Trotz Regen lockte die erste Fahrt des historischen Zuges in diesem Jahr rund 1000 Eisenbahnfans nach Ebermannstadt. Große und kleine Passagiere zeigten sich begeistert, auch wenn es durch Zwischenfälle zu einer leichten Verspätung kam. Strecke, Waggons und Lokomotiven sind im Vorfeld akribisch überprüft worden.

Vom 1. Mai bis zum 25. Oktober stampft und schnauft sie wieder durch die fränkische Schweiz - die historische Dampfbahn. Sonn- und feiertags pendelt die Bahn auf der 16 Kilometer langen Strecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle. Am Freitag wurde sowohl das Dampfross ELNA 6 aus dem Jahre 1930 als auch die Diesellok V36 aus dem Winterschlaf geweckt.

Circa 1000 Passagiere aller Altersklassen hatten es sich in den "Donnerbüchsen" genannten Personenwagen gemütlich gemacht und ließen sich bei kühlem, regnerischem Wetter durch das Wiesenttal chauffieren. Dabei konnten sie die leuchtend grüne Landschaft, vereinzelte Kajakfahrer und winkende Wandergruppen beobachten.

Wer hat die Notbremse gezogen?

Nach den beiden planmäßig verlaufenen Touren der Dampfbahn verzögerte sich zunächst die Abfahrt der Diesellok aus Ebermannstadt. Die Lokomotive schien zu streiken. Eine Viertelstunde lang herrschte Ratlosigkeit, bis das Problem entdeckt wurde: Ein Unbekannter hatte die Notbremse im stehenden Zug betätigt.

In Streitberg kam es zu einem weiteren Zwischenfall: An Bord des Zuges befanden sich Mitglieder eines Vereins für historische Militärfahrzeuge, an deren altmodischen Uniformen und angeblich politisch fragwürdigen Äußerungen eine Gruppe junger Männer Anstoß nahm und die Polizei informierte. Nachdem die herbeigerufenen Beamten die Personalien aufgenommen und die beiden Parteien in separate Abteile verwiesen hatte, konnte die Fahrt fortgesetzt werden. "So etwas haben wir auch noch nicht erlebt. Das kann aber vorkommen und dämpft keinesfalls die Freude auf die kommende Saison. Ich wünsche mir ähnlich gute Fahrgastzahlen wie im letzten Jahr und natürlich eine unfallfreie Fahrt", erklärt der Vorstandsvorsitzende Siegfried Fuchs. Seit 1977 ist der passionierte Eisenbahner im Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) und konnte sich 2014 über 30 000 Passagiere freuen.

Waggons und Strecke geprüft

Alfred Dorn ist pensionierter Professor für Biowissenschaften und eines von über 400 Mitgliedern im 1974 gegründeten Verein. Vor dem Start der Museumsbahn-Saison hat er zusammen mit anderen Ehrenamtlichen die Fahrzeugtechnik überprüft.

"Man darf nichts dagegen haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Eine Woche lang wurde unter anderem die gesamte Elektrik, das Pressluftbremssystem sowie die Radreifenstärke überprüft", berichtet der begeisterte Hobby-Schaffner. Auch die Strecke und die Waggons wurden genauestens inspiziert.

Das Wissen dafür haben sich die Mitglieder im Laufe der Jahre selbst angeeignet. Viele von ihnen sind Ingenieure, Handwerker oder technikaffine Lokomotiven-Fans.

Schritttempo in Behringersmühle

Man habe allerdings auch mit Widrigkeiten zu kämpfen, erzählt Dorn weiter: "Das Eisenbahnbundesamt verschärft die Auflagen jedes Jahr. Der Bahnhof Beringersmühle darf jetzt aus Sicherheitsgründen nur noch in Schrittgeschwindigkeit angefahren werden. Der Bahnsteig wurde als uneben und somit als potenzielle Gefahr eingestuft. Eine Sanierung wäre sehr kostspielig."

Jonathan Andre ist ebenso als Schaffner im Dienst. "Neben den privaten Sonderfahrten anlässlich Hochzeiten, Geburtstagen oder Firmenveranstaltungen stehen in diesem Jahr wieder zahlreiche Extratermine an. "Am 12. Juli findet beispielsweise das Bahnhofsfest in Ebermannstadt statt, bei dem auch Oldtimer der Straße zugegen sein werden", kündigte der Student des Wirtschaftsingenieurwesens an. Am 4. Oktober fährt die Bahn außerdem zum Erntedank-Festumzug nach Muggendorf. Im Winter wird es wieder Nikolausfahrten geben. Nach dem vielversprechenden Start in die Dampfbahn-Saison geht es also erst richtig los.