Die Landeskirchen haben unlängst an alle Gemeinden ein Schreiben geschickt. Darin steht geschrieben, dass ab diesem Jahr die Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer direkt von Banken, Versicherungen oder Wohnungsbaugenossenschaften abgeführt wird. "Dass die Leute nicht aus Unkenntnis austreten, ist das Ziel", sagt Dekan Günther Werner.

Denn durch die Steuerabgabe war schon ein Anstieg an Kirchenaustritten feststellbar. "Sonst treten junge Leute aus der Kirche aus. Bei dieser Welle waren eher ältere Leute dabei", informiert der Dekan des evangelischen Dekanats Forchheim.

Automatische Erhebung

Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge oberhalb des Steuerfreibetrages von 801 Euro bei Ledigen oder 1602 Euro bei Verheirateten gibt es schon lange. Kapitalerträge waren schon früher als Einkommen in der Steuererklärung anzugeben und zu versteuern, inklusive Kirchensteuerzuschlag. Neu ist lediglich, dass die Erhebung automatisch geschieht.

Trotzdem bleiben die Kirchenaustritte ein Stadtproblem, wie der Dekan informiert. 78 Austritte sind im Jahr 2013 und 118 im Jahr 2014 im gesamten Dekanat verzeichnet worden. "Immer sind 80 Prozent bis 85 Prozent davon Kirchenaustritte aus der Stadt Forchheim", nennt Günther Werner statistische Zahlen.

Den Grund für die jährlichen Kirchenaustritte der jüngeren Generation sieht er in der Fluktuation, aus dem Berufsleben oder dem Studium heraus entwickelt. "Die Menschen leben oft nicht mehr in der Stadt, in der sie getauft oder konfirmiert worden sind. An dem neuen Heimatort fehlt die Verbindung zur Kirche", sagt der Dekan.
Im Grunde treten die Leute nicht aus der Kirche, sondern aus der Steuer aus. Als Lösung könnte sich der Dekan ein Modell vorstellen, wie es in Italien bereits Praxis sei. "Man sollte versuchen, die Kirchensteuer von der Mitgliedschaft zu trennen. In Italien bezahlen die Menschen eine Sozialsteuer und können angeben, wer das Geld bekommen soll", meint Dekan Werner. Bezahlen müssten diese Sozialsteuer aber alle Bürger.

Nicht gerade attraktiv

Monsignore Georg Holzschuh, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Sankt Martin in Forchheim, regt ebenfalls an, über die Kultur- und Sozialsteuer nach italienischem Modell nachzudenken. Und auch in der katholischen Kirche sind die Austritte älterer Menschen auffällig. "Die haben wahrscheinlich Kapital", mutmaßt der Regionaldekan.

Die Kirche zeige sich zudem gerade in Deutschland nicht sehr attraktiv. Beispielsweise würden Bischöfe in den Medien eher negativ dargestellt. "Man lebt ohne Kirche genauso gut", sagt Monsignore Holzschuh. Glaube und Spiritualität würden sich immer mehr aus dem allgemeinen Bewusstsein entfernen.

Auch die Wirkung des Papstes, den sogenannten "Franziskus-Effekt", sieht er nicht nach Deutschland durchschlagen. Denn da gehe es ebenfalls um Armut und Teilen: "Die Leute treten ja wegen des Geldes aus." Anders sei das bei den Kindern: Diese hätten noch Hunger nach Gott und dem Spirituellen. Kleinkindergottesdienste und Kommunionvorbereitungen seien derzeit gut besucht, hier könne die Kirche investieren.
Ansonsten würde sich die Kirche gerade wandeln - ein Umdenken sei dringend nötig. "In der ganzen Diözese Bamberg hatten wir bisher knapp über 3000 Austritte im Jahr - jetzt sind es weit mehr als 4000. Das entspricht einer mittelgroßen Pfarrei", erklärt der Pfarrer.

"Mir bringt das nichts"

In Forchheim sind im vergangenen Jahr 33 Katholiken ausgetreten, 2013 waren es 23 und 2012 nur neun. "Wenn sich nicht der Franziskus-Gedanke der Liebe in den Herzen festigt, dann wird die bisherige Volkskirche verschwinden", sagt Monsignore Georg Holzschuh.
"Ich bin Christ und ich bin vom Glauben überzeugt", erklärt Gerhard Arzt, Katholik aus Oberehrenbach. Gemeinsam mit den Vereinen hat er sogar dabei geholfen, eine Schule zur Kirche umzubauen. "Die Kirche tut mit ihren Geldern so viel Gutes, da zahle ich natürlich meinen Beitrag", sagt Arzt.
Ihn interessiere nicht, was andere denken; für ihn ist das eine Frage des Glaubens: "Und wenn es darauf ankam, war die Kirche immer für ihre Leute da."

Anders sieht das Stefan Taubert. Er ist vor Kurzem aus der evangelischen Kirche ausgetreten: "Ich habe mich nicht mehr damit identifiziert, mir bringt das persönlich nichts." Für arbeitsrechtlich bedenklich hält er, dass zum Beispiel auch eine Reinigungskraft, die in einer kirchlichen Institution arbeitet, dieser angehören muss. "Für mich ist das Diskriminierung." Außerdem glaube er nicht an einen Gott, der von christlichen Predigern repräsentiert wird.Die Kirchensteuer sei dagegen kein primärer Grund gewesen.