Bei der Dorferneuerung werden die Ortschaften nicht einfach nur herausgeputzt und aufgehübscht. Sie sollen auch gleich fit für die Zukunft gemacht werden. Schließlich sollen sich die Menschen, die hier leben, dort auch in Zukunft wohlfühlen und ihre Heimat finden. Dieser Überzeugung ist jedenfalls Diplom-Ingenieur Hans Rainer Albart vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken.

Vor mehr als einem Jahr haben die Drügendorfer mit den Vorarbeiten zu ihrer Dorferneuerung begonnen. 20 von ihnen fuhren gemeinsam mit Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) nach Klosterlangheim und besuchten dort die Schule für Dorf- und Flurentwicklung.


Ein Leitbild

Jetzt, da die Vorbereitungsphase abgeschlossen ist, stellten die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Ideen und Visionen vor. Das Schützenhaus in Drügendorf erwies sich fast als zu klein für alle, die sich für die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und den weiteren Fortgang der Dorferneuerung interessierten.

Unter dem Leitbild "Hier begegne ich Menschen, hier bin ich daheim. Drügendorf: Ein Ort mit Perspektive" wünschen sich die Drügendorfer, dass sich alle Besucher bereits am Ortseingang willkommen fühlen. Sie wünschen sich, dass die Gehwege und die grüne Dorfstraße zum Flanieren und Treffen einladen, dass die Menschen aktiv in ihrem Dorf leben und Feste feiern. Uns sie wünschen sich ein autarkes Energienetz, dass das Dorf mit Wärme aus regenerativen Brennstoffen versorgt.

Aus den Traditionen und Werten der Vergangenheit soll die Zukunft gestaltet werden - auch das wünschen sich alle an den Vorarbeiten beteiligten Drügendorfer, "Man muss einfach mit offenen Augen durch den Ort gehen und sieht, wie viele Ecken schon toll gestaltet sind", erklärte Matthias Thiem vom Arbeitskreis "Gestalterisches."
Jetzt gelte es, ein Gesamtkonzept zu entwerfen. Aus 29 Einzelthemen wählten die Sprecher der Arbeitskreise vier aus, die sie an diesem Abend den vorstellten: die Dorfstraße, den Dorfplatz, den oberen Brunnen und die Bachläufe. Immerhin gibt es in Drügendorf mit Dorfbach, Mühlbach und Eggerbach gleich drei Bäche. Vom Dorfbach ist nur wenig zu sehen, er fließt bisher eingehaust unter dem Gehweg neben der Straße. Hier weisen nur die eisernen Ringe in den Betonplatten darauf hin, dass sich unter ihnen ein Bachlauf versteckt.


38 Haushalte

Zwischen der Bushaltestelle und dem Gasthof Kohlmann soll künftig ein zentraler Platz als Dorfplatz entstehen, an dem sich die Drügendorfer informieren, treffen und austauschen können. Vielleicht wäre dort auch ein günstiger Standort für ein Dorffest.

Dass die Gespräche mit den Eigentümern der Grundstücke bereits laufen, bestätigte Bürgermeister Schwarzmann. Der obere Brunnen soll aufgepflastert und begrünt werden, die Bachläufe sollen zum Teil wieder geöffnet werden und die fehlenden oder maroden Geländer sollen ersetzt werden. Für die Versorgung von Nahwärme durch ein Hackschnitzelheizwerk in Drügendorf interessieren sich bisher 38 Haushalte, das ist über ein Drittel der vorhandenen Haushalte und 19 Privatpersonen wollen Gebäude, Fassaden, Hoffflächen und Gärten mit Hilfe der Dorferneuerung sanieren und gestalten.

Wie es mit der Dorferneuerung in Drügendorf weitergehen soll, verriet Dipl.-Ing. Wolfgang Kießling. Er ist Abteilungsleiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) in Oberfranken. Damit das Amt die Dorferneuerung befürwortet, müssten drei Kriterien positiv beantwortet werden: Erstens: Gibt es einen Bedarf? Dieser sei in Drügendorf vorhanden. Zweitens: Machen die Menschen mit? Die Dorfgemeinschaft sei aktiv, bringe sich ein und wolle die Dorferneuerung durchführen. Drittens: Kann das ALE das Projekt stemmen?

Dazu gehöre, dass Grund und Boden das Eigentum der Gemeinde sei, erläuterte Kießling: "Auf privatem Eigentum werden keine öffentlichen Maßnahmen gefördert." Außerdem muss das ALE von der bayerischen Regierung und der EU die nötigen Mittel bekommen, damit die Dorferneuerung gefördert werden kann.
"In der Tendenz wird das ALE weniger Mittel zur Verfügung haben", bremste Kießling zu hohe Erwartungen. Man müsse vielleicht den Ablauf zeitlich etwas strecken. Außerdem muss die Gemeinde die Maßnahmen kofinanzieren.