Die ZDF-Samstagabendshow ,,Wetten, dass ...?" dürfte jedermann in Ebermannstadt ein Begriff sein. Nur wenige aber werden wissen, dass die Technik, mit der zum Abschluss der Sendung der Wettsieger ermittelt wurde, aus ihrer eigenen Stadt stammte.

Das ortsansässige Unternehmen Vierling hat den sogenannten TED für die populäre Unterhaltungsshow mitentwickelt und sich mittlerweile im Bereich der Planung, Entwicklung und Fertigung elektronischer Systeme in verschiedenen Branchen wie der Luftfahrt-, Medizin- oder Umwelttechnik einen Namen gemacht.


Größter Arbeitgeber der Stadt


Vor allem vielen alteingesessenen Einwohnern von Ebermannstadt ist Vierling ein Begriff: Der Konzern, nach Aussage der Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) mit etwa 110 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt, feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen.

Diesem Anlass diente auch ein Vortragsabend, bei dem Peter Kriegl vom Kulturkreis Ebermannstadt über den Firmengründer Oskar Vierling referierte. Im voll besetzten Festsaal des Gasthofs Resengörg führte er in wesentliche Lebensstationen des gebürtigen Oberpfälzers ein, der sich bereits früh im Forschungsfeld der Elektroakustik von Musikinstrumenten einen Namen gemacht hatte.

Im Rahmen seines Studiums, das er als ursprünglicher Nichtakademiker nur mit einer Ausnahmegenehmigung aufnehmen durfte, befasste er sich ab 1929 mit der Hochfrequenztechnik und der Elektroakustik von Musikinstrumenten, vornehmlich am Beispiel von Pianino und Orgel.


Eine neue elektrische Orgel


In den 1930er Jahren entwickelte sich Vierling auf diesem Gebiet immer mehr zu einem Spezialisten: 1935 promovierte er mit einer Arbeit über das elektroakustische Klavier. Bereits zwei Jahre später folgte die Habilitation mit dem Thema ,,Eine neue elektrische Orgel".

1938 erhielt er einen Ruf als Dozent an die Technische Hochschule Hannover. Doch bald darauf verschlug es ihn in die heimatlichen Gefilde: ,,Im Jahr 1941 schuf Oskar Vierling in der Fränkischen Schweiz ein zweites Standbein für seine funktechnischen Versuche: "die heute weitläufig bekannte Burg Feuerstein, die aufgrund ihrer Höhenlage einen idealen Standort für die Errichtung eines zweiten Laboratoriums darstellte", so Peter Kriegl.
Die funktechnischen Versuche mündeten in die Konstruktion eines Elektrochords, eine Art elektrisches Klavier, für das - erstes Exemplar seiner Art - Oskar Vierling 1932 auf der Funkausstellung in Berlin großes Lob erfuhr. Eine von ihm entwickelte Großtonorgel fand unter dem Namen ,,Kraft durch Freude - Großtonorgel" bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin einen publikumswirksamen Einsatz.


Kriegsende bedeutet Zäsur


Am Ende seines Vortrags widmete sich der Referent den von Vierling gebauten Großbeschallungsanlagen. Deren Bedeutung versuchte er am Beispiel einer Wintersonnwendfeier in Nürnberg deutlich zu machen. Dadurch, dass sie das gesprochene Wort über mehrere Kilometer hinweg hörbar machten, machten sich die Nationalsozialisten diese Anlagen bei Großveranstaltungen zunutze.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete eine Zäsur in der Arbeit Oskar Vierlings. Er konzentrierte sich fortan, bis zum endgültigen Ausstieg aus dem Orgelbau 1959, in Zusammenarbeit mit den Klaviermanufakturen Eisenschmid und Weiß auf den Bau elektronischer Orgeln.

Diese besaßen gegenüber den herkömmlichen Instrumenten nicht nur ein geringeres Gewicht sowie temperaturunempfindliche Tongeneratoren. Aufgrund der kürzeren Bauzeit waren zudem auch die Anschaffungskosten erheblich niedriger.


Auch Karajan war Kunde


Derlei Vorzüge ließ nicht nur die Szene der Berufsmusiker aufhorchen. Selbst Meister ihres Faches wie der weltbekannte Dirigent Herbert von Karajan wurden auf Oskar Vierlings Produkte aufmerksam: In den 1950er Jahren bat er Vierling, eine transportable elektronische Orgel für den Neubau des Salzburger Festspielhauses zu bauen.
Die Instrumente wurden zum Kassenschlager: Alleine 18 Exemplare wurden nach Australien geliefert.

Aber auch in heimischen Gefilden fanden die Orgeln ihren Einzug in die Kirchen: Cham, Marktgraitz, Tüchersfeld und auch Ebermannstadt - um nur einige wenige Orte zu nennen, überall waren sie zu finden.

Der "Wetten dass ...?"-TED mag der Vergangenheit angehören - von Oskar Vierlings akustischem Know-how profitieren die Menschen bis in die Gegenwart.