Selbst nachts um 1 dröhnt noch ein Mähdrescher am Ortsrand von Schlaifhausen über die Felder. Doch was ein Anwohner als Unzumutbarkeit empfindet, ist für die Bauern Notwendigkeit. Sie dreschen um ihre Existenz. Denn der immer wiederkehrende Regen sitzt ihnen im Nacken. Ernteausfälle drohen, wenn das Getreide nicht trocken eingebracht wird.

Wo liegen die Grenzen der Zumutbarkeit für nachtschlafende Bürger? Das wollte der FT vom Amt für Landwirtschaft wissen. Grundsätzlich gelte das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme, erklärt die Pressesprecherin des Amts für Ernährung und Landwirtschaft Bamberg, Kirstin Pfaller.

Appell an das Verständnis


Bei der Abwägung zwischen dem Gebot der Rücksichtnahme gegenüber der Nachbarschaft einerseits und der Notwendigkeit von Erntearbeiten andererseits, verweist sie auf die derzeitigen Wetterkapriolen.
" Wenn's mal trocken ist, und die Gunst der Stunde da ist, dann müssen und dürfen die Landwirte auch nachts arbeiten um Ernteausfälle zu vermeiden". Kirstin Pfaller appelliert an das Verständnis der Anwohner.

Hochkonjunktur für Lohndrescher


Für den Lohnunternehmer Edmund Heid aus Dobenreuth, der drei Mähdrescher betreibt, ist die Auftragslage gut. "Weil jeder Landwirt drankommen möchte". Momentan könnte er zehn Mähdrescher einsetzen, betont Heid. Auch er habe schon Beschwerden von Anwohnern erlebt, die sogar zur Polizei gegangen seien, gibt er zu. Aber dies seien Ausnahmen. "Man versucht ja, nachts möglichst weit abseits vom Dorf zu arbeiten und geht weiter in die Flur", betont der Lohndrescher.

Der Pflanzenbauberater Anton Weig erklärt die Problematik auf den Feldern: "Die Landwirte stehen in der Situation, dass es schon durch die Frostperiode Auswinterungsschäden gegeben hat. Dann folgte ein Frühjahr mit großer Trockenheit und jetzt wird die Erntetätigkeit durch immer wiederkehrende Regenfälle eingeschränkt". Zum einen müsse der Landwirt wegen der Bodenverdichtung durch die schweren Maschinen warten bis es trocken ist. Zum anderen könne man feuchtes Getreide nicht so einfach lagern. Es müsste mit großem Energieaufwand getrocknet werden, was man vermeiden wolle.

Anton Weig betont: "Wenn der Landwirt vor einer drohenden Regenperiode steht, muss er Tag und Nacht dreschen, um die Ernte sicher rein zu bringen". Die Bauern hätten viel in ihren Boden investiert, "jetzt müssen sie ihren Lohn einfahren", wirbt der Pflanzenbauberater um Verständnis. Denn die Qualität der Gerste werde immer schlechter, je länger sie stehe und auch der Raps müsse in manchen Lagen weg. Retten, was zu retten ist, heißt die Parole.