehen der Edelbrennerei mit Probierstube führten. Stützpfeiler dabei waren für ihn stets die Punkte "Aroma" (dabei favorisierte er ausschließlich alte fränkische Obstsorten), das "Einmaischen" (mit Entfernung von unerwünschten Bestandteilen wie Stiele usw.), das "Brennen" (mit absolut blanker Kupferoberfläche) und die Rückverdünnung des hochprozentigen Destillates auf die gewünschte Trinkstärke.

Mit der Erkenntnis, dass das Feinbrennverfahren höhere Qualitäten ergibt, entschied sich Haas für den Kauf einer speziellen Brennanlage zur Whisky-Herstellung, was nunmehr seit 15 Jahren auf professioneller Ebene verläuft.

Seit 2010 hat er verschiedene Whisky-Sorten im Verkaufsprogramm, da er die gesetzlich vorgegebene Reifezeit von drei Jahren als unzureichend einschätzt. Im Whisky-Lager finden sich nur Einzelfassabfüllungen wie "Single malt" oder "Single cask", wobei die Fassnamen mit "Sherrypipe" (Fass aus Eiche, frisch entleert von Pedro Ximanez Sherry) oder "Whisky Glenmorangie" (Fass aus französicher Eiche mit diversen Vorbelegungen) bezeichnet sind.

Sein Hobby Brennen hat Haas zum Beruf gemacht und im Leuchten seiner Augen ist während seiner Erzählungen unverkennbar abzulesen, dass er das Brennen mit Leib und Seele macht. "Ich will keine Massenprodukte herstellen, sondern lege besonderen Wert auf der Individualität und Qualität und bevor das Produkt an den Endverbraucher gelangt, will ich alles, was damit verbunden ist, in meinen Händen gehalten und gesehen haben", so der Erfolgs-Destillateur.

Unter dem Motto "Franken kulinarisch" werden nun bereits im 13. Jahr zwischen Bamberg und Nürnberg, Würzburg und Fürth, Neumarkt und Hof genussfreudige Damen und Herren geehrt. In diesem Jahr hat eine Jury sieben Preisträger gewählt, die vom Bundesernährungsminister Christian Schmidt und dem nordbayerische Monatsmagazin "Metropol News" geehrt wurden. Dabei wurde Haas zum "Whisky-Brenner des Jahres 2015" erklärt. Unter den vielen Ehrungen wird gerade diese Urkunde einen besonderen Ehrenplatz bekommen.