Wenn Eberhard Hofmann seine Steirische auspackt, beginnt für ihn ein anderes Leben. Dann wird er zum Volksmusiker. Und das nun schon seit mehr als 35 Jahren. Der Erlanger ist als Arbeitskreisleiter Volksmusik eine der großen kulturellen Stützen des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV).
Dass und warum das so ist, haben die Besucher jetzt beim Wirtshaussingen im Gasthof Schäfer herausfinden können. Ohne die Unterstützung seiner Ehefrau Monika wäre Hofmann gleichwohl nicht das, was er ist. Schon bevor es richtig losging, erwiesen sich die beiden als ein perfekt eingespieltes Team. Während er seine beiden Steirischen auspackte und liebevoll drapierte, sortiert sie die mitgebrachten Kopien mit gängigen Volksliedern.

Nach Tischen und Liedern sortiert, ergab das unterschiedlich dicke Stapel, die Monika Hofmann Lied für Lied verteilte. Derweil präsentierte Eberhard Hofmann das nächste Stück, spielte es an und erklärte dessen Herkunft und Bedeutung. Insgesamt 15 Mal geschah das an dem Abend. Nach drei Liedern legten die zwei jeweils eine kurze Pause ein: "zum Tratschen". Mit dem Auftaktlied "Horch, was kommt von draußen rein" und anderen populären Lieder fand Hofmann einen direkten Zugang zu den musikalischen Gefühlen seiner Gäste.

Melancholie und leiser Spott

Schon nach wenigen Takten Musik blickte er nur noch in entspannt lächelnde Gesichter, die sich in den Texten und Noten der Liedblätter vertieften und aus voller Brust einstimmten in den Gesang.
Da es sich bei den Volksliedern durchwegs um ältere Stücke handelt, wurden bei vielen Besuchern automatisch Erinnerung an frühere Zeiten wach. Manch einer wurde darüber wehmütig und melancholisch: "Zu meiner Zeit war man stets darauf bedacht, eine Partnerin zum Tanzen und ‚Schwofen‘ zu finden. Heutzutage zuckt jeder alleine vor sich hin", sagte beispielsweise Christl Meier. Andere Lieder handelten von Kriegszeiten und den verlorenen Söhnen, wieder andere von Reisen in fremde Länder.

Apropos Reisen: Eberhard Hofmann definiert ein Volkslied so: "Das ist ein Lied, das irgendwo herkommt und sich da niederlässt, wo es gesungen und damit beachtet wird."
Rund 70 Menschen war an an diesem Abend zu seinem Konzert gekommen. Darunter batürlich Egloffsteiner, aber auch und Gäste, die hier ihren Urlaub verbringen. Anhänger von Eberhard waren aus Waischenfeld, aus Melkendorf und sogar aus Nürnberg angereist. Der vielleicht prominenteste Besucher war Albrecht Freiherr von und zu Egloffstein, der als Schirmherr des 24. Heimattags, zu dem diese Veranstaltung zählt, gerne gekommen war und auch fleißig mitsang.
Christian Meier, Chef der hiesigen FSV-Ortsgruppe und damit Hausherr der Veranstaltung, moderierte den Abend und sang mit seinen "Egloffsteiner Burgspatzen" in voller Trachtenmontur ohne Vorankündigung ebenfalls einige bekannte Wirtshauslieder.

Kaum einer geht nach Hause

Nachdem das offizielle Programm zu Ende war, begann das sogenannte "wilde Singen". Es bildeten sich kleine Grüppchen, die nun ihre eigenen Favoriten zum Besten gaben.
Lilo Meier hatte zu diesem Anlass extra das Volksmusik-Singheft des Bezirks Oberfranken mitgebracht. Im Nu kam neue Stimmung auf bei Stücken wie "Lily Marleen", "Kein schöner Land", dem Victor-von Scheffel-Lied und auch dem Oberfrankenlied.
So zog sich das Wirtshaussingen bis tief in die Nacht.