Anton Eckert hat die Vision von der Schleuse 94 als Ort des Schauens und Lernens. Von europäischen Leader-Mitteln unterstützt, könne am ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanal ein Museum unter freiem Himmel entstehen, sagt der Kulturreferent des Landkreises. "Wenn das Bauwerk denkmalgerecht saniert ist, dann kann der Kanal in seiner einstigen Blüte gezeigt werden."

In den letzten Jahren hatte sich die Gemeinde Eggolsheim von dieser Vision ziemlich weit entfernt. Das Industriedenkmal war vor allem zum Streitobjekt zwischen CSU und Bürgerbund geworden. Im Jahr 2010 hatten schon mal 900 000 Euro an Fördergeldern gelockt, doch die streitenden Parteien kamen nicht zu Potte. Jetzt wird eine neue Runde im Kampf um die Nutzung der Schleuse 94 eingeläutet. Dabei geht es um zweierlei: Soll und kann die Schleuse saniert werden? Und wie wird das Naturschutzgebiet im alten Kanalbett genutzt?

Für den Samstag hat die Gemeinde dort den Auftritt der Musikgruppe Juno genehmigt. Das hat im Vorfeld zu einem massiven Protest geführt. Ex-MdL Walter Hofmann (CSU) und Heinz Marquart (Vorsitzender des CSU-Umweltarbeitskreises) hatten sich bereits am 18. Juni an Ministerialrat Lorenz Sanktjohanser im Umweltministerium gewandt. "Ein Open Air Festival im Naturschutz-, Vogelschutz und FFH-Gebiet Büg?" - ob das kein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz sei? Ob der Gemeinde eine Befreiung von der Verordnung erteilt wurde?

Einen Katalog mit sechs Fragen haben Marquart und Hofmann an das Ministerium geschickt. Geantwortet hat den beiden Eggolsheimern bis heute niemand. "Die Frist war am 18. Juli rum, das ist ein Verstoß gegen das Umweltinformationsgesetz", sagt Heinz Marquart. Mit dieser "konzentrierten Ignorierung der Gesetze" sei das Ministerium auf dem Weg "griechische Verhältnisse im Umweltrecht zu schaffen - jetzt müssen wir den bayerischen Landtag um Aufklärung bitten." Eduard Nöth habe bereits signalisiert, dass sich Staatssekretärin Melanie Huml um das Thema Nutzung der Schleuse kümmern werde.

Regierung genehmigt Ausnahme


Bürgermeister Claus Schwarzmann sagt, die Veranstaltung in der Schleuse sei "mit der Regierung von Oberfranken sauber abgeklärt". Walter Hofmann weiß, dass "Bayreuth diese Ausnahme erteilt hat". Aber offenbar nur, weil die Probleme vor Ort "nicht ganz ernst genommen" würden. "Es gibt keinen Grund, im Naturschutzgebiet festliche Veranstaltungen zu machen, wenn es so viele alternative Veranstaltungsorte gibt wie in Eggolsheim", sagt Hofmann. Er denke beispielsweise an "das imposante Ambiente der Jägersburg". Daher empfinde er den Auftritt der Gruppe Juno im Naturschutzgebiet "als Provokation". Zudem zeigte sich Walter Hofmann "etwas enttäuscht über die örtliche CSU, weil sie wegen der Schleuse keinen Antrag stellt".

Am Freitag hatte MdB Sebastian Körber (FDP) zu einer Besichtigung der Schleuse 94 eingeladen. Auch Bürgermeister Claus Schwarzmann und Kulturreferent Anton Eckert waren dabei. "Solche Industriedenkmäler haben wir nicht viele", begründete Körber seine Unterstützung der Sanierung. Nachdem nun auch 48 000 Euro aus der Bayerischen Landesstiftung geflossen seien, sollten die "parteitaktischen Geschichten vor Ort" vorbei sein, hofft Sebastian Körber.

Claus Schwarzmann geht ebenfalls davon aus, dass MdL Eduard Nöth (CSU) den Zuschuss der Landesstiftung "auch im Namen seiner Parteifreunde begrüßt hat". Der Eggolsheimer Bürgermeister sprach von einer "gewissen Spannung", wenn es darum geht, den Kanal als Naturschutzgebiet und zugleich als Kulturgut zu nutzen.

Die 425 000 Euro teure Sanierung der Schleuse scheint aus Schwarzmanns Sicht gesichert: 155 000 Euro aus der Oberfrankenstiftug "stehen abrufbar bereit". Aus dem Entschädigungsfonds winken 180 000 Euro und der Förderverein "wird bis 2013 25 000 Euro sammeln". Somit müsse "kein Geld aus der Kommune kommen".

Anton Eckert mahnt: "Der Markt kann es sich gar nicht leisten, das Denkmal dahinvegetieren zu lassen." Das museumspädagogische Konzept nach der Sanierung würde rund 300 000 Euro kosten. Die Hälfte würde über europäische Leader-Mittel des Landkreises fließen; 25 Prozent kämen von der Oberfrankenstiftung, sieben Prozent vom Landkreis und zehn von der Gemeinde als Träger.

Die Sanierung hält auch Heinz Marquart für sinnvoll: "Wir wollen ja nicht den Verfall der Schleuse." Walter Hofmann fordert, "das Industriedenkmal um seiner selbst willen zu erhalten". Ein stimmiges Konzept vermisse er jedoch: "Wozu also die 48 000 Euro Förderung?"