Der ganze Landkreis bibbert. Da wächst die Sehnsucht nach Wärme, nach dem "sonnigen Süden". "Ich glaube aber nicht, dass die Leute wegen der aktuellen Minustemperaturen mehr Urlaubsreisen buchen" erklärt Erika Perlau, Mitarbeiterin des Reisebüros Stöcklein-Herrmann.

"Januar und Februar sind die klassischen Urlaubs-Buchungsmonate" bestätigt Daniela Sandner-Dintsios, Geschäftsführerin von Union-Tours aus Forchheim. Bislang kam noch keiner, der Strom- oder Heizkosten sparen wollte und das Geld lieber in eine Urlaubsreise investiert hätte" bedauert die Reise-Expertin.

Familien buchten vor allem Ziele in der Türkei, in Spanien und in der Karibik. "Bewährte Ziele" urteilt Ursual Mäx, vom gleichnamigen Reisebüro in Forchheim. Die Kunden bevorzugten "sichere Reiseländer" wie Thailand, wo momentan hochsommerliche Temperaturen um die 30 Grad zum Baden einladen, Spanien oder Tunesien. Auch der Oman und Vietnam seien zunehmend auf dem Vormarsch. Ebenso erfreue sich der asiatische Raum zunehmender Beliebtheit. "In der vergangenen Woche haben wir vier Reisen nach Taschkent und in die ehemaligen russischen Staaten verkauft", erzählt Dorothea Sandner-Dintsios.

"Schmetterling-Reisen" aus Geschwand bestätigt: "Die meisten Buchungen dieses Jahres verzeichnen weiterhin die Klasiker Türkei, Spanien und Italien, aber auch Kreuzfahrten werden ungebremst weiterhin gebucht." Auch für Ziele in Nordamerika sei eine steigende Tendenz zu verzeichnen" informiert Kathrin Grüner, Bereichsleiterin Marketing bei dem Geschwander Familienunternehmen.

Tourismus-Marketing


Als "Edeka-Markt des Reisens" bezeichnet Firmenchef Willy Müller sein 1974 gegründetes Touristik-Unternehmen, das mittlerweile 460 Mitarbeiter beschäftigt. Führend ist "Schmetterling" Reisen vor allem im Tourismus-Marketing, So hat das Unternehmen das gesamte touristische Angebot des Landes Sachsen-Anhalt auf einer zentralen Datenbank zusammengefasst. Unter dem Namen Schmetterling Bombyx" können Kunden alle touristischen Angebote nicht nur einsehen, sondern direkt am PC buchen.

"Wir sind ein Vollsortimen-ter" erklärt Schmetterling-Bereichsleiterin Kathrin Grüner. Will heißen: Über das Geschwander Unternehmen und die hauseigenen Reisebüros kann jeder Urlaubsreisende auch Angebote der ganz großen Reiseveranstalter wie FTI, TUI und Neckermann buchen. "90 Prozent der Urlaubsbuchungen werden in Reisebüros getätigt", informiert Kathrin Grüner.

Das gilt aber nicht für das Inlandsangebot. Hier läuft der Großteil über den Direkt vertrieb. Die Beherbergungsbetrie-be umsorgen ihre Gaste direkt. Der Nachteil: Der Kunde hat nur ein Angebot, muss sich auf der Suche nach einem passenden Quartier durch Dutzende von Hausprospekte quälen.

Diese Leistungen "bündelt" das für den Urlaubsgast völlig kostenfreie Buchungssystem Bombyx. Das könnten Mitbewerber nur eingeschränkt, verkündet Schmetterling-Reisen. Die große Media-Datenbank des Geschwander Unternehmens listet als einzige auch Ferienhäuser auf. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter der Reisebüros viele Angebote im Deutschland-Tourismus gar nicht kennen.

Virtuell verfügbar machen


Das soll sich mit Bombyx ändern.Über diese web-basierte Plattform können Gastronomen und Hoteliers, aber auch Kommunen ihr Angebot virtuell verfügbar machen. Der Vorteil gegenüber der Konkurrenz liegt in der wesentlich umfangreicheren Technik, verdeutlicht Kathrin Grüner. Sie animiert dazu, dass der Kunde seine Buchung online fest macht. Erst dann werden Provisionsgebühren seitens des Beherbergungsbetriebes fällig. Dieses System soll in den nächsten fünf Jahren bundesweit eingeführt werden. Das Interesse seitens der Fremdenverkehrs verbände und der Kommunen sei groß, zeigt sich Kathrin Grüner optimistisch. Positiv reagierten auch die Hoteliers. "Ich habe noch keinen getroffen, dessen haus zu hundert Prozent ausgebucht war", erklärt Grüner.

Es ist fünf vor zwölf


Für Georg Hötzelein, Chef des Hotel und Gaststättenverbandes im Landkreis führt an so einem Buchungssystem kein Weg vorbei. "Es ist fünf vor zwölf." Deshalb habe Sandra Schneider, die neue Leiterin der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz dieses Thema auf der Agenda.

Auch Heinrich Schmitt, Vizechef des Hotel und Gaststättenverbandes im Kreis hält ein Buchungssystem für unabdingbar. Allerdings: "Es muss gewährleistet sein, dass da für jeden Gastronomen auch was rüber kommt", stellt Schmitt klar. Deshalb plädiert er dafür, Vor und Nachteile der einzelnen Systeme kritisch zu hinterfragen. Entscheidend sei, wie das Portal gepflegt wird und was es leistet. Diese Fragen könnten aber nicht pauschal beantwortet werden. Das müsse jeder Gastonom für sich entscheiden.