Ohne Umschweife und diplomatische Floskeln erklärte Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB), was er von den neuen Plänen der Deutschen Bahn zum viergleisigen Streckenausbau hält: "Das ist doch ein Witz." Thomas Sulzer, der an diesem Abend die Bahntochter DB-Projektbau vertrat, hatte zuvor den aktuellen Stand der Planungssituation vorgestellt: "Es sind Entwicklungen eingetreten, die nicht alle Wünsche erfüllen, aber das umsetzen, was finanzierungstechnisch möglich ist", sagte Sulzer.
Dies war Stoff genug für eine teils recht emotionale Diskussion zwischen den Vertretern der DB, dem Marktgemeinderat und einigen Bürgern. Tatsache ist: Die derzeit zweigleisige Strecke wird komplett erneuert und auf vier Gleise erweitert. Der Ausbau ermöglicht Zügen eine Geschwindigkeit von bis zu 230 Kilometern pro Stunde statt der bisherigen 200 Kilometern pro Stunde. Auch zwei Überholungsgleise für den Güterbahnverkehr sind geplant.
In der Folge müssen zwei bestehende Bahnübergänge aufgelöst werden. Ursprünglich sollte als Ersatz für die beiden Bahnübergänge in Neuses und an der Gemeindeverbindungsstraße Neuses-Unterstürmig eine große Unterführung am Bahnhof mit einer Höhe von 3,80 Metern angelegt werden. Auch Autos und Busse hätten so direkt unter den Gleisen zum Bahnhof hindurchfahren können. Bis 2009 hatte die Bahn dem Markt Eggolsheim das so auch zugesichert.
Heute, vier Jahre später, hält die DB einen kleinen Tunnel für Radfahrer und Fußgänger im Bereich des bisherigen Bahnübergangs allerdings für ausreichend. Auto- und Motorradfahrer dagegen müssten nach Willen der Bahn einen Umweg in Kauf nehmen. Parallelwege zu den Schienen sollen an die Verkehrswege anschließen.

Bahn verweist auf Gerichtsurteil

Autofahrer, die von Eggolsheim kommen, müssten beispielsweise laut aktueller Planung einen Umweg von 1,8 Kilometern über eine Brücke in Kauf nehmen, um auf die andere Seite der Gleise zu gelangen. Dort steht zum Beispiel auch das Lindnergebäude.
Dieser Umweg sei zumutbar, findet Sulzer, und begründet das mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2004. Darin hätte das Gericht grundsätzlich einen Umweg von bis zu drei Kilometern für akzeptabel gehalten.

Besonders viel Unmut unter den Eggolsheimer Zuhörern verursachte die Aussage, dass ein bestehender Rad- und Feldweg im Bereich der Drügendorfer Schotterwerke wegfallen soll. "Die Überlegung einen Lückenschluss zu machen ist mit zu hohen Kosten verbunden", begründete Sulzer. Bürgermeister Schwarzmann schien derweil die Hutschnur zu platzen: "Sie schneiden uns den Weg bei der Kiesgrube ab, ohne eine Umgehung zu planen. Das ist total inakzeptabel. Wir werden uns auf alle Hinterfüße stellen", wetterte er. Und bekam dafür Applaus. Ludwig Endres meldete sich aus dem Publikum zu Wort und ging ebenfalls hart mit der Bahn ins Gericht: "Heute argumentieren Sie mit einem Gerichtsbescheid von 2004. Vorher aber haben Sie vier mögliche Varianten vorgestellt und uns eine davon auswählen lassen. Damit haben Sie den Gemeinderat getäuscht." Die beiden Außenbahnsteige nördlich der Bahnhofsstraße sollen nach den Vorstellungen der Bahn durch einen neuen Mittelbahnsteig zwischen den Gleisen ersetzt werden. Ein Zugang zum Bahnsteig wäre über eine Treppe und einen Aufzug möglich.

Damit die Linienbusse wenden können, sollen östlich und westlich der Bahn Wendeschleifen neu errichtet werden. Auf der Neuseser Seite ist eine P+R Anlage geplant. Auf der Eggolsheimer Seite ist jedoch nach aktueller Planung kein Parkplatz vorgesehen. "Es gibt keinen Anlass, darauf zu verzichten. Es ist bodenlos, den Menschen keine Möglichkeit zum Parken zu geben", ärgerte sich Schwarzmann.
Sulzer konterte die Anschuldigungen Scharzmanns mit einem rechtlichen Hinweis: "Die Bahn ist nicht verpflichtet, Fahrradständer und Parkplätze zur Verfügung zu stellen."

Gemeinde holt rechtlichen Rat ein

Der Eggolsheimer Gemeinderat kam vorerst überein, keinen Beschluss zu fassen. Zunächst möchte er sich juristisch in der Angelegenheit beraten lassen. "Wir müssen politisch Druck machen. Dass wir hier mit den Planern diskutieren, macht keinen Sinn", appellierte Stefan Pfister (BB) kämpferisch an die Geschlossenheit der Gemeinderäte.
Im Jahr 2019 soll laut Zeitplan der DB mit dem Streckenausbau von Forchheim bis Eggolsheim begonnen werden. Bis 2022 sollen die Bauarbeiten anschließend dauern. Im Bereich des Lärmschutzes fordert die Gemeinde Eggolsheim nach wie vor vorgezogene Maßnahmen von der Bahn. Diese konnten die Planer bisher allerdings nicht verbindlich zusichern. Laut Bahn ist in diesem Punkt die Finanzierung durch den Bund noch nicht geregelt.
"Durch Lärmschutzwände reduzieren wir den Lärm im bahnnahen Bereich. Im Bereich Eggolsheim halten wir überall 49 Dezibel ein", erklärte Hans Högg jetzt. Er ist Experte für Schallschutz.
Im Bereich des Überholbahnhofs sind keine Lärmschutzwälle vorgesehen, da diese in freier Flur liegen. Pfeifgeräusche, das Rumpeln der Güterwagons und das Quietschen beim Abbremsen der Züge werden die Eggolsheimer in Zukunft wohl hören müssen.