Dem Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld ist ein Poesiealbum geschenkt worden, in dem sich ein Eintrag und ein Brief der unvergessenen Hamburger Volksschauspielerin, Autorin und Sängerin Helga Feddersen befindet. Der Eintrag im Poesiealbum und der Brief zeugen davon, dass Helga Feddersen im Jahre 1945 im Kinderlandverschickungslager in Doos bei Waischenfeld untergebracht war. Sie war damals 15 Jahre alt.
Ruhm und Prominenz erlangte Helga Feddersen in ihrer Rolle Klothilde in Rainer Werner Fassbinders Spielfilm "Buddenbrooks" nach dem Roman von Thomas Mann. Im Hamburger Ohnsorg-Theater spielte sie unter anderem an der Seite von Heidi Kabel.

1975 wurde Helga Feddersen durch ihre Rolle als Else Tetzlaff in Wolfgang Menges Fernsehserie "Ein Herz und eine Seele" mit Heinz Schubert, dem deutschen Fernsehpublikum bekannt, moderierte mit Frank Zander die "Plattenküche", war häufig Comedypartnerin von Dieter Hallervorden und spielte in zahlreichen Spielfilmen und Fernsehserien, zuletzt in der Serie "Großstadtrevier".


1990 in Hamburg gestorben

Helga Feddersen wurde am 14. März 1930 als Tochter eines Kaufmanns für Seemannsausrüstungen in Hamburg geboren.
Am 24. November 1990 starb sie in einem Hamburger Krankenhaus an einem Leberkrebsleiden. Ihre Urne wurde auf dem Steigfriedhof in Stuttgart-Bad Cannstadt, der Heimatstadt ihres zweiten Mannes, dem Schauspieler und Sänger Olli Maier, beigesetzt. Helga Feddersens handschriftlicher Eintrag mit eigenhändiger Unterschrift in dem Poesiealbum, das nun dem Fränkische-Schweiz-Museum gehört, ist ein Gedicht und lautet: "Stürmt der See und tobt der Wind, und flammt der Blitze Feuer, so denke wie des Schiffers Kind: ,Mein Vater sitzt am Steuer' ! Helga Feddersen - Doos, den 24. Mai 1945."


Beliebtes Gasthaus

Kurz vor ihrer Heimfahrt nach Hamburg schrieb Helga Feddersen in Doos am 7. Juli 1945 einen Brief, den sie mit den Worten "Zum lieben Gedenken!" überschrieben hat und der sich ebenfalls in dem Poesiealbum fand.
Unten auf diesem Brief ist ein Schwarz-Weiß-Foto von Helga Feddersen als Jugendliche abgebildet. Der Text des Briefes lautet: "Nimmst du dann in späteren Tagen dieses Blatt einmal zur Hand, wirst du dir im Stillen sagen: ,Ja, die hab ich auch gekannt!' Und es ziehn durch deinen Sinn, all die lieben Erinnerungen hin. Alles was dich traurig und glücklich gemacht, als du noch in Doos deine Tage verbracht! Doos, am 7. Juli 1945, kurz vor der Heimfahrt. Deine Fedder."

Bis 1993 war Doos ein beliebtes Gasthaus mit Fremdenzimmern. Dann übernahm es der Deutsche Orden und baute es zu einer soziotherapeutischen Einrichtung für chronisch alkohol- und medikamentenabhängige Männer und Frauen um. Ein Gasthaus in Doos gab es vermutlich schon seit 1829. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges veränderte sich jedoch alles. Die Gäste blieben aus und 1940 bis 1941 wurde das Gasthaus in Doos mit 92 Aussiedlern belegt.

Nach deren Wegzug wurde Doos zum Kinderlandverschickungslager, in dem zeitweise über 100 Jugendliche, die meisten aus Hamburg, untergebracht waren. Eines dieser Kinder, die im Kinderlandverschickungslager Doos einen Teil ihrer Jugendzeit verbracht haben, war auch die später zu Berühmtheit gelangte Volksschauspielerin Helga Feddersen. Für den Museumsleiter des Fränkische-Schweiz-Museums, Rainer Hofmann, sind das Poesiealbum und der Brief besonders wertvolle neue Exponate.


Berühmte Schriftsteller

Als nicht minder wertvoll bewertet Hofmann zwei Gästebücher der Pulvermühle, die das Museum von der Familie Bezold bekam.
In dem älteren der beiden Gästebucher finden sämtliche Unterschriften jener Schriftsteller, die dort beim Treffen der berühmten Gruppe 47 teilgenommen haben. Am 8. Oktober 1967 schrieb der spätere Literaturnobelpreisträger Günter Grass unter dem Eintrag von Gruppe-47-Organisator Hans Werner Richter: "Vielen Dank, nicht nur für die Knödel...".
Die beiden Gästebücher sollen laut Landrat Hemann Hübner (CSU) eine zentrale Rolle bei dem für Oktober in Waischenfeld geplanten Schriftstellerfestivals einnehmen.