Die Kathi aus Heckenhof war etwas Besonderes. Sie war unter anderem eine, die schon mit 25 Jahren ein motorisiertes Fahrrad hatte. Heute haben ja viele Menschen so etwas, E-Bike wird es genannt. Kathi aus Heckenhof besaß schon im Jahr 1934 so etwas wie ein E-Bike.
Zeitgenossen erinnerten sich daran, wie sie von Heckenhof nach Aufseß zum Einkaufen fuhr. Sah sie spielende Kinder auf der Straße, benutzte sie ihre Ballon-Hupe und rief: "Bä hü, bä hü! Kinderle geht auf Seite, die Kathi kommt."

Ein Herz für die Biker

Am 10. Oktober 1993 ist Kathi Meyer gestorben. Sie war Zeit ihres Lebens ein fortschrittlich eingestellter Mensch und ein begeisterter Motorrad-Fan noch dazu. Nach ihrer bestandener Gesellenprüfung im Brauerhandwerk kaufte sie ihr erstes und einziges Rad. Damit sie zum Einkaufen nach Aufseß und zurück nach Heckenhof den Heckenhofer Berg hoch nicht laufen musste, erwarb sie das Fahrrad mit Motor.
Das Fahrrad mit auf dem Gepäckträger montierten Einzylinder ILO-Motor war eine seltene Konstruktion des August Stukenbrok, der zwischen 1888 und 1932 unter dem Namen "Deutschland-Fahrrad" einen lebhaften Versandhandel mit Fahrrädern betrieb.
Jahrzehntelang schlummerte das Fahrzeug auf dem Dachboden des Gasthauses der "Kathi-Bräu" in Heckenhof, bis der heutige Betreiber Josef Schmitt dem Drängen von Franz Hartmann nachgab, und die inzwischen stark mitgenommene Maschine vom Dachboden holte.

45 Stunden Arbeit

Das begeisterte den Monteur Franz Hartmann aus Wüstenstein. Er ist es auch, der die Maschine in über 270 Einzelteile zerlegte und wieder in einen guten Zustand gebracht hat. Rund 45 Stunden hat er dafür gebraucht.
Schon in den 70er-Jahren waren Heckenhof dank "der Kathi" weit über die fränkische Grenzen hinaus als Biker-Treffpunkt bekannt und beliebt.
Josef Schmitt, der seit vielen Jahrzehnten das Kathi-Bier braut, erinnert sich: "Die Kathi hatte halt ein Herz für die Motorradfahrer. Sie hat sich mit ihnen unterhalten, und das gefiel den Bikern." Ihr Fahrrad mit Hilfsmotor hat eine Leistung von rund zwei PS mit 60 Kubikmeter Hubraum. Es wiegt mit Zubehör etwa 13 Kilogramm. Der Brennstoffverbrauch liegt bei rund 1,8 Liter auf 100 Kilometer. Die Bedienung des Motors erfolgt durch den Kupplungs- und den Gashebel.
Hartmann selbst hat sich ein wenig gewundert, dass sich sämtliche Schrauben nach der Reinigung wieder verwenden ließen. "Der hintere Reifen war kaputt", sagte er. Er hatte aber einen Ersatz dafür wie auch für das Lampenglas im Scheinwerfer.