Manchmal bekommt Kathrin Reif einen Anruf; ob denn noch ein Zimmer frei wäre im Mehrgenerationenhaus in Forchheim-Nord. Aber Wohnraum ist das Einzige, was die junge Frau überhaupt nicht vermitteln kann. Und doch zeigen diese Anfragen den Wunsch der Menschen, im Alter nicht alleine zu wohnen, sondern mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben.

Diesen Wunsch soll das 2009 eingeweihte Bürgerzentrum Mehrgenerationenhaus (BZ MGH) umsetzen. Vom Säugling bis zum 92-Jährigen umfasst die Altersspanne der Menschen, die hier ihre Zeit miteinander verbringen.

"Wir versuchen Menschen unterschiedlicher Generationen in Kontakt zu bringen. Sie können voneinander profitieren", betont Kathrin Reif, die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin des BZ MGH: einer Begegnungs-, Beratungs- und Servicestelle für Menschen jeden Alters.
Der Doppelname rührt aus zwei Schwerpunkten: dem Qualitätsmanagement und dem Mehrgenerationenprogramm des Bundesministeriums. Bundesweit wird in jedem Landkreis ein Mehrgenerationenhaus gefördert. Für die Stadt und den Landkreis Forchheim ist es das Haus in der Paul-Keller-Straße 17.
Die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen, ist ein Aspekt der Einrichtung. In Bildungsangebote, Beratungsangebote und haushaltsnahe Dienstleistungen ist das Spektrum gegliedert.

Da sitzt zum Beispiel ein Schüler neben einem Senior und zeigt diesem, wie man sich am PC zurechtfindet, wie man E-Mails schreibt oder ein Handy bedient. Diese Handy-PC-Sprechstunde findet in Kooperation mit den Achtklässlern der Adalbert-Stifter-Schule statt. Viele Mütter mit kleinen Kindern laufen durch ganz Forchheim, um am Frauentreff teilzunehmen, den es seit einem halben Jahr gibt. Auch Flüchtlingsfrauen sind unter den Teilnehmerinnen.

Wie kümmern sich die Frauen hier um ihre Kinder? Wo ist der Spielplatz? Wohin gehen sie zum Arzt, sind Erfahrungen, die untereinander ausgetauscht werden? Viele Frauen müssen erst noch Deutsch lernen. Aber die Unterhaltung funktioniert. Die Fluchtgeschichten werden erzählt.


Erzählungen von früher

Ähnlich ist es im Erzählcafé in der Adventszeit. Wie haben die älteren Leute Weihnachten erlebt? Aus einfachen Dingen mussten Geschenke gebastelt werden. Oder die Weihnachtsanhänger für den Christbaum? Aus Bonbonpapier gefertigt, wie sich so manch Junger davon staunend überzeugen kann.

Manchmal sind diese Geschichten für jüngere Generationen unvorstellbar. Gern werden sie gehört. "Es gibt so viele bereichernde Begegnungen", weiß Reif. Sie erinnert sich an eine 90-Jährige, die zu ihrer Tochter nach Forchheim gezogen ist und die sehr gern wieder Rommé gespielt hätte. Also wurde eine Rommégruppe gegründet. Die alte Frau war eine Art Impulsgeberin. Auch wenn diese Seniorin heute nicht mehr lebt, nehmen an der von ihr initiierten Gruppe noch immer 18 Personen zwischen 60 und 90 Jahren teil. Dass Kathrin Reif sehr gerne in dem BZ MGH arbeitet, hört man schnell heraus.

Ihr gelingt es tatsächlich, Menschen aus 20 Ländern, unterschiedlichen Alters, Berufen und Kultur und 70 Ehrenamtlichen zu koordinieren. Vor allem aber ist Kathrin Reif die Anlaufstelle, um Ehrenamtliche zu vermitteln.
Schließlich gibt es 420 Organisationen in der Stadt Forchheim, die mit Ehrenamtlichen arbeiten.