Wahrscheinlich wissen Wulli Wullschläger und Sonja Tonn selbst nicht so genau, wie viele Konzerte sie schon zusammen gespielt haben.Die Erlanger Musiker sind auf der Bühne mit allen Wassern gewaschen. Einerseits. Andererseits waren die beiden jetzt vor dem Konzert im Untertrubacher "The Studio Lounge" fast so nervös wie vor dem ersten Mal: "Ich habe sieben CDs aufgenommen. Aber ich wollte schon immer diesen Sound haben, und hier bekomme ich ihn endlich", begründete Wullschläger sein Bauchgrimmen.
Das Besondere an "The Studio Lounge" ist, dass es eine Kneipe und ein Aufnahmestudio zugleich ist. Das gibt den Musikern die Gelegenheit, ihre Live-Auftritte auf Tonband zu bannen.
Wullis und Sonjas Aufregung rührte aber auch daher, dass bei einer solchen Live-Aufnahme die Lieder nicht beliebig oft wiederholt werden können. Hinterher war Wulli aber selbst ein wenig überrascht, dass sie in dem gut dreieinhalbstündigen dann doch erstaunlich wenig Fehler gemacht haben. Die halb im Scherz ausgesprochene Drohung Sonjas, das komplette Programm so oft zu wiederholen, bis alle Songs einwandfrei sitzen, machten die beiden Musiker also nicht wahr - obwohl einige eingefleischte Fans dagegen vermutlich nicht einmal etwas einzuwenden gehabt hätten.

Schlagen, klopfen, scharren


Wulli und Sonja spielten an diesem Abend in Untertrubach mehr als 20 Lieder. Beispielsweise von Reinhard Mey, Udo Lindenberg, Leonard Cohen oder Neil Young. Und extra für diesen Anlass hatten Wulli und Sonja an neuen Eigenkompositionen gearbeitet. So kam das Publikum jetzt in den Genuss, diese Lieder als erste zu hören.
Bobby Bachinger ist der Inhaber eines international renommierten Tonstudios im fränkischen Hinterland. Dort haben dem unter anderem schon Nena, Palais Schaumburg oder Chris Rea ihre Platten produziert. Bachinger hat jetzt auch Wulli und Sonja dabei unterstützt, ihre stimmlichen und musikalischen Fähigkeiten ungefiltert auf Band zu bannen. Aber nicht nur der eingesetzte Subwoofer, sondern auch die Gitarrentechnik Wullschlägers erwecken bisweilen den Eindruck, als seien nicht nur eine einzige Gitarre, sondern gleich mehrere Instrumente in Aktion.
Denn wenn Wullschläger auf die Gitarre schlägt und klopft, auf ihr scharrt oder über sie wischt, entsteht ein fast schon orchestraler Effekt. Dabei konzentriert sich der Erlanger ganz auf die Gitarre und nimmt seine Stimme deutlich zurück, wenn die Sonja Tonn ihr kehliges Timbres erhebt.
Wulli und Sonja verstehen sich darauf, auch altbekannten Songs ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Selbst bei dem inzwischen von ganzen Heerscharen interpretierten "Hallelujah" Leonard Cohens gelingt ihnen das. Bobby Bachinger und Wullschläger produzieren die Live-CD gemeinsam und teilen später auch die Einnahmen hälftig. Das lohnt sich vor allem für Wullschläger: "Denn CDs verkaufen wir heute eigentlich nur noch auf Konzerten."