Seit gut zwei Monaten hat der Software-Entwickler Matthias seine zwei kleinen Töchter (4 und fast 2 Jahre) nicht mehr gesehen. Von ihm gibt es nur Videobotschaften für die Kleinen, denn seit Anfang Mai weiß der ehemals in der Weltraumforschung tätige Ingenieur, dass er eine akute Form von Leukämie hat. Seine ganze Hoffnung - und die seiner Frau - besteht nun darin, einen geeigneten Knochenmark-Spender zu finden.
Um einen passenden Stammzellenspender für den zweifachen Familienvater aus Ebermannstadt zu finden, organisiert die Initiativgruppe des Soundfeel-Festivals um Jugendpfleger Andreas Kirchner und Tobias Eismann gemeinsam mit der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) eine Registrieraktion. Sie findet statt am Sonntag, 29. Juli, in der Aula der Mittelschule. Mitmachen kann jeder zwischen 18 und 55 Jahren. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) übernommen. Auch er hofft inständig, dass für das Mitglied der Gesangsgruppe "Mixed Generation" ein passender Spender gefunden wird.

Bisher 30 000 Transplantationen


Über den logistischen Aufwand und den Hintergrund informierte Magdalena Schwedler von der DKMS, die es seit 1991 gibt. Seither wurden über 30 000 Transplantationen von Stammzellen durchgeführt. Es gibt knapp fünf Millionen potenzielle Spender. "Immer noch zu wenige", findet Schwedler.
Sie will mit Vorurteilen rund um das Thema Knochenmarkspenden aufräumen. Erst einmal gehe es darum, Menschen zu finden, die sich typisieren lassen. Und das ist nicht billig. Eine Typisierung kostet immerhin rund 50 Euro. Dafür wird nun in Ebermannstadt der Reinerlös aus dem Soundfeel-Festival verwendet. Nicht zum ersten Mal. Bereits im Vorjahr rief Jugendpfleger Kirchner das Thema Gesundheit ins Bewusstsein der Jugend und startete eine Typisierung. Ergebnis: Es wurden 53 neue Spender registriert.

15 Sprechstundenhilfen warten


Diesmal hofft er auf eine noch größere Beteiligung. "Dank der Mithilfe der Praxis Dr Günter und Dr. Glaser sind wird gerüstet", erklärt Kirchner. 15 Sprechstundenhilfen zapfen den Probanden je fünf Milliliter Blut ab, damit die Gewebemerkmale bestimmt werden können. 20 weitere Helfer sind für die Dokumentation zuständig.
Der 45-jährige Matthias, der nun selbst dringend auf eine Knochenmarkspende angewiesen ist, hat keine Minute gezögert, sich testen zu lassen, als 2001 die kleine Anja aus Sassanfahrt an Blutkrebs erkrankte.Er muss nun aus der Spenderkartei gestrichen werden. Ausgerechnet am Geburtstag seiner Frau erfuhr er, dass er an Leukämie erkrankt ist.
Die Hoffnung, durch eine Chemotherapie die heimtückische Krankheit in den Griff zu bekommen, war nur von kurzer Dauer. Zwar fand sich nach der ersten dreiwöchigen Behandlung keine einzige Leukämiezelle mehr in Matthias' Körper, doch zwei Wochen nach der zweiten Chemo, die "nur rein sicherheitshalber" durchgeführt wurde, hatten sich sogenannte "Blasten" (unreife Zellen im Knochenmark) gebildet.
"Deshalb ist eine dritte Chemotherapie notwendig. Sie konnte noch nicht beginnen, weil Matthias derzeit einen Infekt hat", berichtet seine Frau Elke. Die Masseurin muss trotz der beiden Kinder und der häuslichen Situation Geld verdienen, denn das Krankengeld ist zu wenig.

Prinzip Hoffnung


Über das Mitteilungsblatt der Stadt war die zweifache Mutter auf die Typisierungsaktion aufmerksam geworden, hatte darüber auch mit ihrem Mann gesprochen. "Selbst wenn für mich kein geeigneter Spender gefunden wird, kann die geplante Typisierung aber anderen Menschen das Leben retten", zeigte sich Matthias von der Aktion begeistert. "Vielleicht haben wir ja Glück, und es gibt unter den bisherigen Spendern bereits eine Übereinstimmung. Dann bräuchte mein Mann die Tortur der nächsten Chemo nicht über sich ergehen lassen", hofft Elke.
Bürgermeister Franz Josef Kraus und Magdalena Schwedler appellieren an alle, sich typisieren zu lassen. Kommt jemand als Spender in Frage, werden seine Stammzellen in einer Art Dialyse entnommen. Ein operativer Eingriff mit einer Zellenentnahme im Bereich des Schambeins sei nur noch in 18 Prozent aller Fälle notwendig. Die Kosten dafür übernimmt stets die Krankenkasse des Patienten, der die Spende bekommt.
Wie dramatisch die Situation für ihren Mann ist, verdeutlicht Elke auf Grund des jüngsten Befundes. Es habe sich gezeigt, dass die Schraube, mit der sein mehrfach gebrochener Lendenwirbel befestigt wurde, um drei Zentimeter verrutscht sei und die Bauchschlagader zu perforieren drohe. "Jeder Tag zählt", sagt Elke ganz leise. Ihre Tränen kann sie nur mühsam zurückhalten.