Seit 25 Jahren beobachtet Berta Stein als ehrenamtliche Beobachterin für den Deutschen Wetterdienst, was sich zwischen Himmel und Erde so abspielt. War diese Tätigkeit früher noch sehr zeit- und schreibintensiv, ist dank der digitalen Übertragung der Daten inzwischen etwas einfacher geworden.

"Wolke 6", sagt Berta Stein nach einem konzentrierten Blick in den Himmel. Das bedeutet, dass der Himmel fast komplett bedeckt ist. "Heute kommt noch etwas", glaubt Stein. Stunden später fängt es tatsächlich zu regnen an.


Wind und Wetter

In den 25 Jahren, die Berta Stein die Wetterstation in Kasberg betreibt, ist sie zu etwas wie einer Wetterexpertin geworden. Dabei war es eher ihr Ehemann Walter, der sich für Wind, Wetter und Natur interessierte, schon der eigenen Landwirtschaft wegen.

Als die Wetterstation seinerseits ausgeschrieben wurde, meldete sich Steins Nachbar als Interessent.
Doch wer beruflich außer Haus muss, war vor 25 Jahren eher nicht so gut als Wetterexperte geeignet, schließlich musste drei Mal am Tag zur Wetterstation gelaufen und alle Daten exakt zu den vorgegebenen Uhrzeiten abgelesen und in Listen und Tagebücher eingetragen werden. "Du bist doch der Wetterfrosch", sagte der Nachbar zu Berta Stein, und so ging diese Aufgabe auf die inzwischen 77 Jahre alte Kasbergerin über. "Es hat mir immer viel Freude gemacht", sagt Berta Stein.

"Sie hat auch genau darauf geachtet, dass alle Werte exakt stimmen und ihr ganzes Leben nach der Wetterstation gerichtet", fügt Tochter Karin an. Denn digitale Messungen, die den Umgang mit der Station heute sehr vereinfachen, gab es zu den Anfangszeiten der Wetterstation noch nicht. Da war die Station noch ein weißes Wetterhäuschen, einige Meter von der jetzigen Station gegenüber Berta Steins Haus entfernt. Von dem ersten Häuschen gibt es kein Foto. Nur die Erinnerung daran existiert. Drei Stufen führten in die Hütte, in dem die Geräte aufgereiht waren.


Säuberlich notiert

Zweimal wöchentlich mussten die Streifen ausgewechselt werden und mit Strichen beim Ablesen die Temperatur beispielsweise markiert werden. Im Frühling und Sommer ging Berta Stein um 6.30 Uhr, um 13.30 Uhr und um 22.30 Uhr - und im Winter jeweils eine Stunde später - zu ihrer Wetterstation, um die Temperatur, die Windrichtung und die Luftfeuchtigkeit in Zahlen erst abzulesen und dann auch festzuhalten.

Fein säuberlich notierte sie in der Wohnung sämtliche Ergebnisse in ihrem Wettertagebuch. "Wolke 2, wenig bewölkt, 14,1 Luftfeuchtigkeit, 20,9 Grad am Mittag" steht dort beispielsweise für den 25. Juli 1990. Wenn sie zu einem Geburtstag eingeladen war, ließ sich Berta Stein zu den entsprechenden Zeiten nach Hause fahren, damit sie ihre Messungen ja auch zu den genauen Uhrzeiten durchführen konnte. "Darauf hat sie auch großen Wert bei ihrer Vertretung gelegt", sagt Karin Stein, während sie mit ihrer Mutter zum Regenmesser geht. Berta Stein hebt den Deckel des großen Regenmessers und leert das Wasser aus dem Behälter.

"Bei mir hat es zwei Millimeter geregnet, wie viel zeigt dein Regenmesser an?", wurde Stein in den Jahren des Öfteren von Kasberger Bürgern gefragt. Auch andere animierte die Wetterstation, ihre Aufmerksamkeit wieder mehr auf die Natur zu richten. "Früher war ich kein Naturmensch. Aber ich habe viel dazugelernt und achte mehr aufs Wetter und auf die Wolken", erklärt auch Stein. Mit der Zeit bekomme man auch ein Gefühl dafür, welche Wolken Regen bringen.


"Sehr wichtig für uns"

Berta Stein wertet die Daten nicht aus, sondern liest sie ab und notiert sie. Heute läuft fast alles digital. Auch vor diesen Neuerungen hat sich Stein nicht gescheut. Sie lernte deshalb noch mit 60 Jahren, einen Laptop zu bedienen. Die Daten gibt sie über das Handlesegerät ein, das vor ihr auf dem Tisch steht. Daneben hat sie die Wettertagebücher liegen.

Die Verdienste von Berta Stein sind auch dem Deutschen Wetterdienst nicht verborgen geblieben. Deshalb zeichnet der Dienst Berta Stein heute mit der Wetterdienstplakette aus. "Ehrenamtliche Wetterbeobachter uns sehr wichtig", betont Frank Sievers vom Deutschen Wetterdienst. Benötigt werden die Daten unter anderem für die Landwirtschaft, Verkehr oder auch für Klimaforscher, beispielsweise.

Überliefert werden die Wetterdaten vor allem auch von den ungefähr 2000 Wetterstationen in Deutschland. Dort arbeiten ehrenamtliche Beobachter im Dienste der Allgemeinheit. Eine von ihnen ist seit 25 Jahren Berta Stein.