In der sonnendurchfluteten Aula der Adalbert-Stifter-Mittelschule in Forchheim steckt die 18-jährige Mara mitten in einem Albtraum. Ihr Vater spricht mit ihr. Will ihr etwas sagen. Aber der ist doch tot ... Gestorben unter mysteriösen Umständen ... Die rund 100 Schülerinnen und Schüler in der Aula sind mucksmäuschenstill. Man hört nur die klare und laute Stimme von Simone Veenstra, die mal verzweifelt, mal wütend und dann wieder entschlossen das Mädchen Mara lebendig werden und in der Schulaula Gestalt annehmen lässt.
Veenstra liest heute aus ihrem aktuellen Jugendbuch "Du stirbst in meinem Herzen nicht", einem Thriller für Jugendliche. Die Adalbert-Stifter-Mittelschule hat eine KLARTEXT!-Sonderlesung im Rahmen der Forchheimer "Blätterwald"-Literaturtage gewonnen.


Zuhause fühlt sich anders an

Veenstra liest weiter aus ihrem mit bunten Klebezettelchen gespickten Buch. Mara will den mysteriösen Unfalltot ihres Vaters aufklären. Sie spürt, dass da etwas nicht stimmt. Mara lebt in einem kleinen Ort in der Fränkischen Schweiz. So richtig zu Hause fühlt sie sich hier allerdings nicht. Und genau so geht es auch Jonah, dem Neuen in der Klasse, dem sie die fränkischen Gepflogenheiten zu erklären versucht und der ihr eigentlich auch ganz gut gefällt - obwohl sie alles dafür tut, dass er das auf keinen Fall mitbekommt. Kann er ihr vielleicht helfen, hinter die dunklen Geheimnisse zu kommen, über die die Dorfgemeinschaft so konsequent schweigt?


Eine Kindheit in Reuth

Ein lautes Raunen geht durch die Aula, als Simone Veenstra den Schülern verrät, dass sie selbst in Forchheim aufgewachsen ist: "Es steckt schon viel von mir in Mara. Meine Eltern sind mit mir hierhergezogen, da war ich acht. Und ich kam in Forchheim-Reuth in die Schule und habe am Anfang kein einziges Wort verstanden - ähnlich, wie es im Roman passiert." Und es gibt weitere Parallelen zwischen Veenstras Biografie und der ihrer Romanfiguren: "Auch die Verbindung von Mara und ihrer besten Freundin Sanna im Buch gibt es bei mir: Auch ich habe eine Sanna im echten Leben. Und wie im Buch, hatte auch ich als Kind eine Mitschülerin, die am Anfang alles Fränkische für mich übersetzt hat."


Schauplatz Druidenhain

Auch die märchenhaft-raue Landschaft ihrer Kindheit und Jugend hat Veenstra kunstvoll in "Du stirbst in meinem Herzen nicht" eingewebt: Sie macht den Druidenhain, eine mysteriöse "Wolfshöhle" und alte Felsenkeller zu Schauplätzen der Handlung. "Und heute hier in Forchheim vor Schülern zu lesen, ist schon etwas sehr, sehr Besonderes für mich, genau wie am Dienstag in Ebermannstadt, weil ich beide Städte und das, was drum herum ist, im Buch verarbeitet habe." Einige ortskundige, junge Zuhörer ihrer Lesungen hätten eifrig gerätselt, welche echte Höhle wohl das Vorbild für die "Wolfshöhle" sein könnte. "Dieses Raten macht es natürlich viel lustiger, als wenn man in einer Schule in Leipzig liest", sagt die Autorin lachend. Sie selbst hat am Ehrenbürg-Gymnasium ihr Abitur gemacht und anschließend unter anderem in Erlangen Film-, Theater- und Literaturwissenschaft studiert.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet die 1971 in Hanau geborene Veenstra als Drehbuchautorin und Journalistin. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie für "Du stirbst in meinem Herzen nicht" wochenlang intensiv Land und Leute rund um Forchheim studiert hat. "Ich habe zum Beispiel den Chef eines örtlichen Busunternehmens interviewt, der mir wichtige Informationen für die Handlung gegeben hat."


"Ich komme gern zurück"

Und sie hat auch viel Zeit mit ihren Eltern, die hier leben, verbracht. "Mein Vater meinte ganz oft: ,Das und das musst du unbedingt noch mit reinbringen‘", die sympathische Frau mit den hochgesteckten, braunen Haaren und der schwarzen Hornbrille lacht auf. "Und jetzt erzählt er ganz stolz: ,Das hat sie von mir!‘"


Ein Forchheimer Lehrer hat sie besonders geprägt

Wie wichtig Unterstützer sind, hat Simone Veenstra schon als Schülerin am Ehrenbürg-Gymnasium erlebt: "Ich hatte einen Lehrer in dem Kurs Dramatisches Gestalten, den Herrn Palt, der mich sehr gefördert hat", verrät sie. "Das ist auch eine Parallele zum Buch: Wie Mara habe ich das Abschluss-Theaterstück für unseren Jahrgang geschrieben, das wir auch aufgeführt haben. Ich glaube, hätte er mir nicht diesen Raum gegeben, hätte ich sicherlich nicht so viel Selbstvertrauen auf diesem Gebiet entwickelt und das auch nie studiert." Diese Unterstützung gibt Veenstra heute selbst: Mit dem Goethe-Institut und einer Kollegin hilft sie in einem "Kreativ-Lab" jugendlichen Autoren dabei, eigene Geschichten zu entwickeln. "Da kommen ganz tolle Comics, Filme, Theaterstücke heraus."


Jeder darf das Ende erfahren - aber bitte beeilen!

Am Ende der Lesung hat Schulleiterin Cordula Haderlein noch eine Überraschung für ihre Schüler: "Ihr habt ja einiges für Bücher übrig, das zeigen die Ausleihzahlen in unserer Schulbibliothek. Und deshalb werden wir auch ein Exemplar von ,Du stirbst in meinen Herzen nicht‘ zur Ausleihe zur Verfügung stellen. Allerdings", sie macht eine Pause, "darf jeder das Buch höchstens eine Woche lang ausleihen, weil wir alle wissen wollen, wie diese spannende Geschichte zu Ende geht!"